TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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Ironman Hawaii 2005
Und es war doch ein schöner Urlaub..., ein Reise- bzw. Rennbericht von Roger Uhl

Seit einigen Tagen sind wir wieder vom Ironman Hawaii zu Hause und so langsam pendelt sich auch die deutsche Zeit beim Schlafen und Essen ein. Es ist schon interessant, wie der Körper sich gewohnte Abläufe und Zeiten einprägt, obwohl man nur 12 Tage die Tages- und Nachtzeit getauscht hat. Bei der Hinreise ging die Zeitumstellung etwas einfacher von statten, da wir über 17 Stunden geflogen sind und bei der Ankunft abends müde waren, dass wir nur noch ins Bett wollten. Am ersten Tag war gleich um 5.00 Uhr die Nacht um und es galt erstmal das Hotel und die Umgebung zu erkunden. In unseren Reiseunterlagen stand, dass der Veranstalter über den Tag verteilt Shuttlebusse zum Schwimmtraining, Strand oder zum Einkaufen anbietet. Mit Christine im Schlepptau nutzte ich gleich mal um 06.45 Uhr den ersten Fahrservice zum Schwimmtraining. Wer glaubt, dass wir die Ersten am Meer waren, der kennt nicht die Gepflogenheiten auf Hawaii.

Früh aufstehen und früh ins Bett
Am Pier war schon richtig viel los und nicht nur die vielen "Neulinge", sondern auch die Profis wie Stadler, Leder und Co. probten schon mal den Ernstfall. Ich beschränkte mich auf 30 Minuten lockeres Schwimmen, obwohl viele der Athleten einfach mal so zur Wendeboje schwammen. Die Wende liegt zwei km im offenen Meer. Von dort aus kann man nicht mal mehr den Start sehen. Am zweiten Tag stand unsere Inselrundfahrt an, die fast den ganzen Tag dauerte. Wer mal dort ist, sollte diese Tour unbedingt machen, da die Insel sehr viel Spektakuläres und Sehenswertes bietet. Lustig war noch der Umstand, dass sich bei unserer ersten Tourbesichtigung das ZDF an unsere Fersen heftete und den ganzen Tag bei uns blieb. Ist schon ein komisches Gefühl, wenn man ständig beobachtet und gefilmt wird.... Die nächsten Tage waren ziemlich zerrissen, da wir immer zwischen Urlaub und Vorbereitung pendelten. Man kam sich wie in der Schule vor: ein Stundenplan mit genauer Auflistung. Ein typischer Tag vor dem Rennen sah so aus: 5.00 Uhr aufstehen, Kaffee to go im Lava Java, Schwimmtraining, Frühstück, Startunterlagen holen, Schnorcheln am Strand mit den Schildkröten, Rad zusammenbauen, Testfahrt, Kaffee im Lava Java, Abendessen, 21.00 Uhr Bett.

Die Zeit vor dem Rennen

Die Tage waren vor dem Rennen so verplant, dass man gar nicht merkte, wie der Tag X näher kam. Man merkte es aber an der Masse der Triathleten die vor unserem Hotel (genau am Ali'i Drive) zu jeder Tages und Nachtzeit trainierten. Ich habe mich wirklich gefragt, ob alle Athleten so wirklich wissen was sie da tun, aber jeder macht ja sein Ding. Die Tage vor dem Rennen hatten wir ein Auto angemietet, das uns etwas von den Trainingsfleißigen weg brachte. Man musste mindestens den Wendepunkt in Hawi mit dem Auto überfahren, damit man die Radfahrer nicht mehr sah. Es ist unglaublich, aber es gibt Teilnehmer, die zweiTage vor dem Rennen die komplette Radstrecke noch mal abfuhren. Donnerstag und Freitag standen die Pflichttermine Wettkampfbesprechung und Radabgabe an und jedem Teilnehmer war dabei anzusehen, dass der Spaß nun vorbei war. Was mich in diesem Jahr überraschte, war die sehr gute Organisation. Vor drei Jahren hatte ich lange Schlangen und unangenehme Wartezeiten im Kopf, aber von Unterlagen holen bis zur Radabgabe ging diesmal alles super schnell. Am Abend vor dem Wettkampf stand die eigene Nudelparty des Veranstalters an. Zu der offiziellen Carbo-Party gingen, glaube ich, nur wenige aus unserem Hotel, da die Zusatzkarte für die zweite Person die Kleinigkeit von 42 Dollar kostete. Jeder Teilnehmer auf der Pasta-Party freute sich riesig über die Nudeln, da es im "Amiland" richtig schwer ist, etwas anderes als Burger und Sandwichs zu bekommen. Nach der Schlacht an der Nudel-Bar wurden die Profis von Ralf Eckart interviewt, bevor sich die meisten um 8.00 Uhr ins Bett verkrochen.

15.10. Raceday - es geht los
Um 4.30 Uhr war die Nacht am Raceday vorbei und alles lief wie geplant. Schnell etwas gefrühstückt und dann mit dem Shuttleservice Richtung Start. Wie alles in den letzten Tagen, lief auch das Bodypainting und der Check-in schnell und reibungslos ab. Der Pier war in der Nacht durch die vielen Scheinwerfer und Kameralampen hell erleuchtet und sah aus wie ein großer Armeisenhaufen. Jetzt ging alles recht schnell: Reifen aufpumpen, Getränke auffüllen und alles zum hundertsten Mal überprüfen. Die Anspannung stieg bei mir nun merklich an, weil alle in Richtung Schwimmeinstieg drängelten und ich mich an das Schwimmen von vor drei Jahren erinnerte. Wir mussten ca. 30 Minuten vor dem Start schon im Wasser sein, da der Einstieg nur über eine kleine Treppe erfolgte. Nun standen wir alle bauchtief im Wasser und warteten wie das Vieh, das zum Schlachten geführt wird auf den Start der Profis, danach durften wir an die Startlinie schwimmen. Kurz bevor es los ging sah ich sogar Christine in der Zuschauermenge und freute mich riesig. An der Startlinie im Wasser ging es nicht so locker wie beim Ironman Frankfurt zu. Kein entspanntes Abwarten, sondern mehr ein hektisches Gepaddel im Wasser. Der Start erfolgte dann recht schnell und das muntere Aufeinanderschlagen ging los. Es gab die ersten 5-10 Minunten richtig Prügel, bis sich alles etwas verteilte. Für mein Gefühl war das Meer recht ruhig und das Schwimmen lief gut. Nach der Wende wurde das Meer wieder etwas unruhiger und eine Strömung machte das Schwimmen nicht leichter. Kurz vor dem Ausstieg erwischte mich doch wieder meine Seekrankheit und mein Frühstück durfte nicht mit zum Radfahren.

Vom Wasser aufs Rad
In der Wechselzone war alles sehr gut organisiert und klappte reibungslos. Auf der Radstrecke war von Anfang an richtig viel los und es bildeten sich große Gruppen. Es gab mal wieder bei der Windschattenregel eine Änderung, welches solches Gruppenfahren begünstigt. Die neue Regel lautet: fünf Meter Abstand vom Hinterrad des Vordermanns bis zum Vorderrad des Hintermanns. Der Wind war in diesem Jahr nicht so stark auf der Radstrecke zu spüren, dafür war es sehr heiß. Schon an der Wende in Hawi merkte ich, dass mir die Hitze richtig zusetzte und dass ohne Kühlung nichts mehr ging. Ich kam mir vor wie ein altes Auto mit defektem Kühler, bei dem ständig Wasser nachgefüllt werden muss. Gerade auf den letzten 60 km flogen die anderen an mir vorbei, als würde ich stehen. In der Wechselzone war mir schon klar, dass es heute für mich ein sehr langer Marathon werden würde.

Und jetzt noch ein Marathon
Die ersten 15 km gingen dann doch recht gut, da ich sehr langsam das Laufen anging und jede Pausenmöglichkeit nutzte. Ich gönnte mir den Luxus und blieb zweimal bei Christine stehen um mich zu erholen. Nach ca. 17 km kam dann das, was ich schon vorher geahnt hatte. Die Körpertemperatur stieg an und ich musste kühlen, kühlen, kühlen. Ein Laufen war immer nur kurz nach den Verpflegungsstellen möglich, da ich dort meine Temperatur mit viel Eis und nassen Schwämmen wieder runter gekühlte. Später war nur noch Gehen angesagt und das Durchkommen stand an erster Stelle. Auf dem langen Queen Kaahumanu Highway bildeten sich in beiden Richtungen Leidensgruppen, die gemeinsam wanderten. Auch bei den Profis hatte nicht jeder einen schnellen Schritt drauf und einige gingen, so wie wir. Kurz vor Kona gab es in unsere "Wandergruppe" nur noch ein Thema: "Daylight-Finishen". Keiner wollte ein ekliges Leuchtstäbchen umgehängt bekommen und daher liefen zum Schluss wieder fast alle, um das Ziel noch im Tageslicht zu erreichen. Wenn man mal den Ali'i Drive erreicht hat und das Ziel sieht, dann hat man es quasi geschafft.

Endlich im Ziel
Tolle hawaiianische Stimmung entschädigt dann doch etwas für die Plagerei. Im Ziel wird man mit einem Blumenkranz empfangen und gleich weiter zum umgebauten Parkplatz am King Kamehameha Kona Beach Hotel geführt. Interessant war dass Essen, welches dort angeboten wurde. Leckere Pizza und Softeis. Zu erwähnen wäre noch die traumhafte Massage, die ich bei einer netten Hawaiianerin bekommen hatte. Ich war froh, als alles vorbei war und ich noch selbst zum Hotel gehen konnte. Das Kreuz, das ich dieses Mal im Wettkampf getragen hatte hat schon ganz schön gedrückt, dafür weiß ich aber jetzt, was Finishen bedeutet! Nachts ging es noch mit Christine zur großen Zielparty, wo wirklich die Hölle los war. Hawaiianisches Getrommel und Hulatanz begleite die Letzten ins Ziel.

THE DAY AFTER begann irgendwie anderes als ich es mir vorgestellt hatte. Bei der morgendlichen Champagner-Party wurde nicht nur viel Champagner und Bier ausgeteilt, sondern auch ein Ironman Quiz veranstaltet, bei dem ein Startplatz für den Ironman Frankfurt vergeben wurde. Da ich den strapaziösen Vortag noch in guter Erinnerung hatte, dachte ich nicht mal im Traum daran mit zu machen. Meine liebe Freundin Christine versuchte mich zum Spaß zum Mitmachen zu überreden und nervte mich mehrere Minuten. Als bei der ersten Frage nach dem Datum des ersten Ironman Frankfurt gefragt wurde (meinem Geburtstag) bin ich dann doch hoch, gezwungenermaßen. Es gab noch zwei weitere Fragerunden und zum Schluss hatte ich den Startplatz, "obwohl ich gar net wollte". Ok, dann hänge ich halt noch mal ein Jahr dran, damit der arme Bernd nicht alleine für seinen großen Auftritt beim Ironman Hawaii 2006 trainieren muss. Abends stand die große Awards-Party an, zu der wir alle vom Hotel aus hinpilgerten. Die Amis verstehen es wirklich, so einen Abend zu gestalten und unterhielten uns mit tollen Videos vom Wettkampf und einer schönen Siegerehrungsfeier. Auch das Essen und das BIER waren für hawaiianische Verhältnisse sehr gut. Einfach gesagt, ein wirklich schöner Abend als Abschluss.

Und jetzt beginnt unser Vergnügen
Montags sollte dann unser eigentlicher Urlaub auf Maui beginnen! Leider musste der erste Urlaubstag noch mal warten, da es eine nette Fluggesellschaft mit dem Namen "Aloha Airlines" gibt; die ihrem Namen alle Ehre macht. Was an diesem Tag alles schief gegangen ist, würde diesen Bericht sprengen, aber nur so viel dazu. Der Flug würde im Idealfall 20 min. dauern. Wir wurden um 9.00 Uhr vom Hotel in Kona abgeholt und haben abends um 20.00 Uhr im Hotel eingecheckt. Lockere 13 Stunden unterwegs. In Maui hatten wir, mal abgesehen vom ersten Tag, doch noch drei wirklich schöne Urlaubstage an vielen tollen Stränden und schönen Schnorchelplätzen, mit vielen Schildkröten. Der Heimflug ging über San Francisco, wo wir acht Stunden Aufenthalt hatten und die Zeit zu einer kleinen Stadtbesichtigung nutzten. Tolle Stadt! Seit Samstag sind wir mit mehr als 1000 Bildern im Gepäck und 48 Stunden ohne richtigen Schlaf daheim angekommen und kämpfen seither mit dem Jetlag. Vielleicht noch eins, wer die Möglichkeit hat sich zu Qualifizieren, der sollte sich das Abenteuer einmal gönnen, denn das Erlebte ist eins der wenigen Dinge im Leben, das man sich nicht einfach kaufen kann

Aloha,
Roger & Christine