Mahalo for
your Kokua!
Ein Reise- und Erlebnisbericht von Bernd
Schneider
25.10.2006
Hawaii: Vielen, vielen Dank für die tollen eMails und
SMS, das war echt super aufbauend und motivierend. Es hat mich wahnsinnig
stolz gemacht und mir viel Kraft gegeben für diesen einzigartigen
Tag. Mahalo for your Kokua! So etwa äußert
sich der Hawaiianer, wenn er sich für eine großartige
Unterstützung bedankt. Es hat sich wahrscheinlich herum gesprochen,
das ich ins Ziel gekommen bin. Und jetzt informiere ich euch, wie
es mir ergangen ist.
Am Donnerstag fand
traditionell auf dem Parkplatz des King Kamehameha Hotels die große
Nudelparty statt, schön amerikanisch mit viel Plastikgeschirr.
Aufs Dixiehäuschen wollte ich nicht, also ging ich an zwei
Guards vorbei, zum Pinkeln ins Hotel. Zwei Minuten später wollte
ich den gleichen Weg zurückgehen, da meinten die beiden Jungs,
ich könnte hier nicht zurück, also - wieder zum Haupteingang,
300 m weiter, „it’s the law!“.
Freitag dann Radabgabe, super professionell, alles lief ruck zuck.
Später gab’s noch eine interne Pastaparty (Reiseveranstalter)
und um 20:00 lag ich im Bett. Samstagmorgen um 4:00
Uhr bin ich nach recht gutem Schlaf aus den Federn. Als Henkersmahlzeit
gönnte ich mir zwei Tassen Kaffee und vier Toast. Um 5:00
mit dem Shuttle zum Start, danach Startnummernbemalung, Rad aufpumpen,
Proviant aufs Rad und natürlich noch mal aufs Klo. Um 6:45
starteten die Profis. Pünktlich stand ich im Wasser (Danke
für die vielen Tipps Roger),
so dass ich um kurz vor 7:00 schon an
der Startlinie schwamm, natürlich wie immer ganz links, um
den Tumulten aus dem Weg zu gehen. Meine Aufregung hielt sich in
Grenzen, aber die Frage: „was machst Du
eigentlich hier?“, ging mir doch ab und zu durch den
Kopf.
Dann der Startschuss und das Gewühl ging los, auch ganz links.
Nach zehn Minuten beruhigte sich die Szene und die Schwimmer hatten
sich einigermaßen sortiert, so dass man fast unbeschwert seinen
Weg zum Wendepunkt zurücklegen konnte. Der
Wellengang hielt sich im Gegensatz zu den Vortagen auf einem annehmbaren
Level, obwohl die Veranstalter bei der Siegerehrung von einem
„hard swim“ redeten. Nach 1920m
traten wir den Rückweg an, dann gab es noch mal kurzfristig
Gerangel. Ich war soweit zufrieden und nach 1:14Std.
für diese 3840m durfte ich wieder
an Land. Weiter ging es durch die Duschen zur Wechselzone, Sonnencreme
drauf und ab aufs Rad.
Erst eine kleine Runde durch Kona, dann
auf den langen Weg nach Hawi, in den Norden
der Insel. Die ersten Pulks bildeten sich und ich versuchte mit
der Flucht nach vorne dem Windschatten fahren zu entgehen. Die Regel
verlangt sieben Meter Abstand zum Vordermann und ein Überholvorgang
darf nur 20 Sekunden dauern. Nach zehn Meilen erlebte ich die erste
und einzige Enttäuschung dieses Wettkampfs. Ein Wettkampfrichter
zeigte mir die rote Karte, weil ich 30 Sekunden für einen Überholvorgang
brauchte. Zur
Strafe musste ich vier Minuten in die nächste Penaltybox. Man
lernt eben nie aus. Kurz vor der Wende in Hawi hatten wir bergauf
noch etwas Gegenwind, bevor es endlich wieder heimwärts ging.
Bis dahin lag bei mir alles im Plan, trotz Zeitstrafe hielt ich
einen 32er Schnitt, mir ging es soweit
gut. Zwischen km 120 und 160 regnete es
zunächst, danach kam plötzlich Gegenwind auf. Na ja, es
wurde etwas härter, aber da mussten ja alle durch. Wahrscheinlich
lag es auch an den geringen Radvorbereitungskilometern, selbst dran
Schuld! Die letzten beiden Stunden auf dem Rad zogen sich schon
etwas hin, aber dann ging es zu meiner Disziplin. Wieder durch die
Wechselzone, Pinkeln, Laufschuhe an, Sonnencreme drauf.
Ich lag auf Platz 1061 und war froh,
dass ich endlich vom Rad konnte. Wie immer dauerte es etwa fünf
Kilometer, bis ich meinen Rhythmus fand, aber dann war alles wie
immer. Lauf von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle. Nahrungsaufnahme
in flüssiger Form und Eis reinschütten, wo immer es möglich
war. In die Mütze, das Oberteil vorne und hinten, Hose vorne
und hinten (und dabei bitte “no nuditity“!). Erst ging
es sechs Kilometer Richtung Süden, dann 21 Kilometer in Richtung
Norden, bis zum berüchtigten
Energy Lab, dann wieder 15 Kilometer ins
Ziel. Da ich keine Uhr bei mir hatte, musste ich mich natürlich
von Zeit zu Zeit erkundigen, wie der Stand der Dinge ist. Fünf
Kilometer vor dem Ziel wusste ich schon, dass es passen würde.
Das Laufen fiel mir wieder etwas leichter. Jetzt wurmte mich die
vierminütige Zeitstrafe, weil die 11 Stunden
Marke in unmittelbare Nähe rückte. Ok, ich war
bei den Weltmeisterschaften, Daylightfinishen war mein Ziel und
ich wollte den Wettkampf genießen, das alles hatte geklappt.
Also lief ich frohen Mutes dem Alii Drive
entgegen. Inzwischen hatte ich 161 Konkurrenten
überholt und freute mich aufs Finishen. Noch 500 Meter, langsam
wurden die Menschenmengen größer und das Ziel rückte
unaufhaltsam in Reichweite. Finish…
Es ging alles so schnell. Zwei hübsche Damen empfingen mich
und reichten mich weiter „are you ok?“
und schon lag ich bei der Massage. Danach wollte ich duschen, doch
es gab nur kaltes Wasser, also dann halt kalt. Im Athletenbereich
war es so überfüllt (jeder Athlet dufte zwei Angehörige
mitnehmen), dass ich nur noch raus wollte. Beutel abgeholt, Fahrrad
geschnappt und ab. Doch jetzt gab es erst mal
eine Dusche von oben. Auf dem Heimweg wurden die Füße
selbst dann nass, wenn die Pedalen waagrecht standen, weil das Wasser
auf der Straße so hoch stand. Im Hotel genoss ich zu allererst
eine heiße Badewanne, danach drei Bud. Eigentlich
wollte ich noch auf die Finishline-Party, doch die Biere und die
Müdigkeit ließen dies nicht mehr zu. Nach zwei Stunden
Schlaf meinte mein Körper, er könne wieder, die Herzfrequenz
stabilisierte sich bei 90 Schlägen. Also, erstmal den Wettkampf
Revue passieren lassen, dann wieder schlafen. Um 4:00
Uhr führte ich die ersten Telefongespräche und
schrieb Emails.
Sonntagnachmittag,
Captain Beans Cruise mit Hula und Verpflegung, danach Awards-Party.
Schöne Atmosphäre nach Einbruch der Dunkelheit. Alle Cracks
waren anwesend, es gab auch Bier. Die Zeremonie war sehr schön,
bis auf eine langatmige Lebensgeschichte der Ironman Familie. Teilweise
sahen wir tolle Videos, hörten aber auch langweilige Reden.
Danach war Lulu’s angesagt. Auf dem Weg dahin lief mir Cameron
Brown entgegen. Wir holten uns noch ein Bier und wollten
die Guards ausspielen: „no drinks behind
this line…“. Erst Cameron, dann Philip, dann
Martin, dann ich. Ich war schon fast draußen, da hielt mich
jemand am Rucksack, „no drinks behind the
line, it’s the law!“. Na ja, das kannte ich schon
und trank zuvor mein Bier. Danach eine schöne Party im Lulu’s,
zu der ich im nächsten Jahr als Gast mit Claudia,
Arnd,
Roger,
Volker,
Mario,
Tobias
hingehen. Dort trifft sich die ganze Triathlonprominenz. Um 1:00
Uhr strich ich die Segel und ab sofort heißt es noch
fast eine Woche HANG LOOSE.
Des wors und hasta la vista.
Ich bin am 31.10. wieder in der Heimat. Allen Frankfurt Marathonis
wünsche ich einen guten Lauf!
ALOHA, Bernie
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