2. ARQUE Sky Run auf den Frankfurter Messeturm
Teilnehmer Stefan Schlett berichtet
Nach der weltweiten Hysterie und Panik um die Ereignisse von 9.11 in New York, fand letztes Jahr erstmals nach 1996, 1998 und 2001 wieder ein Wolkenkratzerfestival in Frankfurt am Main statt. Fünfzehn Hochhäuser öffneten ihre sonst für den Normalbürger verschlossenen Pforten und Aussichtsplattformen. Neben Base-Jumpern (Fallschirmspringer) und Bungee-Springern durften sich auch Läufer in der Vertikalen austoben. Zum Rahmen des 4. Wolkenkratzerfestivals, das mehr als eine Million Besucher anzog, gehörte die Premiere des ARQUE Sky Runs auf das dritthöchste Gebäude Europas. Dieser wurde mit 146 Teilnehmern und 12.000 Euro an Spendengeldern ein voller Erfolg. Aber das Potenzial war damit noch lange nicht ausgeschöpft. 245 Starter und rund 18.000 Euro Spendengelder bei der zweiten Austragung am 18. Mai 2008 bedeuteten eine sensationelle Steigerung von 50%!
Gottes Dreiförmigkeit...
....nannte Architekt Helmut Jahn das 257m hohe und 250 Millionen Euro teure Wahrzeichen Frankfurts, das von 1988 – 90 errichtet wurde. „Ein Quadrat, ein Dreieck und ein Kreis, das ist alles, was Gott uns gab“, so die Entwurfsidee. Es entstand ein quadratischer Baukörper, aus dem sich ein zylinderförmiger Kern schält, der wiederum zu einer Pyramide zugespitzt ist. Auf einer Basis von nur 41x41m bietet der Messeturm Arbeitsplätze für über 3000 Menschen und verfügt als einziges Gebäude in Deutschland über eine eigene Postleitzahl. Die „Konkurrenz“ ist nur unwesentlich höher: Der Commerzbank Tower, ebenfalls in Frankfurt, kommt auf 259m und der Triumpf-Palace in Moskau erreicht 264m.
Die „Besteigungsdaten“ ließen hohe Laktatwerte erwarten: 61 Stockwerke mit 1344 Treppen und 222 Höhenmeter waren zu erstürmen. Der Kenner weiß, das ist die Hölle! Ein nicht enden wollender, anaerober Exzess mit dem in geschlossenen Gebäuden typischen Sauerstoffmangel. Start vor dem Eingang, direkt neben dem berühmten Hammermann, der den Läufern des Frankfurt-Marathons nur allzu gut bekannt ist. Zunächst stürmten Firmenteams und Vereine in Fünfergruppen im Minutenabstand die Treppen hoch. Dabei auch sieben Feuerwehrmannschaften aus Deutschland und der Schweiz, die am erstmals ausgelobten Firefighter-Cup teilnahmen und das Treppenhaus in voller Montur mit schwerem Atemschutzgerät in Angriff nahmen. Die Einzelstarter wurden in 30-Sekunden-Intervallen in die monotone Einsamkeit der Treppenwelt entsandt.
Treppenläufe, die sich weltweit steigender Beliebtheit erfreuen, sind das ultimative urbane Abenteuer in der Vertikalen. Und nicht nur für Sportler gedacht, denen ebenerdig nicht mehr genug ist oder bei denen es geradeaus nicht so gut läuft. Treppenläufe sind die effektivste Trainingsmethode. In kurzer Zeit ist der Puls auf Anschlag, ohne dass der Bewegungsapparat orthopädisch stark belastet wird. Sozusagen ein Herz- Kreislauftraining erster Klasse.Die Mutter aller Treppenläufe ist der Empire State Building Run Up in New York (86 Stockwerke, 1576 Treppen), der anspruchsvollste findet mittlerweile in Chicago (USA) auf den 442m hohen Sears Tower statt. Dabei sind 103 Stockwerke und 2109 Treppen zu erklimmen.
Die Anmeldegebühren der insgesamt 32 Teams und 85 Einzelstarter kamen zu 100% der gemeinnützigen Arbeit von ARQUE (ARbeitsgemeinschaft für QUErschnittsgelähmte mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe e. V.) zugute, einem Verein der die Interessen von Menschen mit angeborener Querschnittslähmung und Störung des Gehirnwasserkreislaufes vertritt. Immerhin kamen so 18.000 Euro zusammen – ein sensationeller Erfolg für ein relativ kleines Event wie den Sky Run!
Titel erfolgreich verteidigt
Vorjahressieger Matthias Jahn, der zur Weltspitze der Treppenläufer gehört (3. Platz beim Empire State Building Run Up in New York 2008) konnte seinen Titel in neuer Rekordzeit von 7:07 Minuten verteidigen (2007 brauchte er 7:15 Minuten). Das sind 3,1 Treppen pro Sekunde bzw. 186 Treppen und 31 Höhenmeter in der Minute! Yvonne Waßmuth vom Team UBS Deutschland AG II erreichte als schnellste Frau eine Zeit von 10:22 Minuten. Das schnellste Team (fünf Einzelzeiten addiert) war die „Süwag Energie“ mit 48:54 Minuten und einer durchschnittlichen Läuferzeit von 9:47 Minuten.Den Firefighter-Cup gewann die Feuerwehr Aschaffenburg in 1:08:40 Stunden. Beim Junior Cup siegte der 16-jährige Steffen Grillmayer vom TSG Nieder-Erlenbach mit einer Zeit von 9:40 Minuten. Jüngster Teilnehmer war mit 12 Jahren Jasper Seitz-Mc Intyre von La Celle Saint Cloud in Paris. In einer illustren Gruppe von vier Doppelstartern befand sich mit Dr. Jürgen Frei im zarten Alter von 67 Jahren auch der Dienst älteste Treppenläufer. Als wahrer Genießer stellte sich Max Helfrich vom Team Radisson SAS heraus, der seinen Aufenthalt im Treppenhaus auf 29 Minuten und eine Sekunde ausdehnte. Jeder Teilnehmer konnte sich direkt im Ziel freiwillig einem Laktattest von Dr. Rainer Föhrenbach vom Institut für Sportdiagnostik unterwerfen. Dabei kamen teilweise sensationelle Werte heraus. Der Tagesrekord bei einem Treppensteiger lag bei 16,7 mmol......!
Der dritte ARQUE Sky Run...
....findet nächstes Jahr dann wieder im Rahmen des Wolkenkratzerfestivals statt. Im Frankfurter Zentrum stehen 31 Gebäude mit 100m Höhe und mehr. Zwei weitere befinden sich aktuell im Bau und vier Gebäude sind fest in der Bauplanung. Die Bankenstadt bietet somit ein riesiges Potenzial für Treppenläufe verschiedenster Art – Raum für ganze Cup-Veranstaltungen in verschiedenen Höhenkategorien und Entfaltungsmöglichkeiten für eine Hochhausliga in der Laufbewegung......
Die nächste Veranstaltung von ARQUE ist am 9.11.08 der 21. ARQUE-Lauf von Kelkheim nach Mainz. Ein Gruppenlauf über 33,7km in verschiedenen Leistungsklassen, geführt von den ARQUE-Pacemakern. Daneben gibt es noch drei kürzere Distanzen.
Stefan Schlett
Übrigens erreichte Stefan unter 238 Finishern einen sagenhaften achten Gesamtplatz in einer Zeit von 8:48min. Damit lief er auf den Bronzeplatz im Feld der starken M40. |