Napoleon Bonaparte im Schatten
von Schlett
02.01.2008
Auf seine alten Tage als Extremsportler hat sich Stefan
Schlett, 45, mit der christlichen Seefahrt angefreundet. Im vergangenen
Jahr legte der ruhelose wie bewegungssüchtige Weltenbummler zwischen
seinen sportlichen Auftritten rund 25 000 Kilometer auf See zurück.
Den Höhepunkt seiner Abenteuer fand er weit weit weg vom heimatlichen
Kleinostheim auf der Insel St. Helena im südlichen Atlantik beim
dortigen Island Festival of Running. Kaum
ein Mensch würde dieses Fleckchen Erde kennen, wenn es nicht
von 1815 bis 1821 als Verbannungsort für Napoleon Bonaparte gedient
hätte. Knapp 2000 Kilometer von Afrika und über 3000 von
Südamerika entfernt, gehört die Insel zu den Überseegebieten
Großbritanniens und ist, weil kein Flugplatz existiert, nur
mit dem Royal Mail Ship St. Helena erreichbar.
Dass Schlett die Überfahrt an Bord überaus genoss, schreiben
wir seiner Liebe zum Meer und nicht dem Umstand zu, dass der Rest
der Passagiere seekrank an die Koje gefesselt war und er sich die
Fünf-Gänge-Menüs mit dem 2. Ingenieur teilen konnte.
Die Queen hatte leider keine Zeit
Die sportliche Bilanz des Unternehmens St. Helena kann sich sehen
lassen: Erst gewann Schlett in Rekordzeit das Treppenrennen 699 Stufen
die Jacobs Ladder hinauf zur örtlichen
Verteidigungsanlage (wo heute die Feuerwehr untergebracht ist) und
wurde dafür von der örtlichen Presse und dem Radiosender
zum neuen Treppenkönig der Insel gekürt. Zwei Tage später
siegte er unter 40 Teilnehmern im Zehn-Kilometer-Lauf durch die gebirgige
Vulkaninsel und zum Abschluss belegte er Platz zwei im Marathonlauf,
was ihm den Gesamtsieg einbrachte. Weil’s so schön war,
gelang ihm noch ein Rekordversuch auf Initiative der Inselzeitung,
indem er die Jakobsleiter in fünf Minuten und elf Sekunden meisterte,
damit 327 Pfund Sterling für die Krebshilfe sammelte, endgültig
zum Helden der ereignisarmen Insel wurde und als Hauptgewinn eine
Flasche Kaktusschnaps in Empfang nehmen durfte. Krönender Höhepunkt
des sportlichen Unternehmens war die feierliche Siegerehrung im Plantation
House, dem Amtssitz des königlichen Gouverneurs, der als Repräsentant
der Queen Stefan Schlett die Hand schüttelte. Im Rahmen dieses
feierlichen Empfangs lernte der Kleinostheimer auch den ältesten
Bewohner der Insel kennen, der, inzwischen 180 Jahre alt, im Garten
der königlichen Anlage seine Residenz gefunden hat: eine Schildkröte
namens Jonathan.
Vom Luxusliner aufs Fahrrad
Nach fünf Wochen Erholung von diesem sportlichen Stress ließ
sich Schlett wieder vom königlichen Postschiff abholen und
zur nächsten Station des Kalenders 2007 schippern, der da lautete:
Transatlantik-Kreuzfahrt mit der Voyager of the
Sea. Für Schlett seit Jahren ein Traum, verbrachte er
die Zeit auf dem ehemals größten Luxusliner der Welt
unterwegs nach Galveston in den USA vor allem damit, Berge von Kalorien
in sich hinein zu schaufeln und sie auf den Fitnessanlagen an Bord
schnellstens wieder abzuarbeiten. Schlett: "Das
war ideal. Eine Tartanbahn, ein Fitnessstudio, jede Menge Pools
- und das alles direkt vor der Kabinentür. Das habe ich zu
Hause nicht“. Zu Hause, in der weniger paradiesischen
Hanauer Straße in Kleinostheim, tüftelt er derzeit an
seinen Plänen für 2008. Eines steht fest: Das neue Jahr
dürfte schweißtreibender werden als das alte. Das sportliche
Programm beginnt wie im Vorjahr Anfang März mit dem Marathon
am sibirischen Baikalsee, dem er noch eine frostige Fahrradtour
aufpacken will, und findet seine Fortsetzung mit dem weltgrößten
Mountainbike-Rennen in Südafrika, das er nach durchstandenem
Trans Germany 2007 als Vorbereitung auf
den Höhepunkt des Jahres sieht: seine fünfte Kontinent-Durchquerung,
die ihn mit dem Rad von Istanbul bis Peking führen soll. Mehr
hat er nicht vor in diesem Jahr.
Redaktion Main-Echo
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