TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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Vom Kleinbus über den Haufen gefahren

Sein Schutzengel war wieder einmal zur Stelle, doch Stefan Schlett glaubt, dass es auch mit dem kleinen Heiligenbildchen zu tun hat. Ein Mönch im koptischen Kloster St. Paul unweit des Roten Meeres hatte es ihm im Tausch gegen eine Autogrammkarte überreicht.
Egal: »Jedenfalls hatte ich mal wieder ein Sauglück!«

Es geschah am Stadtrand von Hurghada, wo Touristen zum Tauchen hinfahren, wenige Meter nach einer Straßensperre der ägyptischen Polizei. Die Gasse wurde immer enger, der Verkehr immer schlimmer, und schon war es passiert, lag unser Held, angefahren von einem Kleinbus, blutend am Straßenrand.

Der Fahrer sprang aus dem Wagen, um zu sehen, was er angerichtet hatte, doch bis er sich um sein Opfer kümmern konnte, hatte sich dieses samt Fahrrad bereits im Minibus verstaut, gestikulierte wild mit den blutverschmierten Händen und befahl dem Ägypter auf Englisch: »Und du fährst mich jetzt da hinter!«

Edith die Krankenschwester

»Da hinten« war die nahe Verpflegungsstation der Afrika-Radler samt Polizeioffizier, der den Unfallhergang aufnahm, während Edith, die kanadische Krankenschwester, die Schürfwunden behandelte und eine Rippenprellung diagnostizierte. Es könnte aber auch ein kleiner Bruch sein. Hauptsache, das Fahrrad ist heil, dachte sich Schlett, stieg auf seinen Drahtesel und quälte sich die restlichen 45 Kilometer ins Tagesziel Safaga. »Es tut halt weh«, sagt er, »aber es sind Schmerzen, die zu ertragen sind.« Zu ertragen, wenn man noch knapp 11 000 Kilometer bis Kapstadt vor sich hat? Muss er wissen.

Der französische Jammerlappen

Das bisschen Afrika, das er in den ersten vier Tagen hinter sich gebracht hat, kann noch nicht alles gewesen sein. Doch bis auf den Unfall war der Anfang nicht schlecht. Der Start am vergangenen Samstag direkt vor der Kulisse der Sphinx, der ägyptische Tourismus-Minister, der die Wagemutigen mit einem Frühstücksbüffet auf die Reise geschickt hat, die Polizei-Eskorte, die den Tross vor dem Verkehrschaos rund um Kairo schützte. Oder die Tour am Roten Meer entlang, im Hintergrund die Berge des Sinai. Auf der anderen Seite die Wüste, geschmückt mit endlosen Pipelines und Raffinerien. Zum Kloster auf dem Berg sind sie nur gekommen, weil ein Polizist geschlafen hat. Zwölf überflüssige Kilometer landeinwärts. Oben erklärte man ihnen, dass sie sich verfahren hätten. Aber es gab zu essen und zu trinken von den freundlichen Mönchen. Und zurück eine angenehme Abfahrt.

Weiter geht's. Afrika hat ja noch gar nicht richtig angefangen. Das kann sich doch einer wie Schlett nicht entgehen lassen. Wie etwa dieser Franzose, dem es schon nach zwei Tagen zu viel war. Oder der Holländer, der wegen einer lumpigen Platzwunde das Handtuch geworfen hat.

Noch 30 sind es, die bis Kapstadt jeden Zentimeter fahren wollen.Und nicht jeder von ihnen hat im Rucksack ein kleines Heiligenbildchen.