01.06.2007 - Trainingstagebuch eines Langdistanz-Triathleten
von Manni Scherer
Montag:
Das gestrige 10km Rennen in Bergen Enkheim habe ich gut verdaut,
heute ist Ruhe angesagt. Gegen 16:30 Uhr starte ich zu einem lockeren
Regenerationslauf über 14km und bin nach 65 Minuten wieder
zu Hause. Schnell noch 20 Minuten Gymnastik, dann kurz unter die
Dusche. Zwischendrin Neuigkeiten bei Gattin und Kindern
abgefragt und schnell am Rechner die Post gecheckt. Eiweißshake
und Obst konsumiert, Schwimmsachen gepackt und ab ins Schwimmtraining.
Um 21:45 Uhr entsteige ich dem 50m Becken, damit ich pünktlich
um 22:00 Uhr das Vitamar verlassen kann. Danach kommt man angeblich
nicht mehr raus, es hat aber noch niemand von uns ausprobiert. Um
22:15 Uhr sitze ich dann bei meiner Vicky
auf dem Sofa und gönne mir noch ein Löwenbräu alkoholfrei.
Dienstag:
Wie jeden Morgen, klingelt um 5:24 Uhr der Wecker. Heute steht ein
langer Lauf auf dem Plan. Ich treffe mich um 16:50 Uhr mit Claudi
am Dettinger Wasserhäuschen, weil ihre Tamara
von 16:50 bis18:00 Uhr Handball in der Räuschberghalle trainiert.
Claudi begleitet mich dann von km 5 bis km 10,5, was mir wenigstens
die ersten 10km erleichtert. Bei km 12 und etwa 30°C fängt
mein Magen an zu rebellieren. Das Blumenkohlgemüse meiner Mutter
war wirklich lecker, aber als Mittagessen vor einem 35er nicht zu
empfehlen. Ich schaffe es schließlich bis zum Gästeklo
von Achim,
exakt bei Kilometer 20. Auf den anschließenden 14km beruhigte
sich mein Magen, jetzt schmerzten nur noch die Beine. Die Hitze
gab nicht nach und meine 800ml vom Getränkegürtel reichten
gerade so aus. Nach 2:42 Stunden und einem Schnitt von 4:45min/km
kam ich nach insgesamt 34km recht zufrieden wieder in der Kleinostheimer
Schillerstraße
an. Nach dem Duschen füllte ich ausreichend Kohlehydrate nach
und genehmigte mir das obligatorische Löwenbräu. Sofa
war heute aber nicht drin. Nach abfragen der Post galt es nun, sich
ein wenig auf die Ausschusssitzung des folgenden Tages vorzubereiten.
Mittwoch:
Den gemeinen Vorbereitungstag zu meinem
Langdistanztriathlon beginne ich um 06:15 Uhr im Vitamar mit dem
Frühschwimmen. Nach 45 Minuten und weit mehr als zwei Kilometern
nahm ich mal den Kopf hoch und schaute mich um, wer sonst noch trainiert.
Danach
ging ich wach und nasshaarig zur Arbeit. Respektvolle Blicke waren
mir garantiert. Kurz vor vier war dann Feierabend. Da der Rest meiner
Familie ausgeflogen ist, sitze ich pünktlich um 16:30 Uhr auf
dem Rennrad. Mein Radtrainer Arnd
hat mir drei Stunden Kraft verordnet, d.h. ziemlich viele Buckel
fahren. Es ist warm - nach dem Wetterbericht und einem Blick zum
Himmel kündigt sich Regen an. Nachdem ich noch trocken durch
Hohl gekommen bin, stehe ich an der Auffahrt nach Daxberg und hadere,
ob ich nun da hoch in den tiefschwarzen Himmel fahren soll, oder
doch lieber Richtung Alzenau, wo blauer Himmel zu sehen ist. Ok,
ich gehöre doch zu den Harten der Branche..... Bin natürlich
nass in Breunsberg angekommen und habe mit der Abfahrt nach Schimborn
wenig Spaß. Aber alles geht gut und von Vormwald, hinauf auf
den Engländer, kommt schon wieder die Sonne durch. Nach exakt
drei Stunden Fahrzeit lese ich 77km vom Tacho ab und stehe kurz
nach halb acht unter der Dusche. Pünktlich um 19:50 Uhr holt
mich Angelika - Nachbarin und TSG Sekretärin in Personalunion
- wie verabredet zur Ausschusssitzung ab, die für 20:00 Uhr
angesetzt war. Nach eineinhalb Litern Apfelsaftschorle gönnte
ich mir während der Sitzung noch zwei Radler. Gegen 22.30 Uhr
lande ich wieder zu Hause und sitze mit meiner Vicky noch ein bisschen
vorm Fernseher.
Donnerstag:
Heute wird’s ein ruhiger Trainingstag, zumindest laut Plan.
Nach meiner wöchentlichen Massage bei Sabine
und Evelin vom Physio-Medica
Team stand lediglich Schwimmtraining auf dem Plan - das geht
ja. Allerdings wusste ich da noch nicht, was sich Claudi wieder
Lustiges für uns ausgedacht hatte. 50m Sprints, und zwar volle
Presse. Irgendwann fängt man an zu zweifeln, ob die Arme es
noch bis zum Beckenrand schaffen. Aber sie schafften es immer wieder.....
Freitag:
Direkt nach Feierabend treffe ich mich mit Rainer
und Michael
am Kahler Campingsee. Gemeinsam gilt es dann mal wieder 3,8km horizontal
zu bewältigen. Nach ca. 1:15h, mit Pausen, entsteige ich beruhigt
den Fluten und habe für heute Feierabend. Klar, ist
doch Ruhetag...... Und weil Vicky heute Abend ihr Sozialleben pflegt
und mit früheren Arbeitskolleginnen essen geht, fröne
ich meiner zweiten Leidenschaft und bereite mir einen leckeren Thunfischauflauf
zu. Viel Kohlehydrate und Eiweiß sollten schon zugeführt
werden, steht doch morgen der erste 200er auf dem Plan.
Samstag:
200km auf dem Rad nehmen doch eine gewisse Zeit in Anspruch, deshalb
geht’s um acht Uhr schon los, ich hätte problemlos bis
um 10.00 Uhr schlafen können. Naja, ab 25. Juni wieder….
Ich bin froh, dass ich mit Michael,
Mario
und Christian
drei Begleiter gefunden habe, sonst hätte ich sieben bis acht
Stunden alleine durch die Gegend radeln müssen. Der mehrmalige
Hinweis, die 200 im ruhigen 27er Tempo zu fahren, wird mit: "jaja,
keine Angst, du bist der Chef" kommentiert. Bedeutung
hatte diese Aussage freilich keine. So mussten die Jungs dann halt
das ein oder andere Mal warten oder im Kreisel drei bis vier Runden
drehen, bis ich wieder aufgeschlossen hatte. Nach 50 bis 60km (hinter
Miltenberg) kam ich dann aber in Fahrt und konnte auch bei niedrigem
Puls mit 31
bis 32km/h im Windschatten bleiben. Zuhause angekommen, fühlte
ich mich dann auch wie ein Großer: 209km in 07:04h zurückgelegt,
und das im 29,7er Schnitt. Keine offenen Stellen an den hinteren
Extremitäten, also alles Bestens. Ein bisschen Gymnastik und
dann leckeres Essen. Zuerst führe ich Obst und Eiweiß
zu und heute, nach großem Sport, gibt es Kartoffelgemüse
mit Kalbsschnitzel. Der Samstag ging entspannt zur Neige. Ach ja,
das Auto wurde noch bepackt. Schließlich soll es morgen nach
Roth gehen, um die Radstrecke mal zu testen.
Sonntag:
Abfahrt nach Roth - 07:30 Uhr. Die Autobahn ist frei und ich erreiche
mit
Rainer und Harry
(Staffelfahrer) pünktlich um 09:45 Uhr den Parkplatz am Rothsee.
Hier sind wir um 10:00 Uhr, mit meinem Radtrainer Arnd und meiner
Trainingsgefährtin Claudi, zum gemeinsamen Training auf der
Rothstrecke verabredet. Kurz nach zehn sitzen wir dann alle auf
dem Rad und ich wundere mich über Arnd, der mir vor drei Tagen
ins Gewissen redete: "Nur wer langsam fahren
kann, kann auch schnell fahren. Mach ruhig, die Profis fahren zu
80% einen 25er Schnitt“. Nach den ersten 10km, bei
Tempo 33 bis 40, frage ich dezent nach, ob wir das Tempo über
die geplanten 120km beibehalten. "Oh, wie
schnell fahren wir denn? Ich habe keinen Tacho und mein Puls liegt
bei 115“. Arnd hat sich beim Duathlon in Kelheim
tags zuvor wohl geschont.... Naja, auch heute komme ich wieder ins
Rollen, die Strecke in Roth tut ihr Übriges. Und so kommen
wir nach 4:50h Fahrzeit und einer Strecke von 141km, mit einem Schnitt
von 29,5km/h, wieder zum Ausgangspunkt zurück. Ich inspiziere
mit Rainer für eine halbe Stunde die Laufstrecke und dann springen
wir mal schnell in den Rothsee zur Regeneration. Wir trafen dann
noch Klaus vom Main-Ausdauer-Shop,
der mit seinen Söhnen dort zwei Tage Urlaub machte, stärkten
uns mit Kaffee und Kuchen, bevor wir die Heimreise antraten. Um
19:30 Uhr bin ich wieder zu Hause und bringe eine der längeren
Trainingswochen, mit einem Volumen von 24:10 Stunden, zu Ende
So oder so ähnlich geht’s jetzt noch zwei
Wochen weiter und dann folgen zwei Wochen so genanntes Tapering.
Die Belohnung folgt dann hoffentlich am 24.06.2007.
so long, Manni
Scherer |