| Erlebnisbericht zum 3-Flüsse-Triathlon in
Gemünden von Harald
Reuter „Ich
werde sie Blocki nennen!“ und mich mit ihr anfreunden,
aber dazu später mehr. Vorab gesagt, diese Veranstaltung werde
ich in meinem bisher kurzen Triathlonleben in die Kategorie „erfolgreich“
einordnen. Auch wenn die Wetterprognosen der Vortage eher zum Griff
ans lange Radoberteil ermutigten (entschlussfreudig wie ich bin,
hatte ich alles dabei), war das Wetter am Vatertag
traumhaft schön und für den Wettkampf geradezu perfekt.
Als ich morgens anreiste und mich nach Erledigung der Formalitäten
in Richtung Schwimmbad aufmachte, hatte ich das Gefühl, als
schlägt mir einer beim Betreten des Bades mit dem Hammer an
den Schädel. Es war voll, schwülheiß und ich hatte
nach dem ersten Schritt in die Schwimmhalle schon einen pelzigen
Chlorgeschmack auf der Zunge, wie ich ihn im Vitamar erst nach dem
ersten Verschlucken habe. Das alles ließ mit dem Blick auf
die 25 m lange Badewanne bereits erste Vermutungen auf die Wassertemperatur
zu. Der Griff ins Nass hat mich dann schlagartig 8 Jahre zurückversetzt
und ich hatte das Gefühl als testete ich das Badewasser von
Annika (damals gerade 3 Monate), die, in der vagen Vorahnung was
gleich kommen würde, im Hintergrund bereits motzte.
Ich hatte bis zu meinem Schwimmstart
um 9.55 Uhr noch 40 Minuten und die Entscheidung zwischen
bleiben um zu akklimatisieren, bzw. raus hier an die frische Luft,
war leichter als jede andere an diesem Tag und ich betrat die Schwimmhalle
erst ca. 5 Minuten vor meinem Start wieder. Eine positive Überraschung
war, dass ich mir die uns zugeteilte Bahn nur mit zwei weiteren
Schwimmern teilen musste, da von den eigentlich eingeteilten fünf
Schwimmern die beiden Fehlenden doch eine Vatertagstour dem „Solebad“
vorzogen. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in Annikas
Badewasser schwimmen würde! Eine kurze Abstimmung im Wasser
(Mitschwimmer 1: „Ich war dieses Jahr noch
gar nicht im Wasser!“ Mitschwimmer 2: „Ich
schwimme nur Brust, sonst sauf’ ich ab!“) ergab
schnell die Reihenfolge beim Losschwimmen. Ich wollte nur noch raus
aus der Brühe. Nachdem ich es recht schnell aufgegeben hatte,
die Bahnen zu zählen und meine beiden Kollegen bereits zwei
mal überholt hatte, tippte mir einer der beiden Kampfrichter
auf die Badekappe um mich wissen zu lassen, dass ich aufhören
kann. Ich hätte gewettet, ich muss noch 100 m und dachte eher
an eine Verwarnung wegen unsportlich schnellen
Schwimmens gegenüber meiner Bahnkollegen. Es muss wohl
der Ekel gewesen sein, der mich die 750 m in
12:38 Minuten durchs Wasser zog. Zufrieden richtete ich mich
auf meine zweistündige Pause bis zum Radstart ein. Gespräche
mit bekannten Gesichtern vom TV Haibach und TV Goldbach ließen
die Pause schnell vorübergehen und bald schon standen wir auf
dem Gemündener Marktplatz und wurden entsprechend unserer auf
1.000 m hochgerechneten Schwimmzeit auf die Radstrecke geschickt.
Mit der 79sten Schwimmzeit (16:48 Min. auf 1.000
m) ging ich auf die Strecke und musste nach den ersten beiden
Kilometern erst einmal an mir runter schauen, ob das wirklich meine
Beine sind oder ob im Moment eventuell einer von unseren „Großen“
beinlos durch die Gegend läuft. Ich schoss förmlich mit
35 km/h gegen den Wind in Richtung erstem
Anstieg (siehe Höhenprofil), wo ich doch vorhatte, mir das
Rennen gut einzuteilen und es ruhig angehen zu lassen. Gedanken
an meinen Marathon in der Triathlonstaffel von Roth 2003 kamen kurz
auf (wie der ausging, wissen wohl die meisten!), gingen aber genauso
schnell wieder! Da sah ich sie, die Streckenposten, die uns rechts
von der Hauptstraße auf eine Seitenstraße in den Wald
lotsten. Ich hörte das Rasseln schaltender Kettenblätter
und Ritzel und mir war klar, nach der relativ scharfen Kurve kommt
der erste Anstieg.
Die Radstrecke
Meine Strategie war klar, mit kleiner Übersetzung
und hoher Trittfrequenz in den Anstieg und versuchen, den Abstand
zu den voraus Fahrenden konstant halten, eventuell sogar den Einen
oder Anderen zu überholen. Kaum befand sich das Niveau meines
Vorderrades deutlich über dem meines Hinterrades, wuchs der
Abstand zu den vor mir fahrenden merklich an und ich hatte den Verdacht,
jemand hält mich fest. Wäre das nicht schon schlimm genug,
fuhren nun die Triathleten an mir vorbei, die ich gerade noch in
Roger
Manier stehen ließ und bereits an meine Nachmeldung zum „Ötztaler
Radmarathon“ dachte. Es müssen
Tausende gewesen sein. Thomas
Lindner, mit ihm habe ich ja gerechnet, war einer von ihnen.
Blick nach unten: „nein Harald,
du hast kein drittes Kettenblatt mehr, das war das alte Rad!“
Meine vier Kilo Übergepäck,
die ich bis Frankfurt noch verbrennen muss, können das nicht
alleine sein. Das wurde mir bei der Beobachtung und Analyse der
mich Überholenden klar. Da
sind Einige wesentlich schlechter dran! Schlagartig wurde mir klar:
„Harald, du fährst nicht alleine,
Blocki ist wieder da!“ Hierfür
muss ich etwas weiter ausholen. In der Vergangenheit, bei etlichen
Trainingsfahrten und RTF’s mit den Großen, konnte ich
einigermaßen gut mitfahren; bis an den Fuß der Steigungen.
Dann waren sie weg! Beim Bierchen haben wir das als „bein-mentales“
Problem diagnostiziert. Da stand ich also mit meiner Bergblockade!
Seit ich kaum noch Fahrten mit den Cracks mache und die Berge in
meinem Tempo, ohne Vergleich zu anderen hochfahre, hat sich Blocki
zurückgezogen und mir war fast so, sie hätte mich verlassen.
Aber so ist das mit guten alten Freunden. Man sieht sich über
Monate oder Jahre nicht und auf einmal stehen sie vor der Tür,
bzw. setzen sich zu dir aufs Rad. Und da stand (stimmt sogar fast
?) ich nun mit meinen drei Problemen: Der Berg war lang, steil und
ich noch ganz unten! Den Weg nach oben habe ich mir verkürzt,
indem ich mit Blocki kommunizierte. Hänge ich mich an den dran?
Blocki war dagegen! Na ja, vielleicht der nächste. Dann fuhr
ich tatsächlich auf jemanden auf, der zu Blocki ein noch innigeres
Verhältnis zu haben schien und fuhr vorbei. Schönes Gefühl
eigentlich. Ehe ich mich versah (leicht verniedlicht!), war ich
oben und Blocki verabschiedete sich, bevor es wieder hinab an die
Saale ging (siehe
Höhenprofil). Und nun passierte etwas, was mich überraschte
und ich so nicht erwartet hätte. Unten angelangt, sammelte
ich mit 36 – 38 km/h,
manchmal sogar 40 km/h
langsam aber sicher wieder diejenigen ein, die mich und Blocki am
Berg überholt hatten. Es war gigantisch! Hier entschied ich
bei Kilometer 15 alle Bremsen zu öffnen und zu fahren, als
wäre danach Schluss. Der 10er wird dann schon irgendwie gehen!
10 Kilometer später waren wir wieder zu zweit auf dem Weg nach
oben, um den einen oder anderen wieder ziehen zu lassen. Ich sah
es schon wesentlich lockerer,
da ich mir sicher war, viele davon später wieder zu sehen.
Am dritten Zacken haben Blocki und ich alle Reserven in die Beine
gepumpt und oben sogar ein positives Überholverhältnis.
Nach den letzten, schnellen acht Kilometern wollte ich mich noch
von Blocki verabschieden, die war aber längst weg, schade eigentlich!
Mit einem 32er Schnitt stellte ich mein Ross in die Wechselzone
und war gespannt, wann ich für meine jugendliche Zügellosigkeit
bezahlen sollte.
Und jetzt nur noch laufen
Bei jeder noch so leichten Änderung der Topographie bzw. Abweichen
von der monotonen Gleichmäßigkeit meines Laufstils (z.B.
Aufnahme von Getränken an der Versorgungsstelle) zuckte es
in einem anderen Muskel und ich kam immer haarscharf an einem Krampf
vorbei. Letztendlich hatte meine Radfahrt keine großen Konsequenzen
und ich konnte relativ konstant einen 4:30er
Schnitt durchlaufen. Eventuell habe ich
das sogar Blocki zu verdanken, die mich am Berg gebremst hat!? Am
Ende war ich 68. von 200
mit einer Endzeit von 2:17:17 Stunden
und mehr als zufrieden.
Alles in Allem ist dieser Triathlon sehr empfehlenswert (abgesehen
vom Schwimmen, aber dafür entschädigt der Rest) und ich
denke, dass ich mit diesem Wettkampf auch im kommenden Jahr wieder
meine und Blocki’s Triathlonsaison eröffnen werde.
Harald Reuter (z.Zt. sehr zufriedener Triathlet)
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