| Heiß auf die weite Reise nach Hawaii
Aschaffenburg.
»Ich habe mich einen Tag nach dem Ironman 2006 heimlich angemeldet
und diesen Wahnsinn dann meiner Frau gebeichtet.« Günter
Goldhammer (Soden). Der Weg ist das Ziel.
Dieses viel zitierte Sprichwort aus dem Taoismus könnte
die 2400 Teilnehmer/-innen des Ironman in Frankfurt motivieren,
den »längsten Tag des Jahres 2007« am Sonntag durchzustehen,
bevor sie sich auf dem roten Teppich des Frankfurter Römerbergs
als die »Könige des Ausdauersports« gebührend
feiern lassen dürfen. Vor ihnen liegen bis zur Krönung
226 beschwerliche Kilometer, verteilt auf drei Disziplinen: 3,8
Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein abschließender
Marathonlauf über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern.
Faszination ist ungebrochen
Die Faszination dieser Streckenlänge ist ungebrochen
und der Kreis der Finisher erweitert sich von Jahr zu Jahr. Auch
zur sechsten Auflage nach Verlegung des amerikanischen Ironman-Labels
von Roth in die hessische Metropole waren die Startplätze innerhalb
einer Woche nach dem 23. Juli 2006 ausgebucht. Einmalig in der Welt
des Sports ist beim Triathlon der ambitionierte Freizeitsportler
in Augenhöhe mit dem Profiathleten, der aus aller Welt angereist
ist, um sich für hartumkämpfte Dollar zu quälen.
Präsident Kurt Denk kündigt für seine diesjährige
Veranstaltung einen Kampf der Giganten an und lockt mit dem höchsten
Preisgeld neben der WM auf Hawaii europäische und internationale
Stars an den Main. Norman Stadler, einer der ganz großen Namen
im knallharten Profigeschäft, hat es in einem Fernsehinterview
einmal anerkennend geäußert. Er zollt jedem Amateur,
dem der Spagat zwischen Job, Familie und Ausdauersport gelingt,
seinen größten Respekt.
Dieser gebührt auch den 21 Startern der Heimatregion
Bayerischer Untermain. Für sie war die erste Jahreshälfte
geprägt von einen ernormen Zeitaufwand mit Trainingsumfängen
zwischen zwölf und 20 Stunden wöchentlich und einer asketischen
Lebensweise, um gewappnet zu sein für den »längsten
Tag des Jahres«. Alle sind sich einig: man freut sich auf
ihn und ist dennoch froh, wenn es vorbei sein wird. Die Ansprüche
für die Zeit danach klingen bescheiden. So wünscht sich
Mario Stenger
(TSG Kleinostheim), endlich mal wieder drei bis vier Weizenbiere
trinken zu dürfen und dazu eine Tüte Chips zu essen.
Ausnahme: Familie Hille
Ist einmal der Entschluss gefasst mit eiserner Disziplin
ein Ironman zu werden, wird vom familiären Umfeld große
Rücksichtnahme gefordert. Da ist die Familie Hille im Kreise
der Eisernen schon die ganz große Ausnahme. Ihre Sportlerehe
ist eine perfekte Synergie und die achtjährige Tochter Tamara
daran gewöhnt, ihre Eltern Claudia
und Arnd
geduldig mit dem Fahrrad bei Lauftrainingseinheiten zu begleiten.
In diesem Jahr soll sich für beide ein gemeinsam lang gehegter
Wunsch erfüllen; die Teilnahme an der WM auf Hawaii im Oktober.
»Viermal habe ich bisher dort teilgenommen, das letzte Mal
1995 in Verbindung mit unserer Hochzeitsreise. Arnd und ich möchten
dort zusammen an der Startlinie stehen. Dieses Jahr könnte
es klappen. Im September 2006 hat Arnd beim Ironman Wisconsin/Kanada
die Qualifikation vorgelegt und ich muss nun in Frankfurt nachziehen.
Das setzt einen Treppchenplatz in meiner Altersklasse W40 voraus,
denn es gibt nur drei Slots. Auf Grund der diesjährigen Vorbereitungswettkämpfe
bin ich guter Dinge und möchte gerne unter zehn Stunden finishen«,
gibt Claudia Hille sich optimistisch.
Weitere 119 Finisher erhoffen sich einen der begehrten
sogenannten Slots für das ultimative Rennen auf der Pazifikinsel.
Heiß auf die weite Reise ist auch Marcel Bischof vom Tri Team
SSKC Aschaffenburg. »Weniger ist manchmal mehr! In diesem
Jahr habe ich gezielter und härter trainiert, mein Schwerpunkt
lag im Laufen. Das Ziel ist klar definiert: Europameister in der
Altersklasse 18-24, Hawaii würde sich dadurch ergeben«.
Nur zaghafte Prognosen wagen die, denen die Erfahrung,
einen elf- bis zwölfsstündigen Wettkampf zu absolvieren,
noch fehlt. »Ich habe eine neue Herausforderung gesucht. Seit
2001 fahre ich ambitioniert Mountainbike, seit 2005 auch Rennrad
mit hohen Umfängen. Viele große Rennen habe ich schon
bestritten. Schwimmen und Laufen musste ich erst noch lernen. Jetzt
bin ich sehr gespannt auf mein Debüt«, begründet
Christian
Meidhof aus Hösbach seine Motivation für Sonntag.
Jubiläum für Roger Uhl
Sein zehntes Jubliäum feiert Roger
Uhl (TSG Kleinostheim) auf der Langdistanz und ist immer noch
nicht satt. Auch in diesem Jahr hat er wieder einen strengen Fahrplan
aufgestellt und stellt an sich selbst hohe Anforderungen. In den
letzten Tagen vor dem Wettkampf steigt die Anspannung und der Athlet
durchlebt ein Wechselbad der Gefühle: Vorfreude, Nervosität
und Zweifel an der eigenen Form wechseln sich ab. Der Körper
wird belauscht; jedes Zwicken in der Muskulatur, in den Knochen
wird mit Sorge festgestellt. Täglich versucht man die Wetterprognosen
für den Wettkampftag in Erfahrung zu bringen. Wenn sorgfältig
durchdacht nach Abholung der Startunterlagen die Beutel für
die Wechselzonen gepackt sind und das Rennrad am Vortag am Langener
Waldsee platziert ist, sind die schon einmal die logistischen Anforderungen
erfüllt.
Die Nacht von Samstag auf Sonntag wird kurz, denn
pünktlich um sieben Uhr erfolgt der Startschuss zur ersten
Disziplin, 3,8 km Schwimmen mit Massenstart. Der Kurs im See wurde
für diese Auflage leicht verändert, erstmalig befinden
sich Start und Ziel an der gleichen Stelle. Nach schnellem Wechsel
werden die Helden des Tages die längste Zeit auf der Radstrecke
verbringen. Nach zwölf Kilometern Anfahrt gilt es einen Zweirundenkurs,
der mit je 84 Kilometern durch Stadtteile und Gemeinden des Main-Kinzig-Kreises
und des Wetterauskreises im Norden und Osten von Frankfurt führt,
zu absolvieren. Die richtige Einteilung der Kräfte wird sich
beim abschließenden Marathonlauf bewähren. Die Strecke
von 42,195 Kilometern, ein Vier-Runden Kurs auf beiden Seiten des
Mainufers lückenlos gesäumt von tausenden begeisterten
Fans ist eine einzige Partymeile. Am Ende werden hoffentlich die
Reserven reichen, um zum Abschluss auf dem Römerberg ein Lächeln
auf das Zielfoto zu zaubern.
Die Erfüllung eines Traumes
»Diesen roten Teppich hochzulaufen, wenn's irgendwie
geht noch vor dem Dunkelwerden, das wäre die Erfüllung
meines großen sportlichen Traumes«. Günter Goldhammer
(TV Schweinheim) spricht vielen Triathleten aus der Seele.
Birgit
Reuter (28.06.2007)
Bild oben: Am Sonntag wird´s ernst für
die Starter vom bayerischen Untermain beim Ironman in Frankfurt
(von links): Michael Lux (Tri Team SSKC), Thomas Hock (TV Haibach),
Andreas Matutt (TV Großostheim), Marcel Bischof (Tri Team
SSKC), Jürgen Schäfer (TV Haibach), Günther Goldhammer
(TV Schweinheim), Michael Thomas (TV Haibach), Timo Dörig (Tri
Team SSKC), Roger Uhl (TSG Kleinostheim), Volker Hain (TSG Kleinostheim),
Claudia Hille (TSG Kleinostheim), Christian Meidhof (TSG Kleinostheim),
Markus Zschirpe (TSG Kleinostheim), Mario Stenger (TSG Kleinostheim).
Es fehlen: Michael Hirsch (LuT Aschaffenburg), Jörg Küstermann
(Rote Socke Mömlingen), Werner Reinhard (55 Marathon Club Niedernberg),
André Spatz (Tri Team SSKC), Daniel Buhr (Tri Team SSKC),
Stefan Eckrich (TSG Kleinostheim) und Dominik Streun (Lut Aschaffenburg).
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