TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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„Das erste Mal“

- ein persönlicher Jahresrückblick auf das Jahr 2004

Nachdem ich, in meinen ersten beiden Jahren Zugehörigkeit zur TSG, mich in Wettkämpfen ausschließlich auf das Laufen beschränkte und daher ständig mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, musste sich für das Jahr 2004 etwas ändern. Ich entschloss mich das erste Mal“ einen Triathlon zu absolvieren. Das Training sollte von nun an variabler werden. Besonderen Wert musste ich auf die erste Disziplin das Schwimmen legen, da ich in den letzen mehr als 15 Jahren die einzigsten Schwimmbewegungen in der Badewanne gemacht habe.

Im Frühjahr wurden von mir wie gewohnt die ersten 10 km Volksläufe bestritten. Nach den Stationen Seligstadt und Offenbach-Rosenhöhe wollte ich am 28.03. in Niederrodenbach den ersten richtigen Formtest. Mit einer Zeit von 36:42 fiel der überraschend gut aus. „das erste Mal“ unter 37 Minuten.

Da ich eigentlich nicht der Kaltwetterläufertyp bin, kann ich die persönliche Bestzeit nur auf die Geburt meiner Tochter Yasmin vier Tage zuvor ableiten. Das Vaterwerden war für mich jedoch nicht „das erste Mal“.

Der erste Triathlon rückte nun näher, die nächsten Wochen wurde bereits gezielter mit dem sog. Koppeltraining verbracht. Gespickt wurden die Trainingswochen jedoch immer wieder mit verschieden Volksläufen. Hierbei legte ich größeren Wert auf die längeren Laufveranstaltungen.

Darunter fiel auch am 12.04. in Jügesheim der Ostermontaglauf. Bei strahlendem Sonnenschein wollte ich mich „das erste Mal“ an einem 25 km Lauf probieren. Da es der erste Wettkampf von mehr als 10 Km in diesem Jahr war, war ich damit zufrieden, meine angepeilte Zeit von 1:40:00 um 4 Sekunden, mit viel Mühe, unterboten zu haben.

Mit weit weniger Mühe wurde von mir am 02.05. in Großkotzenburg eine neue persönliche Halbmarathonbestzeit erzielt. Ich absolvierte die 21,1 km „das erste Mal“ unter der vorgenommen Zeit von 1:23:00. Da ich im Ziel noch Reserven hatte, hoffte ich die erreichten 1:22:22 in diesem Jahr noch verbessern zu können.

Nur war es aber soweit. Mein erster Triathlon stand an. Ich hatte mir dafür den 20.5. (Vatertag) in Gemünden ausgesucht. Die Distanz betrug 1 km / 40 km / 10 km. Der erste Triathlon im schönen Spessart wurde auch gleichzeitig zum ersten Kurzurlaub mit der vergrößerten Familie. Als das Auto mit Reisebett, Kinderwagen etc. beladen war, merkte ich, dass für mich und mein Fahrrad kein Platz mehr war. Daher nutzte ich die Fahrt nach Rieneck (5 km von Gemünden) als letzte Trainingseinheit vor dem Wettkampf. Das Schwimmen fand im Hallenbad statt und wurde aus Zeitgründen auf 750 m verkürzt. Ich konnte mir beim Verlassen des Beckens auch nicht vorstellen, noch weitere 250 m zu schwimmen. Nachdem alle Schwimmgruppen aus dem Wasser waren, wurde per Massenstart, mit den Zeitrückstän-den aus dem Schwimmen, das Radfahren gestartet. Ich hatte daher noch etwas Wartezeit. Als 155ster von ca. 190 wurde ich endlich losgelassen. Die 28 Grad Lufttemperatur und die kurzen aber heftigen Anstiege des Spessarts trieben mir den Schweiß aus den Poren. Es machte aber großen Spaß, die Konkurrenten auf dem Rad zu überholen. Auch beim Laufen war ich motiviert, an weiteren vor mir liegenden Triathleten vorbeizuziehen. Im Ziel war ich stolz, mich zum „ersten Mal“ als richtiger Triathlet zu fühlen.

Der erste Triathlon war vorbei, es ging mit der letzten Vorbereitungsphase auf meinen zweiten Dreikampf weiter. Der 12.06. war nicht mehr weit weg. Es blieben drei Wochen Zeit, das Koppeltraining auch auf größeren Distanzen zu trainieren. Eine weitere neue Erfahrung sollte das Anziehen eines Neoprenanzuges und das anschließende Schwimmen im Kahler See werden. Nachdem Birgit mir erklärte, dass der Reißverschluss bei dem Anzug hinten sein müsse, konnte ich gleich noch mal das Ausziehen üben. Nach wenigen Metern, bei denen ich mich bemühte die grobe Richtung zu halten, waren die sich auf dem gleichen Wettkampf vorbereitenden Harald und Manni bereits außer Sichtweite. Auch beim zweiten und dritten Versuch im Kahler See erging es mir nicht viel besser. Entsprechend zuversicht-lich ging ich in den Wettkampf. Der 12.06. war ein kühler Junitag. Es galt die Distanzen 2,2 km / 84 km / 21,1 km zu bewältigen. Nachdem die Wettkampfbesprechung noch im Trockenen stattfand, fing es auf dem Weg von der Sporthalle in Altheim zum Schwimmstart, ca. 9 km entfernt, heftigst an zu regnen. Der Grossteil der Athleten, ich eingeschlossen, waren gemeinschaftlich mit dem Rennrad dort-hin unterwegs. Ausgekühlt dort angekommen wurde sich zum Aufwärmen in den Neopren gezwängt. Aber es gab zum Auftakt gleich eine frohe Nachricht. Aufgrund des schweren Unwetters am Vortag musste die Schwimmstrecke auf ca. 1,6 km verkürzt werden. Zum Rennverlauf nichts Neues. Ich kam mit den letzten aus dem Wasser, konnte mich aber durch gutes Radfahren und noch besseres Laufen auf den 33sten Platz (von 184 Finishern) vorarbeiten. Das Ziel unter fünf Stunden zu bleiben wurde mir durch die Streckenverkür-zung in allen Disziplinen recht leicht gemacht. Für die letztendlich 1,6km / 79 km /20,5 km benötigte ich 4:35 Stunden, womit ich sehr zufrieden war. Während des abschließenden Laufes dachte ich daran, wie es wohl den Ironmännern ergeht, die mehr als die doppelte Distanz zurücklegen. Ich kam zum Entschluss, dies wäre für mich unmöglich.

Dies sollten meine beiden einzigsten Triathlonwettkämpfe im Jahr 2004 bleiben. Da aber die Wettkämpfe und das Training hierfür sehr viel Spaß machten (vom schwimmen mal abgesehen), wird es in 2005 eine Fortsetzung geben.

Die nächsten Wochen sollten ausschließlich dem Radfahren gehören. Während sich unsere Eisenmänner für ihren großen Tag am 11.07. in Frankfurt vorbereiteten, wollte ich am 10.7. zum „ersten Mal“ einen Radmarathon absolvieren. Der Radmarathon durch den Spessart, veranstaltet durch den Radsportverein in Hainburg, war nach 222 km und fast 3000 HM geschafft. Die letzten Juliwochen verbrachte ich weiterhin mit dem Radfahren, u.a. ein verlängertes Wochenende im schönen Harz.

Nun aber genug mit dem Radfahren. Am 31.10. stand ein weiterer Termin im Jahr 2004 unter der Rubrik „das erstes Mal“ an. Die Vorbereitungsphase für den Frankfurt Marathon musste beginnen. Nachdem im Jahr 2002 und 2003 die ersten beiden Versuche einen Marathon zu bewältigen, verletzungsbedingt scheiterten, musste ich nun im dritten Anlauf die Balance finden, keine Verletzung zu riskieren, jedoch ausreichend vorbereitet an den Start zu gehen. Doch es kam wieder zu bekannten Problemen. Durch die längere Laufpause und den Einstieg in die Marathonvorbereitung hatte ich bereits nach zwei Wochen mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen. Ich entschied mich von da ab, nur dreimal die Woche zu laufen und es kam zumindest zu keiner Verschlimmerung. Die entscheidenden Trainingstage waren der Dienstag und der Sonntag. Am Dienstag wurde der Puls auf unserer Steinbachtalrunde, durch die Vergabe der Bergwertungspunkte, des Öfteren in den anaeroben Bereich getrieben. Hier möchte ich nochmals den Initiator und Bergpreissieger, unseren Udo Bauer, für die gute Idee erwähnen. Am Sonntag war ein langer und ruhiger Lauf angesagt, der sich von Woche zu Woche in Zeit und Kilometer steigerte. Ab Ende September wurden diese Läufe in einer größeren Gruppe TSG´ler gemeinschaftlich zurückgelegt. Zur Vorbereitung gehörten ebenfalls drei Halbmarathonläufe die ich in Mühlheim/Dietesheim, Karlsruhe und in Aschaffenburg absolvierte. Der erste Halbmarathonlauf diente als lange Tempoeinheit, der zweite wurde im Marathontempo gelaufen und der dritte war vier Wochen vor dem Marathon als Standortbestimmung gedacht. Die fiel mit einer neuen persönlichen Bestzeit in 1:19,23 sehr positiv aus. „Das erste Mal“ unter 1:20 Std. Das Vorhaben die 3 Std. - Marke gleich bei meinem ersten Marathon zu unterbieten, war von da an realistisch.

Nun war endlich der Tag gekommen. Durch die Zeitumstellung in der Nacht zum 31.10. konnte man sich den notwendigen Schlaf holen und hatte noch Zeit, ausgiebig zu frühstücken. Mit weiteren 20 TSG´lern, die den Marathon absolvierten, ging es um 9.00 Uhr gemeinschaftlich nach Frankfurt. Der Start war für 11.00 Uhr angesetzt. Es war ein vernebelter Morgen, die Spitze des Messeturms war nicht zu sehen. Die Temperaturen um die 10 Grad. Ich war unentschlossen, wie ich mich kleiden sollte. Da es aber in Frankfurt anfangs leicht windig war, entschied ich mich für ein T-Shirt und darüber ein Laufshirt (was sich als Fehler herausstellen sollte). Eine viertel Stunde vor Start ging es raus zur Startaufstellung. Hier zog ich mir noch einen Plastikumhang über den Körper, um mich vor der Kälte zu schützen. Dann war es soweit, der Startschuss fiel. Ich hatte mich bei den Läufern unter 3 Std. aufgestellt. Entsprechend flott ging es auch gleich los. Da ich mich vorher nicht eingelaufen hatte, sind mir die ersten drei bis vier Kilometer recht schwer gefallen. Von da an wurden die Beine lockerer. Spätestens bei Kilometer zehn (Durchgangszeit 40:49) merkte ich, dass ich mich bremsen muss. Für die 21,1 km hatte ich mir eine Zeit zwischen 1:28 und 1:29 vorgenommen. Ich wollte für den zweiten Teil noch etwas Zeitreserve haben. Mit 1:27,34 war ich zwar schneller als geplant, da ich mich aber gut fühlte und immer noch bekannte Läufer um mich sah, die schlechtere Halbmarathonzeiten als ich aufzuweisen haben, schätzte ich mein Tempo als richtig ein.

Da bereits kurz nach dem Start sich die Sonne zeigte und auch nicht mehr verschwand, merkte ich spätestens jetzt, dass ich ein Kleidungsstück zuviel mit mir rumtrug. Ebenfalls war es wichtig, ständig und ausreichend zu trinken. In der zweiten Marathonhälfte gestaltete sich das Rennen schwieriger. Die Läuferschar, die um mich war, konnte spätestens ab Kilometer 25 die Zeitvorgaben für die 3 Std. nicht mehr halten. Ich musste versuchen in neue Gruppen aufzuschließen. Es stellte sich jedoch immer wieder heraus, dass die Kilometerzeiten dieser Gruppen ebenfalls zu langsam waren. Daher entschied ich ab Kilometer 28 mein eigenes Rennen zu laufen. Ich fühlte mich immer noch gut, sehnte jedoch immer wieder die Getränkestellen herbei. Spätestens hier muss ich erwähnen, dass die an der Strecke zahlreich vertretene TSG Anhängerschar uns Läufer tatkräftig mit Beifall und Anfeuerung unterstützten. Bei Kilometer 32, also 10 Kilometer vor dem Ziel habe ich auf die Uhr geschaut, festgestellt das ich noch fast 45 Minuten Zeit für die restliche Strecke zur Verfügung habe. Ich dachte mir, das schaffst du. Bei Kilometer 35 habe ich mein letztes Energiegel aufgebraucht. Dieses hatte ich jedoch zuvor noch nicht getestet. Schon kurz darauf bekam ich Magenprobleme, die jedoch erträglich waren. Ab Kilometer 38 merkte ich, dass die Kilometerschilder immer langsamer kamen, bei Kilometer 40 spürte ich ein leichtes Zucken in den Waden. Ich drosselte das Tempo nochmals um einem Wadenkrampf vorzubeugen. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich mir darüber im Klaren, die 3 Std. konnte mir keiner mehr nehmen. Ich lief die letzen zwei Kilometer einfach nur in der Meute mit und war überwältigt von dem Zieleinlauf in der Festhalle. Die Uhr blieb bei 2:58,37 Std. stehen. Auch mein letztes Vorhaben im Kalender 2004 habe ich erfolgreich beendet.

Da der Mensch sich im Leben immer wieder neue Ziele setzen sollte, habe ich mir auch für 2005 ein Ziel gesetzt. Ein weiteres „erstes Mal“ findet am 10.07.2005 in Frankfurt seine Fortsetzung. Wenn ich Lust dazu verspüre, werde ich an gleicher Stelle davon berichten.

Einen besonderen Dank will ich noch an meine Familie aussprechen, die in diesem Jahr durch die vielen Trainingsstunden etwas weniger von mir hatte und bitte gleich um Verständnis, dass es im nächsten Jahr nicht viel besser wird. Des Weiteren nutze ich die Gelegenheit den Ausdauersportathleten des TSG Kleinostheim und Ihren Familien auf diesem Wege ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in das Jahr 2005 zu wünschen.

Thomas Lindner