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Transcreta - Bike - Race (ein Rennbericht von Thomas Kraus)

Das härteste Rennen Europas fand vom 21.05. - 29.05.2005 statt und wurde seinem Namen voll gerecht. Ich beendete das Rennen in der Gesamtwertung mit dem 7. Platz. Es gab eine Profi- und eine Amateurklasse, bei den Amateuren belegte ich Platz vier. Am letzten Tag reichte es sogar zu einem Etappensieg in dieser Klasse. Markus Brutscher von der Exception-Biking GmbH (Spitzname Schotter) hat dieses einmalige Event mit seiner Lebenspartnerin Tanja Gorski ins Leben gerufen. Nicht nur für die Teilnehmer, die aus der ganzen Welt anreisten, sondern auch für den Organisator mit seiner Crew, stellte das Rennen eine enorme Herausforderung dar, aber lest selbst:

In den Punkten Streckenführung, Härte der Strecke und Schönheit waren wir uns einig: „Wir kennen kein Rennen, das härter, schöner und so einmalig ist, wie das Transcreta Race! Kreta hat den schwierigsten Untergrund für Biker und Material, den wir je erlebt haben!

Rahmenbrüche, gebrochene Speichen und Vorbauten gehörten zum Alltag des Transcreta Races. Außer ein paar Schürfwunden und Prellungen hatten wir keine nennenswerten Verletzungen. So wartete der speziell organisierte Notarzthubschrauber zum Glück umsonst. Auch unser Bert, der deutsche Sportarzt, half mehr beim Taschenschleppen und Zelt aufbauen mit, als dass er schlimme Verletzungen behandeln hätte müssen. Von den 24 Startern haben immerhin 11 das Rennen komplett gefahren, trotz der anormalen Wettersituation dieses Jahr auf Kreta. Ein alter Bergbauer schimpfte: “In den letzten 90 Jahren hat es nicht einmal so gewittert! Amoto!“ (Die Götter hatten was dagegen). Der Rest der Teilnehmer machte ein paar Etappen Pause oder beendete eine Etappe im Besenwagen. Nachdem ich um ca. 20.00 Uhr in Chania auf Kreta angekommen war, stellte ich fest, dass leider der Veranstalter noch nicht anwesend war. Nach telefonischem Kontakt teilte mir Markus mit, dass er noch auf einen weiteren Flug warten müsste, wir sollten uns noch etwas gedulden. Am Ende kamen wir um 1.00 Uhr am Startort in Efanolisi mitten in der Nacht an, wo wir noch unsere Bikes mitten in der Dunkelheit zusammenschraubten. Wir mussten uns schwer in Geduld üben. Das fing ja gut an?

1.Tag: Elafonisi - Omalos
Nach ca.2 Stunden Schlaf war es nun soweit. Das Rennen konnte beginnen. Ein paar Wolken am Startmorgen kamen uns sehr gelegen, denn die Temperaturen sind gewöhnungsbedürftig. Mit guter Laune fuhren alle, Profis Strobel und Wieltschnig vom Rotwild-Team sowie Masters Pilley, Erbsmehl usw. und die Amateurklasse auf den ersten Anstieg zu. Allen wurde schon bald eines klar: das wird hier kein Zuckerschlecken werden! Ein sehr starker Wolkenbruch erwischte einige Teilnehmer. Andere bekamen gar nix mit davon! In dieser ersten Etappe verfuhren sich ein paar Biker, da Pfeile und Ausschilderung ein wenig klein geraten waren. Manchmal fragte ich mich wirklich: „Ist das ein Rennen oder eine Schnitzeljagd über Kreta". Auch der Servicebus kam verspätet los, da noch ein platter Reifen aufzupumpen war und auch die Bikekoffer am Startort deponiert werden mussten. Am ersten Checkpoint waren die Profis schon durch, als die Helfer ankamen. „Die sind brutal schnell!“ musste Markus feststellen, der mit dem Jeep und dem Photografen kaum hinterher kam! Das nachfolgende Bikerfeld bekam dann doch noch Wasser und Riegel am ersten Checkpoint ab. 125km und 3800hm waren am 21.05. zu bewältigen, nur Schotter! Auf der Omalos war die Unterkunft für Zeltler und Hotelbiker in Ordnung, Verpflegung einigermaßen ausreichend.

2.Tag: Omalos - Frangokastello
Schon wenige Minuten nach dem Start in Omalos ging es auf hartem offroad Untergrund nonstop ca. 800hm nach oben. Vorbei an der berühmten Kallergi Hütte und den höchsten Gipfeln des Lefka Ori Gebirges erwartete uns ein traumhaftes auf und ab durch Westkretas grüne Bergwelt. Auf Transcretas zweiter Etappe fuhren wir einige km auf Asphalt durch Bergdörfer am Fuße der weißen Berge Kretas. Das Panorama schneebedeckter Bergflanken war atemberaubend. Höchster befahrbarer Punkt an diesem Tage: 1700m. Das Ende der zweiten Etappe bescherte uns einen 650hm und 11km Downhill zur Küste nach Frangokastello, wo ich meinen ersten Platten hatte. Auch an diesem Tag gab es Beschwerden bzgl. der Streckenmarkierung. Das nahmen sich die Veranstalter zu Herzen und ab dem dritten Tag hatten sie dieses Problem einigermaßen im Griff. Auch die zum Anfang recht dürftig ausgestatteten Verpflegungsstationen wurden von Tag zu Tag nach unseren Wünschen optimiert. 135km/ 3400hm. Frangokastello direkt am Meer bietet Top Unterkünfte und reichlich griechisches supergutes Essen. Stimmung: Positiv

3.Tag: Frangokastello - Agia Galini
Am dritten Tag ging's überwiegend am Meer entlang, ich staunte über diese Streckenführung! Ständig Klippen, Strand und Meer entlang der Südküste und das auf hartem kretischen Schotter. Eine kleine Tragepassage durch ein tiefes Bachbett ließ doch den einen oder anderen fluchen, machte diese Etappe aber auch unvergesslich. 110km 3000hm. Im Hotel in Agia Galini sprangen einige in voller Montur in den tollen Pool. Luxuriöses Ambiente, krasser Gegensatz zu den bisherigen kargen Zivilisationen. Alle waren sich einig: die vorher von Markus angekündigte leichte Etappe entpuppte sich als zwar sehr schön aber anspruchsvoll.

4.Tag: Agia Galini - Anogia
Von Galini aus bewältigten wir die ersten 700hm durch ein ständiges Bergauf und Bergab bis Zaros. Dort begann ein 1000hm Uphill durch das Schlucht- und Berggebiet Ruvas. Oben verlief einer der schönsten Singletrails Kretas durch ein großes unwirklich wirkendes Pinien und Steineichengebiet in Richtung Psiloritis, höchster Berg Kretas mit 2456m. Am Pass des Skinakas, Fuß des Psiloritis, bewältigten wir einen ca. 30km langen Downhill, Anogia entgegen. Die Zeitmesser mussten über Heraklion das ganze Psiloritismassiv umfahren und kamen nur fünf Minuten vor Strobel und Wieltschnig ins Ziel – wieder mal geschafft! Wir hatten Riesenspaß! Das Team der Streckenauszeichnung, die ca. 2,5 Std. vor Start losfuhren, wurde auf den letzten km auch noch fast eingeholt. Durch und durch für alle ein hartes Rennen! Super Spanferkel mit vorheriger Begrüßung des Bürgermeisters machte den Abend wieder zu einem unvergesslichen Erlebnis. 110km/2900hm

5.Tag: Anogia - Lendas
Auf dieser Etappe mussten wir zwei Gebirgszüge (Psiloritis und Asterusia) und die größte Tiefebene Kretas, die Mesara, überqueren. Auch würde dies eine der heißesten Stages werden. Markus wurde wiederholt für die traumhafte Streckenführung bis an die Südküste Lentas gelobt. Für die Schwierigkeit der Etappe fanden manche Biker keine Worte mehr. Lentas bescherte den Teilnehmern ein kühles Bad im Meer, einwandfreie Unterkunft und gutes Essen. Natürlich erwischten wir einen von den fünf Regentagen jährlich, der sich aber glücklicherweise nur in ein paar Tropfen äußerte. 115km/2700hm

6.Tag: Lendas - Lassithi
Die ersten 800hm durch das Asterusiagebirge, entlang der Südküste und durch die markante enge Triptyschlucht, zeigte uns wieder ein Kreta, wie es selten jemand zu sehen bekommt! In Kapetaniana gab es für alle, die auch Halt machten, Nudelsalat von Luisa & Gunnar, einem Wanderfreund von Markus. Ich hatte mit fünf weiteren Bikern Pech, die richtigen roten Pfeile zu finden, da sich Kinder einen groben Spaß erlaubten und rote Pfeile in alle Richtungen versprühten! Wir erwischten den falschen und fuhren von 1000hm ans Meer. Der Weg war eine Sackgasse. Das war für mich wohl der schlimmste Augenblick der Tour. Die Etappe war so hart, dass wir mit Tunnelblick und Ehrgeiz den letzten dritten Checkpoint nicht mal wahrnahmen und mit zu wenig Wasser und Verpflegung in den letzten Uphill dieses Tages gingen. Bo, unser dritter Checkpoint Mann, verschlug es die Sprache, mit welch großer Geschwindigkeit die Biker an ihm vorbeirasten. Wir verpassten seine mit Liebe hergerichtete Verpflegungsstation, die aussah wie ein Tante Emma Laden mitten auf der Dorfstraße (wie wir später hörten). Ich bat später in einem Bergdorf bei Einheimischen um Wasser. Auf der Lassithi gab's die eine oder andere kalte Dusche, super Essen und die Begrüßung durch den Bürgermeister.

7. Tag: Lassithi - Koutsouras
In der Nacht hatte es geregnet, jeepgroße Löcher bzw. Tümpel markierten den Weg. Für die Fahrzeuge war die Strecke durchs Diktigebirge wie durch ein riesiges Bachbett zu fahren. Für uns bedeutete diese sowieso schon längste Etappe, 160km 3800hm, durch den Regen eine Tortour wie sie kaum vorstellbar ist! Schlamm versperrte die Laufräder, Lehmpisten ließen die Räder regelrecht am Boden kleben oder einfach sehr gefährlich wegrutschen. Bremsen keine Chance! Da ich an diesem Tag sehr gut drauf war, kam ich noch einigermaßen gut durch die Piste. Die ausgewaschenen Bergstraßen erforderten Meter für Meter höchste Konzentration. An diesem Tag erfuhren wir nicht nur Nässe und Kälte bis zum Erzittern der Knochen, sondern auch trockene Staubpisten und Hitze bis 35 C° im Schatten. Alle waren sich wieder einig: härter geht es nicht! Die Etappe wurde aus diesen Gründen am letzten Checkpoint mit Zeitnahme beendet. An diesem Tag mussten die meisten verloren gegangenen Biker von der Organisation, wegen totaler Erschöpfung, Rahmenbruch, Speichenbruch oder totaler Orientierungslosigkeit eingesammelt werden. Die letzten kamen um 23.00 Uhr im Ziel an! Gegessen wurde mit dem Bürgermeister, der tausend und eine griechische Spezialität auftischen ließ.

8. Tag: Koutsouras - Sitia
70km mit 1900hm waren eine regelrechte Erholung für alle Beteiligten. Die meisten meinten lächelnd, was auf Transcreta eine leichte Etappe ist, ist auf der Transalp eine Durchschnittsetappe. Eine Fahrt durch ein weißes Dorf mit seinen kleinen Gassen, treppauf und treppab, an Kartoffel schälenden und Bohnen sortierenden alten Kreterinnen vorbei, blieb den meisten unvergesslich in Erinnerung. „Wir fuhren mit unseren Hightech-Rädern durch eine andere Welt mit stehen gebliebener Zeit!“ In Sitia empfing uns wieder der Bürgermeister mit kretischen Köstlichkeiten. Man spürte die Anspannung und Aufregung, da die letzte Etappe bevorstand. Beim späteren Bikewaschen musste ich feststellen, das meine Felge einen ca.3cm langen Riss hatte, der zuvor für zwei Platten verantwortlich war. Ein belgischer Teilnehmer hatte mir sein Ersatzlaufrad ausgeliehen, mit dem ich die letzte Etappe fahren konnte.

9. Tag: Sitia - Agios, Etappensieg in der Amateurklasse, direkt hinter dem Rotwild-Team
Die letzte Etappe war wieder typisch für das Transcreta Race. Hoch anspruchsvoll und sehr abwechslungsreich in der Streckenführung. Mehrere harte Uphills sowie rasante Downhills forderten noch mal alles ab. Konzentration durfte nicht fehlen. Eine kleine Unachtsamkeit und auf Kretas Schotter hat man verloren. Hoch motiviert ging ich von Anfang an ans Werk. Hatte mich mit David voll hinter dem Rotwild-Team vom übrigen Feld rasch absetzten können. David hatte Pech, mit einem Platten kurz vorm Ziel, konnte ich den ersten Etappensieg einfahren. Kretisches Fernsehen war auch vor Ort. Auf der Siegerehrung und Winnersparty spendierte der Bürgermeister von Agios Nikolaos, Jannis Loukarakis, ein Festbankett. Allen Teilnehmern und auch den Drahtziehern des Rennens wurde klar, dass es nicht ums Gewinnen geht, sondern nur ums Durchkommen! Das Transcreta Race zu bestehen, egal wie, ist schon der Sieg! Walter Gollowitsch, ältester Teilnehmer, gebührt besondere Ehre. Er fuhr mit seinen 65 Jahren sieben Etappen des Rennens erfolgreich durch! Mit meiner Frau Christine, die nach Agios Nicolaos nachreiste, machten wir im Anschluss noch eine Woche erholsamen Urlaub auf Kreta.

„Um dieses Rennen zu bestehen, muss man sich jeden Morgen in die Fresse hauen!“
Es hatte mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Durch die geringe Teilnehmerzahl war das Rennen ziemlich familiär. Der Veranstalter bemühte sich sehr, nach anfänglichen Schwierigkeiten. Ich denke, im nächsten Jahr wird vieles besser.

Grüße von der Insel der Götter!

Thomas