TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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Eines Menschen Zeit……………………………

…………….so lautete ein Buchtitel des Schriftstellers und Humanisten Peter Bamm (1897 – 1975). In dieser kleinen Episode geht es jedoch nicht um den Inhalt dieses Buches, in dem gleichnamiger Schriftsteller die Bilanz aus sieben Jahrzehnten seines mehr als ereignisreichen Lebens zieht, sondern um die unverrückbare Tatsache der unaufhaltsam voranschreitenden Zeit, der wir alle ohne Ausnahme unterliegen. Passend zum Jahreswechsel wollte ich an dieser Stelle einen kleinen Ausflug in die Welt des Vergangenen und Vergänglichen unternehmen. Obwohl physikalisch gesehen jede Sekunde in ihrem Verlauf exakt definiert ist, erscheint uns der Ablauf der Zeit subjektiv sehr unterschiedlich zu sein. Warten wir auf irgend etwas oder irgend wen, so scheint der Sekundenzeiger der Uhr wie festgenagelt zu sein, während im Gegenteil, unter Zeitdruck, die Zeit rasend schnell vergeht. Wer kennt nicht dieses Phänomen, das beim Kampf um eine neue Bestzeit die Stoppuhr anscheinend doppelt so schnell läuft?


Weiten wir diese Betrachtungsweise aus, so beschleicht uns das Gefühl, dass bestimmte Abschnitte unseres Lebens verschieden schnell vergangen sind, obwohl wir genau wissen, dass die Zeit immer gleichmäßig vorangeschritten ist. Mit dem Lauf der Zeit verändern sich auch unsere Prioritäten, Anschauungen, Betrachtungsweisen und Meinungen. Was in der Jugend noch an vorderster Stelle stand verliert in späteren Jahren zunehmend an Relevanz, gleichzeitig gewinnen Fakten im Hier und Jetzt an Bedeutung, die in unserer Jugend als „uncool“ galten! Ferner verändert sich im Lauf der Zeit unser Körper, jedoch so langsam, dass wir es selbst kaum bemerken. Jeder Menschen dürfte Klarheit darüber besitzen, dass die Spanne eines jeden biologischen Lebens einer bestimmten Zeitspanne unterliegt, sei es die berühmte Eintagsfliege, deren Leben oft nur wenige Stunden dauert, bis zur Galapagos-Schildkröte die über 300 Jahre alt werden kann. Zeit haben die Menschen in der westlichen Hemisphäre nach heutigen Maßstäben genug, denn noch nie wurden die Menschen in unseren Breiten so alt wie jetzt. Ein Junge, der heute geboren wird, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 84 Jahren, ein Mädchen, das heute geboren wird, hat in der westlichen Welt eine Lebenserwartung von mehr als 90 Jahren. Dazu einige Vergleichszahlen: Unsere Urahnen aus dem Neandertal bei Düsseldorf hatten eine durchschnittliche Lebensspanne von 20 bis 22 Jahren. Neandertaler, die älter als 30 Jahre alt wurden, gelten als Phänomene. Auch in der Frühzeit der Menschheitsgeschichte stieg die Lebenserwartung nur sehr langsam an und lag im Durchschnitt bei 40 bis 45 Jahren. Selbst zu Zeiten des römischen Reiches lag der Altersdurchschnitt unwesentlich höher als 45 Lebensjahre um sogar später im Frühmittelalter auf 30 bis 32 Jahre abzusinken!


Noch vor hundert Jahren lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 60 Jahren – von zehn Kindern erreichten vier das Erwachsenenalter! Krankheiten, die heute als Routinefälle in den Kliniken abgearbeitet werden, waren zu jener Zeit noch ein Todesurteil, unabhängig vom Lebensalter. Bei aller großzügigen medizinischen Versorgung, verbunden mit einer mehr als ausreichenden Ernährungslage, deren Überangebot schon die nächsten Probleme beschert, haben wir bis heute eines nicht verhindern können – den Prozess des Alterns! An dieser Stelle möchte ich sagen – zum Glück! Altern ist keine Krankheit oder Makel, wie es die umsatzorientierte Kosmetikindustrie suggeriert, sondern ein natürlicher zeitlicher Ablauf. An dieser Stelle sollten wir uns vor Augen halten, dass der Mensch schon im Moment der Geburt mit dem Altern beginnt, jedoch nehmen wir dies nicht bewusst wahr, da das Heranwachsen zum Kleinkind, Jugendlichen und Erwachsenen als positiver Aspekt der Zeit, die vergeht, gesehen wird. Mit Erreichen des 14. Lebensjahres erreichen im Durchschnitt Mädchen ihre körperliche Reife, Jungen ca. mit Erreichen des 16. Lebensjahres (über das Erreichen der geistigen Reife möchte ich mich an dieser Stelle nicht weiter äußern!).

Nach einer scheinbar kurzen Zeit des Stillstandes, bemerken wir ein Phänomen, das wir als Altern bezeichnen. Zuerst nur sehr langsam, im Laufe der Zeit immer schneller werdend. Grund dafür ist lediglich eine kleine Unzulänglichkeit in unseren Körpern, die während der Zellteilung auftritt. Da jede Körperzelle nur eine bestimmte Zeit lebt wird sie durch eben genannte Zellteilung durch eine neue Zelle ersetzt. Bei jeder Zellteilung treten allerdings winzige „Kopierfehler“ auf, die bei einzelnen Teilungsvorgängen nicht ins Gewicht fallen, jedoch im Lauf der Zeit den Alterungsprozess bestimmen. Einen guten Vergleich bietet ein Fotokopierer. Macht man jedes Mal von einer Kopie eine erneute Kopie, ohne das Original zu nehmen, so schleichen sich winzige Fehler ein, die von einer Kopie zur nächsten mit dem Auge nicht erkennbar sind. Erst wenn wir einen großen Zeitsprung machen und zum Beispiel die 50. Kopie von der Kopie mit dem Original vergleichen, bemerken wir die „Defizite“ die sich langsam mit der Zeit eingeschlichen haben. Darunter erklärt sich auch das Phänomen, dass Menschen, die wir jahrelang nicht gesehen haben, uns beim Wiedersehen stark gealtert scheinen, da wir in unserer Erinnerung noch das Aussehen vom letzten Treffen abgespeichert haben. Unser erster Bildvergleich soll aufzeigen, wie so etwas im Extremen aussehen kann (alle dargestellten Personen entstammen einer Computersimulation und stellen keine Abbildung realer Menschen dar – Anm. d. Verf.).

Links im Bild das Portrait einer attraktiven Frau von 35 Jahren. Die ersten Zeichen der Zeit wurden bereits geschickt mit Make-up, Rouge und anderen Hilfsmitteln, über deren Einsatz andere bestimmt besser Bescheid wissen als ich, kaschiert. Mit Hilfe des Computers altert diese Frau um genau 50 Jahre und zeigt sie uns auf der rechten Abbildung in ihrem 85. Lebensjahr. Würde die Frau von der linken Bildhälfte heute unserer Ausdauersportabteilung beitreten (was ich persönlich äußerst begrüßen würde!) so würde uns der langsame Alterungsprozess bis zur 150-Jahrfeier im Jahre 2058 nicht ins Auge fallen, da die kurzen Zeitintervalle zwischen den ungezählten Lauftreffs, Radtouren und Schwimmtraining zu kurz sind, um irgendwelche Alterungsspuren zu erkennen!

Lässt sich der Ablauf des Alterungsprozesses beeinflussen?

Ja! Die Zeit lässt sich bekanntlich nicht aufhalten, jedoch haben wir selbst großen Einfluss, was wir mit der Zeit und in der Zeit machen! Im nächsten Beispiel drehen wir das Rad der Zeit vom gleichen Ausgangspunkt in zwei verschiedene Richtungen und beginnen unseren Zeitvergleich jeweils mit einem achtjährigen Kind (Jahrgang 2001), welches sich in der Zeitspanne von 32 Jahren zu einer Frau von 40 Jahren entwickelt. Auf beiden Simulationen zeigt sich unsere Jugendliche mit deutlichem Übergewicht, mit dem sie sich auf die anschließende Zeitreise macht, jedoch mit zwei völlig verschiedenen Lebensläufen!

Bereits zu Anfang wurde auf die Problematik des Überangebotes an Ernährung hingewiesen, die Quittung ist auf diesem Vergleich mehr als deutlich zu sehen. Zusätzlich kann auf dieser Simulation die fatale Wirkung von Fast-Food, Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum auf den Alterungsprozess beobachtet werden. Glücklicherweise tritt die Situation auf dem unteren Bildvergleich ein: Unsere fiktive junge Dame schließt sich der Ausdauersportabteilung an, achtet auf die zahlreichen Ernährungstipps, hält sich eisern an die Trainingspläne, wird zu einer erfolgreichen Triathletin und zeigt sich im Jahr 2041 wie auf der rechten Abbildung vorausgesagt! (Die einzige Tragik liegt darin, dass der Verfasser dieser Zeilen, zu diesem mehr als „interessanten“ Zeitpunkt, dann selbst bereits über 80 Jahre alt ist – Shit Happens!)

Zum Schluss kommt der Zeitpunkt anderer Menschen, Zeit nicht länger zu beanspruchen, denn sie verrinnt einmal langsamer und oft viel schneller, manchmal zu schnell! Egal wann und wo wir in unserem Leben zum allerletzten Mal an den Start, zum allerletzten Wettkampf gehen, muss uns allen klar sein – sie ist nur begrenzt....… …...eines Menschen Zeit.

Eine gute Zeit wünscht euch allen

Klaus Jäger