TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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Auch der Marathon hat Jubiläum

Eine interessante Geschichte, zusammengetragen von unserem Teamkollegen Klaus Jäger

42,195km (1908 – 2008)
Die Bedeutung dieser Entfernung braucht nun wirklich keinem Ausdauersportler erklärt zu werden! Vielleicht ist es aber so manchem in den emsigen Vorbereitungen der Hundertjahrfeier der TSG Kleinostheim entgangen, dass auch die erste Einführung der heute gültigen Marathon-Distanz genau 100 Jahre alt wird.

Ursprung des Marathonlaufs (Quelle: Wikipedia)
Der Geschichtsschreiber HERODOT berichtet über den griechischen Boten PHEIDIPPIDES, der 490 v. Chr. von Athen in zwei Tagen nach Sparta gelaufen war, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu suchen. Daraus formten 500 Jahre danach PLUTARCH und LUKIAN von Samosata unter Berufung auf HERAKLEIDES PONTIKOS eine Legende, der zufolge ein Läufer sich nach dem Sieg der Athener in der Schlacht von MARATHON, auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht habe und dort nach der Verkündung seiner Botschaft: „Freut Euch, wir haben gesiegt“ tot zusammengebrochen sei.

Von der Antike in die Neuzeit
Die ersten Langstreckenläufe in der Neuzeit fanden gegen Ende des 18. Jahrhunderts in England und den Vereinigten Staaten statt, bei denen meist eine Strecke von 20 Meilen (32,18km) oder 30 Meilen (48,27km) zurückzulegen war. Überwiegend liefen die Läufer der damaligen Zeit alleine gegen die Uhr, selten traten die Läufer gegeneinander an. Mit Einführung der wissenschaftlich fundierten Archäologie, zum Ende des 19. Jahrhunderts, fanden auch Grabungen an historischer Stelle in Marathon statt, die von dem Sprachwissenschaftler Michel Bre’al besucht wurden. Diesem kam der Gedanke, den legendären Lauf des PHEIDIPPIDES im Rahmen der ersten olympischen Spiele der Neuzeit, 1896 in Athen, neu aufleben zu lassen. Sein Vorschlag, an den Begründer des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Baron PIERRE DE COUBERTIN, fand Zustimmung und so wurde der Olympische Marathon 1896 von Athen, der erste organisierte Marathon.

Entwicklung der Laufdistanz
Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen, wurde die Laufdistanz auf 40 km (24,85 Meilen) festgelegt, in Erinnerung an den vermuteten Lauf des legendären Boten der Antike, obwohl der kürzeste Weg, den der Bote mit Wahrscheinlichkeit über das Pentelikon-Gebirge genommen hätte, nur 34km lang ist. In den folgenden Jahren bestand jedoch keine verbindliche Streckenlänge für die neue sportliche Disziplin, so dass Wettkampfentfernungen zwischen 39.996m und 42.750m, je nach den örtlichen Gegebenheiten der Veranstalter, üblich waren!

JAHR

DISTANZ (KM)

DISTANZ (MEILEN)

1896

40

24,85

1900

40,26

25,02

1904

40

24,85

1906

41,86

26,01

1908

42,195

26,22

1912

40,2

24,98

1920

42,75

26,56

Seit 1924

42,195

26,22


Beim Betrachten der Tabelle fällt auf, dass entweder eine angenäherte runde „Kilometerzahl“ oder eine annähernd runde „Meilenentfernung“, je nach Maßeinheit eines Landes, zum Tragen kam. Bei den Olympischen Spielen 1908 in London sollte die Laufdistanz ursprünglich exakt 25 Meilen betragen (40,23km). Ausgangspunkt der Streckenvermessung war das neu erbaute Olympiastadion im Londoner Stadtteil Shepherd’s Bush. Der Start sollte beim Schloss Windsor erfolgen. Nachdem man 25 Meilen, der damals in England üblichen Marathondistanz, ausgemessen hatte, war man noch immer eine Meile vom Schloss Windsor entfernt. Kurzum wurde die Streckenlänge auf zunächst 26 Meilen festgelegt, um dabei festzustellen, dass man zwar die Ostterrasse des Schloss Windsor erreicht hatte, nicht jedoch die königliche Loge, von der die „Windsors“ den Start verfolgen wollten! Vom Messpunkt im Stadion zur königlichen Loge fehlten jetzt noch genau 385 Yards (1 Yard = 90,9cm – Anm. d. Verf.), die kurzerhand der bereits auf 26 Meilen erweiterten Strecke hinzugefügt wurden! Somit lässt sich die Streckenlänge von 25 Meilen + 1 Meile + 385 Yards (= 42,195km) erklären!

Noch Jahre später war es den Veranstaltern möglich, die Marathondistanz je nach örtlichen Gegebenheiten und nationaler Messeinheit (Zoll oder Metrisch) festzulegen. Trotz der inzwischen fast obligatorischen Distanz von 42,195km bei den vielen professionellen Wettkämpfen, sah das Internationale Olympische Komitee (IOC) es nicht für notwendig an, die Distanz für den Marathon bei den Olympischen Sommerspielen 1912 in Stockholm und auch bei den Olympischen Sommerspielen 1920 In Antwerpen auf eine bestimmte Streckenlänge festzulegen. Erst 1921 hat der internationale Verband für Leichtathletik (IAAF) die Distanz von 42,195km als offizielle Streckenlänge für einen Marathonlauf festgelegt. Bei den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris kam die neue Regelung zum Einsatz und gilt bis zum heutigen Tag…………………………

MEILENSTEINE

Männer
1913 Erster unter 2:40 Std.: 2:38:17 – HARRY GREEN
1925 Erster unter 2:30 Std.: 2:29:02 – ALBERT MICHELSEN
1953 Erster unter 2:20 Std.: 2:18:41 – JIM PETERS
1967 Erster unter 2:10 Std.: 2:09:37 – DEREK CLAYTON
1969 Erster unter 2:09 Std.: 2:08:34 – DEREK CLAYTON
1985 Erster unter 2:08 Std.: 2:07:12 – CARLOS LOPES
1988 Erster unter 2:07 Std.: 2:06:50 – BELAYNEH DINSAMO
1999 Erster unter 2:06 Std.: 2:05:42 – KHALID KHANNOUCHI
2003 Erster unter 2:05 Std.: 2:04:55 – PAUL TERGAT

Frauen
1971 Erste unter 3:00 Std.: 2:55:22 – BETH BONNER
1979 Erste unter 2:30 Std.: 2:27:33 – GRETE WAITZ
1983 Erste unter 2:25 Std.: 2:22:43 – JOAN BENOIT
2001 Erste unter 2:20 Std.: 2:19:46 – NAOKO TAKAHASHI
2001 Erste unter 2:19 Std.: 2:18:47 – CATHERINE NDEREBA
2002 Erste unter 2:18 Std.: 2:17:18 – PAULA RADCLIFF
2003 Erste unter 2:16 Std.: 2:15:25 – PAULA RADCLIFF

19. April 1967 – DAS RECHT ZU LAUFEN!
An diesem Tag stand die zwanzigjährige Amerikanerin Kathrine Virginia Switzer beim BOSTON MARATHON im Starterfeld. Mit einem weiten Jogginganzug und tief herunter gezogener Mütze versuchte sie ihre weiblichen Konturen zu verbergen – warum? Erst im Jahr 1984(!) wurde die Marathon-Distanz bei Olympischen Spielen für Frauen zugelassen, im Jahr 1967 war der Marathon für Frauen schlichtweg verboten! Für diesen „illegalen“ Start benötigte Kathrine Switzer viel Mut zur Lücke, den sie schrieb sich in die Startliste mit ihren Initialen K. V. Switzer ein; ferner weihte sie ihren Freund Thomas Miller, ein Footballspieler der 115kg-Klasse, in das Geschehen ein. Während des Wettkampfes wurde sie dennoch vom Renndirektor Jock Semple entdeckt, der sie mit den Worten: „Leave my race and give me that number!“ aus dem Läuferfeld ziehen wollte. Der bereits erwähnte Thomas Miller beförderte Jock Semple daraufhin mit einem gekonnten Körperstoß in den Straßengraben! Da sich diese Szene genau vor dem mitfahrendem Pressebus abspielte, gingen diese Bilder Rund um die Welt! – Katherine Virginia Switzer beendete den ersten, von einer Frau nachgewiesenen Marathonlauf, in einer Zeit von 4 Std. 20 min. Ironie der Geschichte: Fast auf den Tag genau 27 Jahre später, erreichte die deutsche Läuferin UTA PIPPIG, am 18. April 1994 bei eben diesem BOSTON MARATHON, die schnellste Zeit, die je von einer deutschen Marathonläuferin erzielt wurde: 2:21:45

keep on running!

Klaus Jäger (25.04.2008)