Warum ist die Banane krumm?
……..weil niemand in den Urwald zog und die Banane gerade bog!
Abgesehen von diesem Kinderreim gab es schon immer Fragen elementarer Relevanz, wie z.B.:
woher kommen wir?
wohin gehen wir?
warum wird das Bier immer teurer?
Auch Fragen in anderer Ebene wurden kürzlich mehrfach gestellt, vor allem in Bezug auf Gewichtsverlust, Ernährungsplan und diverser Diäten. Zunächst sei an dieser Stelle der Begriff DIÄT ausformuliert: Eine DIÄT ist eine, jede nach Erfahrungen und physiologischen Erwägungen zusammengestellte, von der normalen Ernährung deutlich abweichende Kostform als Mittel zur gezielten therapeutischen Krankenkost oder prophylaktischen (=vorbeugenden) Beeinflussung des Stoffwechsels (Quelle: Lexikon d. Medizin; Verlag Urban & Schwarzenberg - 2. Auflage 1991).
Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass das Thema „Gewichtsverlust“ nicht direkt mit dem Begriff „DIÄT“ gleichgesetzt wird! Trotzdem quellen speziell für das weibliche Lesepublikum veröffentlichte Gazetten über mit dem Angebot der neuesten Traumdiäten. Neben brandaktuellen Themen wie z.B. „Kronprinz Rudolfs letzte Liebe“ und der die Welt bewegenden Frage: “Warum sieht Lady Camilla ihrem Pferd immer ähnlicher?“ können interessierte Leserinnen erfahren, wie sie innerhalb kürzester Zeit durch strikte Einhaltung dieser oder jener Diät die Wandlung zum Topmodell vollziehen können (wem auch immer diese Hungerhaken gefallen)! Alle diese angepriesenen Diäten haben eines gemeinsam: Sie beruhen auf einer einseitigen Ernährung und Vorenthaltung benötigter Energiemengen (= Fasten). Kurzfristig hat diese Strategie Erfolg bis zu dem Moment, an dem die normale Ernährungslage wieder aufgenommen wird. Sofort beginnt das Körpergewicht zu steigen, meist deutlich über das Ausgangsgewicht hinaus (= JO-JO-Effekt)!
Wie es zu diesem Phänomen kommt wird nachfolgend erläutert. Zunächst wird dargestellt, wie es zu einer effektiven Gewichtszunahme und zu einem effektiven Gewichtsverlust kommt. Beide Phänomene spielen sich in einem Zeitraum von mehreren Wochen und Monaten ab. Kurzzeitige Gewichtsschwankungen kommen durch einen Flüssigkeitsverlust (Wettkampf, harte Trainingseinheit) zustande oder durch Aufnahme größerer Wassermengen und haben mit einer effektiven Gewichtsveränderung nicht zu tun, da sich der Wasserhaushalt des menschlichen Körpers, je nach Flüssigkeitsmangel oder Überangebot, durch vermehrtes Trinken oder Urinausscheidung selbst kompensiert. An dieser Stelle möchte ich eindringlich von der Einnahme so genannter DIURETIKA (=Medikamente, die zur vermehrten Urinausscheidung führen) abraten, um z.B. eine kurzfristige Gewichtsabnahme herbeizuführen. Diese Medikamente bewirken eine Blockade der Natrium-Rezeptoren an den Glomeruli (=Nierenkörper) und verhindern die Wasserrückresorption des Primärharnes. Dadurch werden mehrfache Mengen Sekundärharn (=Urin) ausgeschieden und dadurch auch überdurchschnittliche Anteile von Kalium! Dieser Elektrolytmangel kann innerhalb kürzester Zeit zu massiven Herzrhythmusstörungen führen!
Ob wir effektiv Zunehmen oder Abnehmen hängt einzig und alleine von der ENERGIEBILANZ ab!
Weder ein opulentes Schlemmergericht noch ein Fastentag führen langfristig zu einer effektiven Gewichtszunahme oder Abnahme! Vergleichbar mit einer kaufmännischen Buchführung wird hier die Relation von benötigter Energie in Vergleich zur aufgenommen Energie gesetzt! Der Energiebedarf (=benötigte Energie) setzt sich aus vier Komponenten zusammen:
1. GRUNDUMSATZ:
Das ist der Stoffwechselumsatz eines nüchternen, entspannt liegenden Menschen bei 20°C, bezogen auf 24 Stunden. 60% des Grundumsatzes dienen der Wärmeproduktion, 40% der Aufrechterhaltung von Herz- und Kreislauffunktion, Atmung, Nieren- und Hirntätigkeit. Berechnung: Bei einem Mann beträgt der Grundumsatz durchschnittlich 1 kcal/Stunde/kg Körpergewicht. Bei Frauen ist der Grundumsatz 5-10% niedriger als bei Männern, da Frauen aufgrund des dickeren Unterhautfettgewebes weniger Wärme nach außen abgeben und weniger stoffwechselaktive Muskelmasse aufweisen. Ferner führt das männliche Sexualhormon TESTOSTERON zu einer Stoffwechsel steigernden Wirkung. Ab dem 18. bis 20. Lebensjahr nimmt der Grundumsatz kontinuierlich ab (Ende der körperlichen Reife). Bei Frauen kommt es zusätzlich ab dem ca. 45. Lebensjahr, mit dem Einsetzen der Menopause (= Nachlassen bzw. Ende der Ovarialfunktion) zu einer deutlichen zusätzlichen Reduzierung des Grundumsatzes von ca. 300 kcal/Tag, da der weibliche Organismus keine Energiereserven für die Eizellenreifung und den Eisprung mehr vorhält! Bei Frauen, die in diesem Lebensabschnitt ihre Ernährungsgewohnheiten beibehalten, ist eine effektive Gewichtszunahme unvermeidbar. Eine angenäherte Rechnung sieht wie folgt aus: Wer pro Tag 200 kcal zuviel aufnimmt wird im Verlauf von drei Monaten ca. zwei kg Körperfett ansetzen – ca. 9.000 Kalorien produzieren ein kg Fett.
Personen mit trainingsbedingt erhöhter Muskelmasse (z.B. Ausdauersportler) weisen einen höheren Grundumsatz auf, da Muskulatur im Gegensatz zu Fettgewebe stoffwechselaktiv ist und Energie „verbrennen“ kann. Adäquat dazu wird bei so genannten Diäten und Fastenkuren der Grundumsatz erniedrigt. Der Organismus stellt sich bei „DIÄT“ auf die „Notsituation Nahrungsmangel“ ein und startet ein Notprogramm, bei der sämtliche Funktionen auf Sparflamme laufen und dadurch deutlich weniger Kalorien verbraucht werden, bei gleichzeitiger gründlichster Nahrungsverdauung. Diese Überlebensstrategie ist eigentlich für Notzeiten vorgesehen und bereitet nach Ende der „Diät“ das Problem, dass der Stoffwechsel sich erst langsam umstellt und die intensive Nahrungsverwertung beibehält. Dadurch wird schon bei normal aufgenommenen Energiemengen, die im Normalfall für ein Gleichgewicht gesorgt hätten, Fett angesetzt um für den „Notfall“ gewappnet zu sein! (siehe oben – JO-JO-Effekt)
2. LEISTUNGSUMSATZ
abhängig von Dauer und Intensität der Belastung
abhängig von der Größe der eingesetzten Muskelmasse
steigt linear mit der Belastungsintensität an
bei steigendem Leistungsumsatz höherer Verbrauch von Sauerstoff und Nährstoffen
Prinzipiell steigern alle Tätigkeiten, so banal wie sie uns auch erscheinen mögen, den Leistungsumsatz. Es sind nicht nur die harten Trainingseinheiten, nach deren Ende der absolute Kalorienverbrauch gemessen wird, sondern so unscheinbare Aktionen wie z.B.:
Treppe benutzen anstatt Aufzug oder Rolltreppe
Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad anstelle motorisiert zurücklegen
alten Spruch beherzigen: „Kleinvieh macht auch Mist!“
Und hier noch eine kleine Auswahl beliebter Aktivitäten und deren Energieverbrauch:
Dauerlauf im beliebten 5-er Schnitt (12km/h) für 75 Minuten: 1.000-1.100 kcal
Schwimmen im moderaten Tempo für 60 Minuten: ca. 750 kcal
Zwei Stunden Radfahren mit 20 km/h (sehr moderat): ca. 1.400 kcal
Das Internet bietet in dieser Richtung eine ungeahnte Fülle von Verbrauchswerten, die das gesamte Spektrum des menschlichen Zusammenlebens abdecken!
3. SPEZIFISCH-DYNAMISCHE WIRKUNG der Grundnährstoffe
beschreibt den, infolge der Nahrungsaufnahme erhöhten Sauerstoffverbrauch und Energieumsatz
bei Verarbeitung der Grundnährstoffe (Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß) entsteht eine Steigerung des Stoffwechsels, der seine dafür benötigte Energie wie folgt mobilisiert: 3% Energieverlust aus den Fetten, 6% Energieverlust aus den Kohlehydraten und 16-20% Energieverlust beim Eiweiß.
4. VERDAUUNGSVERLUST
Parameter der Menge an Energie aus der aufgenommenen Nahrung, die durch die Verdauungsarbeit verbraucht wird. Der Durchschnittswert liegt bei ca. 10% unterliegt aber größeren individuellen Schwankungen. Diese Streuung erklärt auch das Phänomen der „guten“ und „schlechten“ Essenverwerter, d.h. dass unabhängig vom Geschlecht, bestimmte Menschen tendenziell leichter an Gewicht zulegen, während andere Zeitgenossen durch ihre „schlechte“ Verwertung nahezu unbedenklich schlemmen können!
Auf der anderen Seite unserer ENERGIEBILANZ finden wir die Menge der aufgenommenen Energie. Zur Geltung kommen hierbei sämtliche Energielieferanten, die wir in einem Zeitraum von 24 Stunden aufnehmen. Auch hier achtet man/frau oft nur auf die so genannten Hauptmahlzeiten, während kleine Naschereien „zwischendurch“ nicht wahrgenommen werden, die allerdings ebenso wie beim Leistungsumsatz in ihrer Addition zum Tragen kommen. Nur ein kleines Beispiel: Die beliebten Doppelkekse mit Kakao-Creme-Füllung („Prinzenrolle“ u.a.) schlagen mit 126 kcal pro Stück (!) in der Energieaufnahme zu Buche. Aus den oben aufgeführten Berechnungen des Grundumsatzes, der bei einem durchschnittlichen Erwachsenen bei 1.600 bis 2.000 kcal liegt, lassen sich dann die individuellen Energiemengen ableiten, die wir aufnehmen müssen um:
abzunehmen
zuzunehmen
unser Gewicht zu halten
unter Berücksichtigung von:
Leistungsumsatz (berufliche körperliche Beanspruchung, Training, Wettkampf)
Lebensalter
Geschlecht
individueller Erfahrung der „Kostverwertung“
Auch hier bietet das Internet (z.B. GOOGLE) eine unerschöpfliche Informationsmenge über Kalorien, Kohlehydrate, Fett und Eiweiß von tausenden von Lebensmitteln! Zum Schluss noch ein Hinweis auf den so oft bemühten BMI (= Body-Maß-Index). Diese Formel: Körpergewicht dividiert durch den Quadratwert der Körpergröße in Metern, dient nur der Einteilung der Nuancen von Kachexie (= Auszehrung), Normalgewicht in seinen erlaubten Streuungen und Adipositas (= Übergewicht) bis hin zur krankhaften Fettsucht. Da der BMI lediglich das Gesamtgewicht als Parameter festlegt, ohne auf die individuelle Aufteilung von Muskelmasse und Körperfettanteil einzugehen, ist diese Formel für Ausdauersportler nur bedingt einsetzbar, da das antrainierte Muskelgewebe deutlich höher ins Gesamtgewicht fällt als das verlorene Körperfett. Als intelligenter Mensch, mit Augen im Kopf, braucht man eigentlich keine Formel, um zu erkennen, ob ein Mensch zu fett, zu dünn oder normalgewichtig ist! Spätestens wenn beim Duschen die Füße trocken bleiben sollte man sich Gedanken um sein Gewicht machen!
Abschließend noch zwei kleine Bemerkungen, beginnend mit einem Ernährungstipp: Salat und Gemüse sind hervorragende Lebensmittel für eine gesunde Ernährung, mit vielen Vitaminen, Mineralien, Faserstoffen und Ballaststoffen. Vor einem Wettkampf (Vorabend) würde ich diese Lebensmittel meiden, da sie wegen ihrer hohen Anteile schwer verdaulicher Komponenten und der bereits erwähnten Ballast- und Faserstoffe sehr lange im Darm verweilen und der Verdauungsorganismus viele Stunden benötigt, um diese Komponenten aufzuspalten! Zu den Dingen, die man im Wettkampf nicht gebrauchen kann, zählt ein prall gefüllter Darm, dessen Inhalt verzweifelt das Licht am Ende des Tunnels sucht.
Last but not least eine persönliche Bemerkung an die Frauen: Einige Pfunde, so genanntes „Übergewicht“, genau an den richtigen Körperstellen platziert, wirken deutlich erotischer als freistehende Beckenknochen und hervortretende Rippenbögen! Die überwiegende Meinung der meisten Männer lautet: Eine Frau kann ruhigen Gewissens auch wie eine solche aussehen!
EPILOG
Die Banane gehört zur Gruppe der Staudengewächse, deren Hauptanbaugebiet in der Äquatorialebene liegt. Die natürliche Krümmung entsteht in der Wachstumsphase dieser Staudenfrucht, wenn diese der Kreisbahn der Sonne über den Horizont folgt.
………….darum ist die Banane krumm!
Klaus Jäger |