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Der Ironman 70.3 Wiesbaden mal aus anderer Sicht

Insgesamt 23 Mitglieder aus unserer Abteilung unterstützten die Veranstalter des Ironman 70.3 in Wiesbaden nicht nur ehrenamtlich sondern auch tatkräftig und hatten nach eigenen Erzählungen dabei sogar richtig Spaß. Hauptsächlich versorgten sie die Athlet(inn)en auf der abschließenden Halbmarathon-Laufstrecke mit Getränken, Bananen und Energieriegeln bzw. -gels. Drei von ihnen waren als Spotter unterwegs und sechs brachten als Radbegleiter die drei führenden Frauen und Männer sicher ins Ziel. Damit jeder mal einen Einblick von dem bekommt, was bei solch einer Großveranstaltung hinter den Kulissen passiert, brachten unsere Mädels und Jungs ihre Eindrücke zügig zu Papier. Peter Hufgard, der ja beim Frankfurt Ironman schon mal den zweiten Mann auf dem Rad begleitete, hat unserem Team diesen unvergesslichen Helfertag "eingebrockt".

Was sind eigentlich Spotter und was machen die?
Peter Hufgard erklärt und berichtet.

Spotten bedeutet soviel wie beobachten oder angaffen. Das haben wir gemacht und zwar über vier Stunden lang. Ausgestattet waren wir mit push to talk handys. Markus und ich waren bei den Männern eingeteilt, Volker und ein bis dahin uns unbekannter Renè bei den Frauen. Dazu gehörten noch unsere Chefin und zwei Personen in der Zentrale. Wenn einer mittels Tastendruck etwas durchsagte, konnten dies alle anderen Teilnehmer hören. Sinn der Sache war, den Rennverlauf vom Schwimmstart bis zum Zieleinlauf zu beobachten und alles an die Zentrale so präzise wie möglich durchzugeben. Die Infos dort werden bearbeitet, bei ironman.com in die Live-Zone publiziert sowie dem Moderator an der Strecke zur Verfügung gestellt. Der gab diese sofort ans Publikum weiter. Das Schwimmen war unerwartet die mit Abstand schwierigste Disziplin, weil am Schiersteiner Hafen sehr viel los war. Es war laut und die Sicht auf die Schwimmstrecke schlecht. Viele angelegte Boote versperrten die Sicht und unnötigerweise fuhr noch ein Boot vom Roten Kreuz direkt neben den Führenden. Weiterhin starteten alle Profis - Männer wie Frauen - gemeinsam, bis auf wenige Ausnahmen trugen alle Starter die vom Veranstalter gestellte Badekappe. So kam es, dass die sich absetzenden zwei Führenden nicht zu identifizieren waren, weil diese Einheitskappen trugen. Markus gab mir die Zwischenstände per Blick durchs Fernglas durch: "vorne rosa Badekappe, zwei Längen dahinter rosa Badekappe, acht Sekunden dahinter gelbe Badekappe (Andres Niedrig), danach zwei Längen rote Badekappe (Thomas Hellriegel)". Ich identifizierte die Badekappenfarben mittels einer uns zur Verfügung gestellten Übersicht und gab das per Handy an die Zentrale weiter. Es dauerte nicht lange und die Infos waren auch schon über Lautsprecher im ganzen Hafen zu hören.

Die letzten Männer waren noch nicht aus dem Wasser, da saß ich schon auf einem der uns zuvor zugewiesenen Motorräder (inkl. Fahrer natürlich) und fuhr neben dem führenden Franzosen Stephan Bignet. Erst jetzt wurde bekannt, wer der führende Schwimmer mit der rosa Badekappe war. Der Franzose erwischte einen blendenden Tag. Er sollte die Führung bis zum Schluss nicht mehr abgeben, ein klassischer Start-Ziel Sieg in beeindruckender Manier. Auf der Radstrecke ermittelten wir immer im Wechsel an zuvor abgesprochenen, so genannten Spotter-Points die Zwischenstände zwischen dem Führenden und den acht bis zehn Verfolgern. Das stellte sich aufgrund der rasanten Strecke mitten durch den Taunus und einigen, Kilometer langen Funklöchern als nicht so einfach dar. An der Spitze der Männer tat sich nichts, spannendster Moment war der Ausstieg von Markus Forster. Bei den Frauen jedoch gab es die ersten Führungswechsel. Mit 85 Sachen ging es dann Richtung Wiesbaden von der Platte auf 500m Höhe in die rasante Abfahrt. In der zweiten Wechselzone ging’s zeitgleich mit dem Führenden auf die Laufstrecke, mit dem Unterschied, dass die Spotter nun auf das Rad stiegen und die Athleten liefen. Hier stellten sich der extrem unübersichtliche Laufkurs, die vielen Passanten auf der Strecke im Kurpark, Orientierungsprobleme sowie leere Akkus der Handys als größtes Hindernis dar. Hilfreich waren sicher unsere TSG-Jungs, die die jeweils führenden drei Männer und Frauen auf dem Rad begleiteten. Bernie rief in jeder Runde schon von weitem die Startnummer inkl. Namen, so dass ich nur auf die Zeitabstände achten musste. Wir konzentrierten uns dann an gewissen Kilometermarken auf die Durchgabe der Zwischenstände. Ein Begleiten war schier unmöglich. Es war ein großartiger, abwechslungsreicher und spannender Tag und mal ein Triathlon der anderen Art. Statt schwimmen musste ich laufen, statt Rad fahren Motorrad fahren und statt laufen Rad fahren. Wir Spotter sind uns einig, dass wir diesen Job nächstes Jahr sehr gerne wieder übernehmen würden.

Dieses Biker - Team brachte die Medaillengewinner(innen) sicher ins Ziel
Harald Reuter berichtet

Im Gegensatz zu den Spottern, gab es sechs aus unserer Truppe, die sich, wie auch die Helfer an der Verpflegungsstelle, erst später in den Wettkampf einklinkten. Es waren die Führungsfahrer der ersten drei Männer und Frauen auf der Laufstrecke. Wir haben die Besten der Besten nach Hause begleitet! Der Sinn unserer Aufgabe war nicht nur, den Ersten den Weg ins Ziel zu zeigen. Vielmehr waren unsere mit Fähnchen geschmückten Räder und die beschrifteten Shirts ein Zeichen für Kommentatoren, Spotter und Zuschauer an der Strecke, dass wieder einer der Führenden im Anflug war. Da es gegen Ende der Laufstrecke zudem immer voller im Wiesbadener Kurpark wurde, war es auch von Zeit zu Zeit nötig, den Weg für die überholenden Treppchenkandidaten frei zu machen. Unter diesem Gesichtspunkt hatte es wohl Rainer am Einfachsten, der den ersten Mann, den Franzosen Stephan Bignet, übernahm und vor ihm die drei Runden bis ins Ziel abspulte. Seine Bedenken, an der einen oder anderen Abzweigung der noch verwaisten Strecke ins Zweifeln zu kommen waren unbegründet, da Lothar Wenz, Mitverantwortlicher für die Laufstrecke, auf den ersten Runden sein Begleiter war. Lothar, ein topfitter 80er (nicht Jahrgang, sondern Jahre!), hatte mit uns vor Arbeitsbeginn eine Tour über die Laufstrecke gedreht, wobei diese, noch mit zusätzlichen Streckenarbeiten verbunden, gegen Ende sehr flott gefahren werden musste. Respekt!

Relativ zeitgleich kamen der zweite und dritte Radfahrer - Thomas Hellriegel und Alessandro Degasperi (die Namen erübrigen die Nationenangabe, denke ich), die jedoch noch in der Wechselzone die Positionen tauschten und somit war es Harry überlassen, seine nicht vorhandenen Italienischkenntnisse aufzufrischen, wofür er auch bis zum Ende Zeit hatte. Die meisten Partnerwechsel hatte Bernie, der Thomas Hellriegel bereits Ende der ersten Runde gegen den Deutschen Konstantin Bachor und am Ende diesen noch gegen Nils Goerke eintauschte. Nachdem Rainer seinen ersten, Harry den zweiten und Bernie den dritten Mann übernommen hatten, warteten nur noch Tobias, Manni und ich außerhalb der Wechselzone auf unsere Begleiterinnen, die noch auf dem Rad in Richtung Wiesbaden unterwegs waren. Wenke Kujala kam nur knapp vor der laufstärkeren Spanierin Virginia Berasategui auf die Laufstrecke, was auch nach kurzer Zeit zur Folge hatte, dass Tobi und Manni einen Partnertausch vornahmen. Wer hätte so etwas gedacht! Ich dagegen verbrachte noch etwas Zeit damit, auf die dritte Frau im Bunde zu warten, bevor mir Andrea Brede die Ehre gab, sie begleiten zu dürfen. Wir hatten uns zwar wortlos vorgenommen, zumindest noch einen Platz gut zu machen, wobei uns ihre persönlichen Helfer an der Strecke mit Zeitinformationen versorgten. Das sollte am Ende allerdings an knapp 1:30 Minuten scheitern. Immerhin hatten wir bei der Aufholjagd, wenn ich richtig gerechnet habe, 4:23 Minuten auf Wenke aufgeholt. Ich bin der Meinung: Andrea, das haben wir gut gemacht. Auch ist das der erste Halbmarathon, bei dem ich schneller war als Manni und Tobi, und das mehr als deutlich und nur am Rande erwähnt. Nachdem nun Andrea Brede im Ziel war konnten wir ein durchweg positives Resümee ziehen und spielen sogar mit dem Gedanken, uns als Team für alle weltweit stattfindenden IRONMAN Veranstaltungen als Führungsradfahrer zu bewerben. Hierzu müssen allerdings noch die Eckdaten, wie Reisekosten, Auslagen, Wettkampfbekleidung (die Shirts hätten wir sehr gerne behalten!), spezielle Trainingslager, etc. verhandelt werden. Sollte das nicht klappen, sind wir wohl auch mit der gleichen Aufgabe im kommenden Jahr zufrieden. Alles in allem hat das Ganze einen riesigen Spaß gemacht.

Danke Peter, Wiesbaden war eine super Idee!

Der härteste halbe Tag des Jahres aus unserer Perspektive
Diana und Thomas Wollinger berichten

Wie war es? Toll war es, aber der Reihe nach…. Am letzten Donnerstag gab es beim Zusammentreffen des Helferteams am Vitamar einige Instruktionen von Klaus Arendt. Wir waren für die Verpflegungsstelle eingeteilt. Das erschien uns zunächst am stresslosesten, Hin und wieder ein paar Banänchen schneiden etc., und natürlich die Gelegenheit, selbst zuzugreifen. Als Klaus dann aber den Zeitplan vorgab und uns erklärte, was genau zu tun war, schauten wir uns doch etwas unruhig an. Ob das alles so klappen würde? Wir hatten ja helfertechnisch gesehen null Ahnung. Würden wir es hinbekommen, die Tische aufzustellen, die Getränke anzurichten und das Obst zu schneiden, bevor die ersten Athleten auf die Strecke gehen? Ich hatte dann Sonntagfrüh schon etwas Bammel. Hoffentlich sind wir schnell genug beim Aufbauen. Sonntag um 7.45 Uhr ging es dann los Richtung Wiesbaden. Wir waren super pünktlich und schon um 9.00 Uhr an Ort und Stelle, eine halbe Stunde früher. Es hat aber nicht geschadet, denn es herrschte ziemlich Chaos vor. Es gab einen großen Container, den es auszuräumen galt. Die unzähligen Pakete musste man aber erst mal richtig zuordnen. Wo war was drin und vor allem wohin sollten wir es tragen? Also vernünftigerweise bauten wir erst mal die Tische auf. Dies war aber auch nicht so einfach wie es klingt, denn es wusste niemand so recht, wohin wir welche Tische sollten. Die Chefin, die für uns zuständig war, erschien um 9.30 Uhr wie geplant. Ab deren Eintreffen gab es dann etwas mehr Struktur. Es wurden Pläne verteilt, die klarstellten auf welchen Tisch denn nun die Bananen und Äpfel bzw. wohin die Powerbar-Riegel bzw. Gels und die Powerbar-Getränke sollten. Nachdem alles auf den entsprechenden Tischen stand, fand die Einteilung statt, wer für welchen Tisch zuständig ist. Thomas und ich wurden zusammen mit einer Frau von der Naspabank für den Powerbar Hydro Plus Ausschank eingeteilt. An unserem Tisch lagen riesige Rührschneebesen mit denen wir das Powerbar Pulver anrühren sollten. Wir hatten Unmengen von Powerbarflaschen, die verrührt werden mussten. Eine Flasche hatte Pulver für exakt 7,5 Liter Wasser, also nichts wie her mit dem Messbecher. So, jetzt brauchten wir aber noch Wasser. Der Hydrant war aber noch nicht angeschlossen. Kurze Panik - die Athleten kommen bald - wir haben noch keinen einzigen Becher gefüllt. Aber dann lief es doch, alles ging der Reihe nach. Endlich hatten wir Wasser und brauten schön mit dem Messbecher das ideale Mischungsverhältnis zusammen. Es musste dann alles sehr schnell gehen - immer wieder kam die Nachricht, dass die Athleten gleich kämen. Der erste Bottich war fertig angerührt, die Becher konnten gefüllt werden. Wir legten einen richtig schönen Vorrat an. Hauptsorge war immer, dass uns der Nachschub ausgeht.

Dann kam auch schon der schnelle Franzose, der wollte gar kein Getränk von uns - der nächste schnelle Mann auch nicht, o.k.! Die Profis haben keine Zeit für große Rast, trotzdem schade, denn jetzt hatten wir uns so beeilt - und keiner trinkt was. Doch dann endlich kam der große Schub an Läufern und die wollten ihr Getränk alle gereicht bekommen. Hat nicht immer hingehauen, es war eine feuchtfröhliche Angelegenheit. Die Hälfte von dem guten Gemisch war dann auf unseren T-Shirts bzw. klebte an den Jeans. Na ja, was macht man nicht alles - Hauptsache helfen, so gut es geht. Wie schnell die alle unterwegs waren, es war schon hektisch und gut, dass wir zu dritt waren. Thomas und Frau Naspa reichten Getränke und ich habe immer fleißig neu angerührt. Es passte alles, unser Stand hat die Kontrolle nicht verloren und der Stoff ist uns nicht ausgegangen. Wir waren schon etwas stolz auf unser gutes Management. Dann kamen so ab 15.00 Uhr endlich mal Läufer, die gemütlich bei uns was getrunken haben und auch mal kurz mit uns ein paar Worte wechselten. Die Läufer waren alle super nett und bedankten sich ständig, weil wir sie so gut unterstützen. Ach wie schön – unsere gute Tat für Sonntag war getan. Dann feuerten wir die Nachzügler kräftig an, ansonsten war es ruhig im Wiesbadener Park. Leider keine Musik, wenig Zuschauer, nur ein paar Omas, die sich bei ihrem sonntäglichen Parkspaziergang auf die Laufstrecke verirrt hatten oder sonstige Pärchen mit Kinderwagen auf der Laufstrecke. Die mussten wir dann immer schnell verjagten. Mein Gott, die armen Läufer taten uns richtig Leid, die Strecke hätte etwas besser abgesperrt werden müssen (unserer Meinung nach), denn manche Fußgänger waren uneinsichtig und hatten null Plan, warum sie hier und heute nicht spazieren sollen. Alles in allem war es aber ein sehr schöner Tag. Die Stimmung hätte für die Läufer etwas lauter sein können. F ür uns war es sehr interessant, mal die Helferperspektive kennen zu lernen. So haben wir gesehen, wie wichtig es ist, freiwillige Helfer zu haben. Wir sind froh, dass es so viele Freiwillige bei den Veranstaltungen gibt, ohne die vieles nicht möglich wäre.

Resumee von Peter Hufgard

Auf jeden Fall würde ich unser Engagement als erfolgreich bezeichnen. Sowohl mit den Spottern als auch mit den Radbegleitern waren die Verantwortlichen sehr zufrieden. Alle in meinem Bericht genannten würden den Job nächstes Jahr wieder sehr gerne machen. Nach Erledigung ihrer Aufgaben waren die drei Spotter dann noch an unserer (TSG) Verpflegungsstelle. Auch dort war eine tolle Stimmung - und wenn ich das richtig gesehen habe, würden die das auch alle sofort wieder machen.

Und noch eine kleine Episode am Rande. Peter läutete bei allen Helfern durch, um sie zu einigen Zeilen für diesen Bericht zu animieren. Unseren Bernie erwischte er am Buckingham Palace. Er ist gerade mit seiner Familie in London, um das Länderspiel heute abend in Wembley anschauen. Gestern flog der Lufthansa-Purser unsere Nationalmannschaft nach London. Originalton Bernie: "von daher wirds mit dem Berichten ganz schlecht". Kann man so stehen lassen,oder?

Bilderserie vom 79.3

Kleinostheim/Wiesbaden, 22.08.2007