TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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Mein Weg unter 40 Minuten!
Christian Hippler schildert seine Eindrücke auf dem Weg dahin

10 Kilometer unter 40 - das bedeutet im Schnitt jeden Kilometer unter 4 Minuten und die 5 Kilometer im Schnitt unter 20 Minuten! Das ist doch was! Zumindest für mich, immerhin laufe ich auch erst seit 2 Jahren und einem Monat.

Rückblick in das Jahr 2004:
Das Ziel, an den 40 Minuten zu kratzen, hatte ich mir schon beim Jügesheimer Osterlauf 2004 gesteckt. Ich bin ja auch bei der Seligenstädter Winterlaufserie im Januar eine 41:25 gelaufen, also waren die 40 Minuten auch nicht mehr so weit entfernt. Das Wetter war optimal, also konnte es losgehen. Allerdings habe ich wieder meinen alten Fehler gemacht und bin wieder viel zu schnell angegangen – 3:48 nach Kilometer 1 – und bin dann eingebrochen, bei Kilometer 5 hatte ich bereits 20:38, das konnte also nichts werden. Ich versuchte mich noch so lange wie möglich an Norbert Stein fest zu beißen, aber nach Kilometer 7 kam der dicke Hammer und ein Kilometer von 4:45. Im Ziel hatte ich eine Zeit von 43:01. Das war nicht einmal Bestzeit. Ich schob es dann aufs Wetter, da es recht warm war und ich vorher nicht so viel getrunken hatte.
Also sollte es dann beim Herbstlauf in Niederrodenbach passieren. Mit etlichen Laufkilometern und guter Laufform, die sich zwei Wochen vorher beim Solarlauf in Alzenau bestätigte, ging ich hoch motiviert und selbstbewusst an den Start. Ich war mir sicher, dass ich es heute packen würde, es konnte eigentlich gar nichts schief gehen, da ich mir auch eine neue Taktik überlegt hatte. Langsam angehen und dann immer schneller werden. Aber daraus wurde nichts. Den ersten Kilometer absolvierte ich in 4:04. Ungewöhnlich langsam für mich. Daher dachte ich, dass es ein gutes Zeichen ist, da ich meine Körner noch nicht beim ersten Kilometer verschossen hatte. Allerdings musste ich auch auf die Tube drücken, um meinen Schnitt von genau 4 Minuten zu erreichen. Also legte ich an Tempo zu. Der zweite Kilometer: wieder 4:04! Was war los? Ich bin doch schneller geworden. Wieder drückte ich aufs Tempo. Kilometer 3: 4:05! Das konnte doch alles nicht wahr sein. Aber ich fühle mich noch gut und war noch guten Mutes. Bei Kilometer 5 hatte ich 20:24. Auf, da geht noch was! Doch kurz nach Kilometer 5 kam der Einbruch. Bis ins Ziel lief ich keinen Kilometer mehr unter 4:27. Endzeit: 42:57. Das hatte ganz schön aufs Gemüt geschlagen. Ich glaube, die Enttäuschung konnte man mir auch noch Tage danach ansehen. Der nächste Versuch sollte dann aber erst im nächsten Jahr stattfinden, denn jetzt war erstmal Winterpause oder besser gesagt Wettkampfpause.

Der Winter 2004/2005:
Im Winter trainiere ich relativ wenig, irgendwie muss man sich ja von der Wettkampfsaison erholen. Das heißt aber nicht, dass ich überhaupt nicht trainiere. Das größte Augenmerk bekommt im Winter das Schwimmen und das Fitnessstudio, in das ich mit Alexander Harwarth und Christian Eckhardt im Winter das erste Mal hingegangen bin. Wir hatten einen Vertrag von Oktober 2004 bis Ende März 2005. Und genau das Training im Fitnessstudio sollte ausschlaggebend dafür sein, dass ich beim Jügesheimer Osterlauf das erste Mal die 40 Minuten knacke. Dazu aber später. Ende November bis Mitte Dezember konnte ich fast gar nicht trainieren, da ich beim Laufen im Wald an einer Wurzel umgeknickt bin. So ein Pech! Aber na ja, da musste ich eben durch. Allerdings tat es höllisch weh, ich musste sogar die ersten beiden Tage auf Krücken verbringen.
Die Wettkämpfe im Winter verliefen überhaupt nicht nach Plan. Erst bin ich kurz vor meiner Verletzung bei der Seligenstädter Winterlaufserie die 5 Kilometer nur in 19:44 gelaufen. Eigentlich sollte es ja Bestzeit sein – diese liegt bei 19:24. Dann bin ich im Januar beim selben Lauf eine 19:33 gelaufen. So langsam musste doch mal was passieren. Es muss doch irgendwann eine Leistungssteigerung kommen. Allerdings sollte man eins beachten: Zu dieser waren wir dreimal wöchentlich im Fitnessstudio, was ja auch viel Kraft kostet. Also schob ich es aufs Fitnessstudio. Doch was war mit Christian Eckhardt? Trotz Fitnessstudio lief er in 17:49 deutlich Bestzeit.
Im März ging es dann zur Kreis-Crossmeisterschaft nach Kahl. 3.600 m waren zu absolvieren, mit von der Partie auch mein Trainingspartner Christian Eckhardt, so wie der scheinbar unschlagbare Jochen Lang vom TV Kahl. Christian lief alle in Grund und Boden, schlug Jochen Lang im Endsprint und wurde Kreismeister. Und was war mit mir? Als Gesamtvierter kam ich mit fast 2 Minuten Rückstand ins Ziel. 2 Minuten?! Auf 3.600 m?! Das war heftig! Ich schob es noch immer auf das Fitnessstudio (es war ja auch wirklich das Fitnessstudio, was mich so viel Kraft kostete!).

Der Countdown:
Am 3.04. beim Seligenstädter Mainuferlauf sollte es dann so weit sein. Die 40 Minuten Marke musste fallen. Langsam drosselte ich die Intensität im Fitnessstudio, steigerte meine Laufkilometer und achtete auf genügend Regenerationspausen. Im Februar habe ich mir dann noch Wettkampfschuhe gekauft, die Asics Gel DS Racer. Man sind das geile Teile! Anfang März bekam ich dann von dem Vorhaben von Roland Jäger mit, der ebenfalls die 40 Minuten Marke knacken wollte. Allerdings in Jügesheim, nicht in Seligenstadt. Eigentlich schade, denn wir könnten uns gut ziehen auf der Strecke. Aber es sollte ja alles anders kommen.

Die Woche vor Jügesheim:
Wir hatten Ferien, also Ideal um sich auf den Lauf in Seligenstadt vorzubereiten, der am Ende der Ferien war. Zusammen mit Christian Eckhardt lief ich Dienstag morgen zum Alex nach Alzenau, um dort zu frühstücken. Es war doch länger als gedacht, hin und zurück etwa 15 km. Am nächsten Tag sollte das erste inoffizielle Bahntraining stattfinden. Zusammen mit Andreas Heilmann, Roland „Tschegger“ Jäger, Trainer Wolfgang „Wolfi“ Höfer und Christian „Ecki“ Eckhardt, traf ich mich morgens um 10 zum Training auf der Bahn in Großwelzheim. Es waren nach Einlaufen und kurzem Lauf – ABC 5 x 1.000 m angesagt. Roland und ich sollten jeden 1000er in 3:50 laufen. Ich fühlte mich ausgesprochen gut und entschied mich nach dem Training, doch den 10er in Jügesheim zu laufen, da das Wetter passte und ich es außerdem nicht mehr abwarten konnte endlich die 40 Minuten zu knacken.

Der Showdown:
Sonntags bin ich noch die Wettkampfschuhe eingelaufen. Die Teile sind wirklich geil!!! 6:30 Uhr: Aufstehen. Na ja, es sind ja Ferien. Zwei Toastbrote ohne alles und eine Banane mussten reichen für meinen empfindlichen Magen. 7:35 Uhr: Abfahrt in Richtung Jügesheim. Hier merkte ich schon, dass etwas anders ist. Normalerweise lege ich mir im Auto meine Taktik zu recht und kann es kaum erwarten, dass der Startschuss fällt. An diesem Tag allerdings dachte ich an nichts während der Fahrt, wirklich an nichts. Ich war so locker wie nie. Das musste doch etwas zu bedeuten haben. 7:55 Uhr: Ankunft in Jügesheim und Registrierung bei der Anmeldung. Ich bekam die Startnummer 710. Über eine Stunde musste ich warten, bis endlich mein Mitstreiter Roland Jäger und Trainer Wolf kamen. Ganz locker liefen wir uns etwa 40 Minuten ein, es waren etwa 4 Kilometer. So viel habe ich mich noch nie eingelaufen! 9:25 Uhr: Während dem Einlaufen fühlte ich mich nicht besonders gut, mein Optimismus war beinahe gen 0. Sollte es heute wieder nicht klappen? Roland hingegen wirkte absolut locker und topfit, ich war mir sicher, dass er es packen würde. 9:45 Uhr: Noch 5 Minuten. Jetzt pochte mein Herz. Was wäre, wenn ich es heute wieder nicht packen würde. Dann zog ich meine Wettkampfschuhe an. Die geilen Teile. Die Schuhe machten mich wieder richtig heiß! Auf einmal war die Versagensangst wieder weg. Sollte ich es also doch packen? 9:50 Uhr: Der Startschuss!

Das Rennen:
Der erste Kilometer in 3:52! Ich fühlte mich plötzlich wieder bärenstark. Stop! Da war doch was! Genau! Langsam angehen und dann schneller werden war doch die Taktik. Also ließ ich mich zu Roland zurück fallen. Kilometer 2: 4:01. Hui! Zu langsam! Kilometer 3: 4:01. Scheiße! Sollte es wieder so enden wie in Niederrodenbach? Nein! Ich zog das Tempo an. Von da an lief es einfach. Bei Kilometer 5 hatte ich 19:45. Ich durfte mir also keinen Einbruch leisten. Also lief ich schneller, wie in Trance, ich war nur noch am überholen. Einfach genial! Bei Kilometer 8 überholte ich Claudia Hille. Von da an wusste ich, dass ich es packe. Ich zog noch mal an. Bei Kilometer 9,2, direkt nach der Unterführung, sah ich auf der anderen Seite Roland laufen. Man wird das knapp mit ihm, dachte ich mir. Der letzte Kilometer war noch mal richtig hart, aber ich hatte es gepackte: 39:25!!!!!! Genial! Ich habe es gepackt! Ich genoss den Augenblick für mich. Allerdings nur kurz, denn Roland hatte es leider nicht geschafft. Ein Einruch bei Kilometer 8 brachte ihn um die Zeit. Am Ende hatte er eine 40:26 stehen, was für ihn Bestzeit bedeutete, allerdings hatte er sein Ziel nicht erreicht. In diesem Moment wusste ich nicht, ob ich mich über meine Zeit freuen sollte. Ich war mir so sicher, dass er es packen würde. Eigentlich, so habe ich im Nachhinein erfahren, haben alle gedacht, dass er es packen würde und ich nicht! So kann doch alles anders kommen.

Die Woche danach:
Regeneration! Sonst nichts! Allerdings wurde ich Samstags, einen Tag vor Seligenstadt, von meinem Vater zum Nachdenken gebracht. Er meinte, dass ich eine gute Laufform hätte, das Wetter optimal sei und der Sprung auf eine Zeit von 38:xx nicht weit sei. Hm, ja, OK, ich lauf. Das bedeutete wieder etwa 4,5 Liter trinken (mach ich immer einen Tag vor einem Lauf!), eine kleine Trainingseinheit von etwa 8 Kilometer und früh schlafen.

Die Zugabe:
6:30 Uhr: Aufstehen. Dieses Mal war es mir nicht so egal, denn am nächsten Tag hatte ich wieder Schule. Aber na ja, was tut man nicht alles für eine Bestzeit?! Allerdings brauchte ich ziemlich lange um wach zu werden, etwa 15 Minuten. Alles lief an diesem Morgen etwas träge ab. Ziemlich kalt war es auch, etwa 4° Celsius, aber der Himmel strahlte blau. Ein Super-Tag! Mein Vater hatte also zumindest erstmal mit dem Wetter recht. 7:30 Uhr: Abfahrt in Richtung Seligenstadt. An diesem Tag war ich im Gegensatz zu Jügesheim sehr nervös. 8:00 Uhr: Abholen der Startunterlagen. Startnummer 107. 107?! In der Woche davor in Jügesheim hatte ich 710, die Zahlen waren also nur vertauscht. Da ich bei solchen Sachen recht abergläubisch bin, machte mir das Mut. 8:30 Uhr: 50 Minuten zum Start. Langsam habe ich mich eingelaufen, ganz alleine, wieder 4 Kilometer. Bei Kilometer 2 kamen mir Roland und Thomas Lindner entgegen, mit denen ich wieder zurück lief. Jaja, der Roland wollte es wieder wissen. Ich erzählte ihm von meinem Vorhaben und warnte ihn, nicht mit mir anzugehen, da wir ja ganz andere Zielzeiten hatten. Roland wollte natürlich wieder versuchen, die 40 Minuten Marke zu knacken. 9:15 Uhr: Das Anziehen der Wettkampfschuhe machte mich noch zuversichtlicher, da ich mich auch beim Einlaufen gut gefühlt hatte.

Das Rennen:
Kilometer 1: 3:44. Hm, etwas zu schnell, und Roland war direkt hinter mir! Bis Kilometer 4 lief ich mit Roland, dann zischte ich wieder davon. Ein kurzer Zwischensprint und Kilometer 5 erreichte ich bei 19:28, also genau im Plan. Roland kam etwa 10 Sekunden hinter mir zum Wendepunkt. War er zu schnell? Von da an lief ich wieder wie eine Lokomotive zielstrebig Richtung Ziel und war nur noch am überholen. Ich lief mich wieder in Trance. Im Ziel hatte ich eine Zeit von 38:44! Wieder Bestzeit. WOW! Aber Roland. Er kam wieder mit einem Einruch bei Kilometer 8 nicht unter 40 Minuten ins Ziel. Anmerkung: Die zweite Hälfte bin ich in 19:16 gelaufen, also neue 5 Kilometer Bestzeit

Danach:
Mein Ziel, unter 40 Minuten zu laufen, habe ich erreicht, die 38:44 waren eine tollte Zugabe. Roland hat sein Ziel ebenfalls erreicht, nämlich eine Woche später in Niederrodenbach. Nach einer Ruhewoche geht es dann weiter mit Großostheim und dem Triathlon in Gemünden.

Tipps:
Wer sich jetzt fragt, wie das geschafft habe unter 40 zu laufen, dem kann ich leider nicht sehr viel sagen. In der Woche vor Jügesheim hatte ich ohne den Lauf 55 Laufkilometer, so viel wie noch nie. In der Woche vor Seligenstadt hatte ich ohne den Lauf nur 8 Kilometer. Man kann also nicht genau sagen, welches Training für einen bestimmt ist, das muss man dann selber raus finden. Eine Sache ist allerdings besonders empfehlenswert: Einen Tag vorher Trinken, Trinken, Trinken! Und vor dem Wettkampf immer eine Fahrrad-Flasche zum Nuckeln dabei haben.

Bis zum nächsten Training: Christian Hippler