Kurzurlaub in den Dolomiten
Tobias
Hegmann war mit dem Bike und einem Freund unterwegs und erzählt:
Endlich
hab ich etwas Zeit, um von unserem erlebnisreichen Wochenende
zu erzählen. Christian, ein Radfahrerkollege
und ich, haben uns am Freitag um 4:30 Uhr auf den Weg nach Calazei
in den Dolomiten gemacht. Nach gut siebenstündiger Anfahrt
und der anschließenden Zimmersuche, bauten wir unsere Räder
zusammen und machten uns sofort auf zur ersten Tour. Aus dem Buch
„Die schönsten Alpenpässe“
hatten wir uns die Sella-Ronda ausgesucht,
also eine Umrundung der Sella-Berggruppe.
Mit dem Sellajoch (2240m), dem Grödner
Joch (2137m), dem Campolongapass (1870m)
und den Pordoipass (2239m), mit seinen
33 Tornanti (Kehren), konnten wir uns einen ersten Eindruck von
der schönen Landschaft machen und schon ahnen, was uns am nächsten
Tag erwarten würde. Bei dieser Nachmittagstour beließen
wir es bei 64 Kilometern und etwas über
2000 Höhenmetern. Für den Samstag
hatten wir uns einiges mehr vorgenommen. Nach einem guten Abendessen
schauten wir uns noch ein wenig das Städtchen an, in dem zufällig
auch noch das ganze Wochenende ein Fest mit vielen Umzügen
stattfand.
Kurz nach sieben ging der Wecker in Form
einer Motorsäge los. Egal, wir wollten ja sowieso rechtzeitig
los. Gemütliches Frühstück, noch mal in die Karte
schauen und ab aufs Rad. Diesmal stand die „Große
Dolomitenrundfahrt“ auf dem Programm, laut Buch eine
Zweitagesetappe. Vorbei am Lago Fedaia
ging es auf den gleichnamigen Pass, zu Füßen des Marmoladagletschers.
Dann hinunter ins Tal, um danach wieder 1200hm
am Stück hinauf zum Giaupass zu fahren,
bevor wir uns erneut bergab stürzten, in Richtung Cortina
d’Ampezzo. Christian ist der klar bessere Bergabfahrer.
Er lieferte sich das ganze Wochenende Duelle mit Motorrädern,
Autos, Wohnmobilen und Bussen. Ich bin da eher ein Feigling. Einige
Autos habe ich zwar auch überholt, die waren aber meist mit
Rentnern besetzt; hinzu kam eine Gruppe Motorradfahrer mit dem markanten
OF-Kennzeichen. Die kann ich natürlich nicht passieren lassen.
Auf 83km/h kam ich in den drei Tagen irgendwann
mal, Christian hatte weit über 90km/h
auf dem Tacho stehen. Nach 10 - 15 km Abfahrt stand er dann schon
immer mit der Kamera da und hatte schon einen Riegel verdrückt.
Von Cortina sollte die Tour eigentlich
wieder Richtung Canazei gehen. Wir beschlossen
aber, noch eine Runde um den Monte Cristallo
dranzuhängen, die im Buch als eine weitere Eintagestour geschildert
wurde.
Nachdem
wir den Tre Croci Pass mit seinen 1809m
bezwungen hatten, machten wir am Lago Misurina,
einem der schönsten Seen der Dolomiten
Mittagspause. Unseren Plan, noch die Drei Zinnen
mit dem Rad zu erklimmen, ließen wir fallen. Die Zeit wurde
knapp und wir hatten auch noch einen langen Rückweg. Weiter
um den Monte Cristallo herum ging es wieder
in einer 20 Kilometer langen Abfahrt nach
Cortina. Diesmal aber ohne Serpentinen,
sondern schön gleichmäßig. Wir sammelten Kraft für
den Aufstieg zum Falzaregapass. Bereits
unten beschlossen wir, dass jeder sein eigenes Tempo fährt.
Ich zog also gleich weg, um es auf den 15,5
Kilometern mit 1200hm mal ordentlich krachen
zu lassen. Nach 51:30min war ich am Schild
„Passo Falzarego 2105m s.l.m“
angekommen und hatte einen Schnitt knapp über 18km/h.
Knapp dreizehn Minuten danach kam Christian, der als Ex-Bodybuilder
mit 90kg nicht gerade ideale Vorraussetzungen
für einen Bergfahrer hat, aber mit Kraft und Einsatz so manches
Leichtgewicht auf dem Weg nach oben stehen ließ. Nach der
Abfahrt - ein paar dunkle Wolken und Regentropfen erschreckten uns
kurzzeitig - trafen wir auf zwei alte Bekannte, das Grödnerjoch
und das Sellajoch, die wir ja gestern
schon erklommen hatten, allerdings in der anderen Richtung. In Canazei
standen 172 Kilometer und 4750
Höhenmeter auf dem Tacho.
Am
Sonntag wollten wir dann einen lockeren Tag einlegen und
hatten uns eine schöne Runde ausgedacht. Bei sehr heißem
Wetter machten wir uns auf ins Val di Duron.
Weit kamen wir nicht, die schmale Straße, die wir uns ausgesucht
hatten, um den Motorradfahrern - oder wie Christian sagt: "Die
Organspender“ - mal ein bisschen zu entkommen, endete
bald auf einer Schotterpiste. Nach kurzem Kartenstudium beschlossen
wir über den Karerpass und den Passo
Nigra auszuweichen. Dort machten wir auf einer Hütte
kurz Pause, genossen den Ausblick auf die Rosengartengruppe
und fragten den Wirt, ob man mit dem Rennrad auch von der Seiser
Alm Richtung Sellapass abfahren
kann, was er bejahte. Durch das Val de Tires
fuhren wir Richtung Völs. Am Schloss
Blumau vorbei und dann Richtung Kastelruth,
wo die bekannten und überaus beliebten(?) Spatzen herkommen.
Auf der steilsten Straße, die ich je gesehen habe (28%!!!),
ging es zum Glück nur runter. Danach kam der Aufstieg zur größten
Alm Europas, der Seiser Alm. Ohne Schatten
ging es Meter für Meter weiter,
so langsam war ich etwas platt und oben dann der Schreck: Die Abfahrt
ist nur ein Schotterweg! Also wieder zurück, Abfahrt nach Bozen,
um dann über 2000hm hinauf aufs Grödner
Joch zu fahren? Dann wäre das wieder so eine Hammertour
wie gestern geworden. Ein Polizist gab uns den Tipp, mit der Seilbahn
nach St. Ulrich abzufahren und uns so
das Grödner zu sparen und direkt
über den Sellapass nach Calazei
zu fahren. Wir mussten zwar bis zu Seilbahn auch gut 20 Minuten
über Schotterwege schieben, waren aber trotzdem dankbar für
den Tipp Unsere einzige Angst war, dass das Geld nicht für
die Abfahrt reicht. Die Seilbahnaufsicht konnte zwar nicht verstehen
dass man mit dem Rad hochfährt und mit der Gondel runter, aber
egal. Von St. Ulrich über St.
Christina nach Wolkenstein, wo
wir erstmal eine Tankstelle und dann eine Bäckerei stürmten.
Im Elektrogeschäft nebenan lief „Tour
de France“ und wir beschlossen eine Pause einzulegen
und uns den Schlussanstieg anzusehen. Aber wer ist bitte der junge
Mann im Gelben Trikot? Ohne Ton ganz schön schwierig herauszufinden
was da so passiert. Als wir dann irgendwann das T-Mobile-Logo auf
dem Trikot entdecken, einigen wir uns darauf, dass es Linus
Gerdemann ist. Die Einblendung ein paar Minuten später
gab uns dann Recht. Der letzte Anstieg unseres Kurzurlaubs war dann
noch mal das Sellajoch. 120
Kilometer und 2800 Höhenmeter kamen
an unserem „ruhigen“ Tag zusammen, so dass wir alles
in allem gut 350 Kilometer mit über
9500 Höhenmeter in zweieinhalb Tagen
bewältigten. Wunderschön war es auf jeden Fall, auch wenn
wir am Ende ganz schön platt waren!
Tobias
Hegmann
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