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Rund um die Annapurna - Trekkingtour mit Volker Hain

Wer sich nicht auskennt, denkt bei Annapurna zuerst mal an eine russische Tennisspielerin, wie etwa Kournikova oder auch Scharapova. Aber Volker Hain, Triathlet aus dem Kader der TSG Kleinostheim, kennt sich ganz genau aus, schon seit vielen Jahren. Er lebt frei nach dem Motto - träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume - und praktiziert dies auch. Seit nunmehr siebzehn Jahren führen ihn seine sportlichen Extratouren beispielsweise mit dem Rad in den Norden Afrikas (Marokko 1989), zwei Jahre später durchquerte er den Südwesten Amerikas, radelte 1992 von Daxberg nach Ägypten und reiste 2004 in den Nepal mit dem Ziel: Basecamp Mount Everest (5300m ü. NN). Diese letzte Reise hat Volker so beeindruckt, dass er kurz danach erneut Fernweh bekam und die Planungen aufnahm für eine weitere Trekkingtour im Nepal. Die Annapurna-Runde ist sicher eine der schönsten Hochgebirgswanderungen der Erde. Die Wanderungen auf dem Dach der Welt, dem Himalaya, führen bis auf 5416m ü.NN. Man trifft auf eine gute Infrastruktur und faszinierende Gebirgsriesen. Die Tour wird oft scherzhaft als Apple-pie-Treck oder Coca-Cola-Treck bezeichnet, weil man von der Ebene bis hinauf zum Paß überall Apfelkuchen, Cola und Kaffee, ja sogar Bier und alles Notwendige und Angenehme kaufen kann und es eine Vielzahl von guten Unterkünften gibt. Weil dieses Gebiet einfacher zugänglich ist als das Everestterrain, muss man halt mehr Tourismus akzeptieren.

Umfangreiche Vorbereitungen
Doch am Anfang standen zunächst Planung und Organisation. Volker machte sich im Internet und beim Lesen der einschlägigen Reiseführer schlau. Bei solchen Wanderungen ist es äußerst wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es gibt im Grunde nur zwei Monate pro Jahr, in denen man im Himalaya optimal wandern kann, im April oder Oktober. Er entschied sich für die letzten drei Wochen im Oktober, weil man da mit trockenem Klima und toller Sicht auf die Bergriesen rechnen kann. Reist man später, wird die Reise durch Kälte und Schnee beeinträchtigt, reist man früher, kommt einem der Monsun mit viel Regen in die Quere. Man braucht für den Annapurna-Treck keine besondere Bergsteigerausrüstung. Eine solide Wanderausstattung reicht, da es so gut wie keine technischen Schwierigkeiten zu bewältigen gibt. Lediglich für die Kälte in den Regionen über 3000 Höhenmetern sollte man entsprechend gerüstet sein. Was man mitschleppt, muß man auch tragen. Der eigene Rucksack sollte nicht mehr als 12 -13 kg auf die Waage bringen. Weil bei Volker rein gar nichts normal ist, wiegt sein Rucksack überdimensionale 17kg!

Anreise auf Umwegen
Nach einem siebenstündigen Flug landete er zunächst im Königreich Bahrain, dem Inselstaat im persischen Golf. Nach fünf Stunden Aufenthalt ging's in weiteren fünf Stunden Richtung Kathmandu, der nepalesischen Hauptstadt. Dabei genoss Volker aus dem Flieger einen ausgezeichneten Blick auf die Himalayakette. Wegen starken Nebels statteten sie zuvor noch Bangla Desh einen kurzen Besuch ab. So kommt man in der Welt herum. Eine Tagesreise mit einem uralten indischen Bus führte ihn, nach Erledigung diverser Formalitäten, zum Ausgangspunkt Besisahar in einer Höhe von etwa 800m. Buch geführt, über zurück gelegte Höhen oder Entferungskilometer, hat Volker nicht. "Wenn ich aber alle Auf- und Abstiege kumuliere, bringe ich locker 17.000hm zusammen". Diese Trekkingrunde verläuft in einem Nationalpark, in dem alle Wege genau reglementiert sind. Die Behörden versuchen so weit wie möglich Natur und Kultur in diesen Gebieten zu erhalten. Andererseits kontrollieren die Maoisten Teile der Region und verlangen sogar Wegezoll.

Der erste Tag bringt ihn über Khudi nach Bahun Danda auf eine Höhe von 1398m. Der gut trainierte Daxberger macht an einem Tag das, was eigentlich für zwei Tage vorgesehen ist. Und ihr könnt es glauben, diesem Rhythmus bleibt er bis zum Schluss treu! Es gab auf der kompletten Tour niemals Probleme, eine Unterkunft zu finden. Die Herbergen sind recht einfach, aber sauber und zudem sehr günstig. Tag zwei bringt ihn nach Bagarchap (2164m). Langsam aber sicher nähert er sich den Höhenlagen, jeden Tag kommen einige Hundert Höhenmeter dazu, so wird es im Reiseführer empfohlen. Der Körper braucht seine Zeit, um sich genügend zu akklimatisieren. Der Weg führt ihn am dritten Tag am Marsyangdi River entlang, der von Nadelwäldern umsäumt und mit abenteuerlichen Brücken verbaut ist. Oftmals ist Volker stundenlang alleine unterwegs, aber das macht ihm nichts aus. Bei seinen Vorbereitungen auf einen Ironman sieht es nicht anders aus. Die Quälerei ist die gleiche und der eigentliche Sinn seiner Unternehmungen. Etwa die Hälfte aller Trekkingtouristen im Nepal engagieren sich einen einheimischen Guide, der vorausgeht, die Unterkunft organisiert, bei Problemen hilft, übersetzt und zudem noch einen Teil des Gepäcks schleppt. Unser extremer Teamgefährte hält vom Outsourcen solcher Dienste rein gar nichts, sondern löst alles mit eigenem Personal. Und so kommt der Einmannbetrieb zügig voran und übernachtet hinter Chame auf gut 2700m. Tags darauf, es ist erst der vierte, zieht es ihn hinauf nach Pisang auf eine Höhe von 3200hm, die unser Germany nicht mehr aufweisen kann. Am Nachmittag nimmt er dann Angriff auf Manang, einem großen Ort auf der Tour, der sich auf viele Touristen eingerichtet hat und hauptsächlich von ihnen lebt.

Manang - ein interessanter Ort - 3500m ü.NN
Es ist nicht einfach, auf 3500hm gut zu schlafen und Energien für die nächste Etappe zu sammeln. Aber es lohnt sich, hier eine Pause zur Akklimatisation einzulegen und die meisten Touris tun das auch. Der Ort ist sehr interessant, die Berglandschaft großartig und man kann einige Ausflüge machen. Volkers Körper verlangte keine Ruhe sondern Action, deshalb baute er in sein umfangreiches Programm eine zusätzliche Schikane ein, die ihn zum Tichilo-Lake führte. Dieser eindrucksvolle See gilt mit seinen 4920m als der höchstgelegene See der Erde. Zwei Tage verbrauchte Volker für Auf- und Abstieg zu diesem sehenswerten Phänomen, dessen Eindrücke er nicht missen möchte. Er befand sich doch im Urlaub! Diese anstrengenden Abstecher in höhere Lagen sind hinsichtlich einer besseren Höhenanpassung sinnvoll und trainieren die Muskulatur für eine erfolgreiche Passüberquerung, dem eigentlichen Ziel seiner Reise.

Auf geht's zum Thorong La
Dieser viel begangene Hochgebirgspass verbindet die zwei wichtigsten Täler des Annapurnagebietes miteinander. Jedes Jahr sterben an diesem Pass sowohl Trekker als auch nepalesische Träger, meist an der gefürchteten Höhenkrankheit. Volker überlässt nichts dem Zufall. Über all das ist er genauestens informiert, als er morgens nach einem kurzen Frühstück um 4.30Uhr aufbrach. Um diese unchristliche Zeit war hier schon der Teufel los. Und dann ging es in der Dunkelheit den Berg hinauf. Bei eisiger Kälte mühten sich einen Menge Leute mit Taschenlampen auf den ersten Höhenmeter zum Highcamp. Quer über ein langes Schneefeld, der Hang fällt steil ab und der ausgetretene Pfad erlaubt kein Überholen. Wenn hier den Vordermännern die Luft ausgeht, übst du dich im Warten. Mehr als 1000 Höhenmeter wollen bewältigt werden. Nach dem Schneefeld war der Weg frei und langsam aber stetig erklommen sie die Höhen zum Pass. Man schnauft wie ein Ochse durch die dünne Luft. "Und dann war ich auf dem höchsten Pass der Welt - 5416m über dem Meer"! Er war verschneit und das Wetter war nicht besonders. Es blies ein eisiger Wind bei etwa -7°C. Doch die gefühlte Temperatur, unter Berücksichtigung des so genannten Windchillfaktors, lag wesentlich darüber. "Wenn du in diesen Höhen läufst, hast du so ein Gefühl wie bei einer Grippe. Mir war klar, dass es nicht gut war, was ich da machte". Die Landschaft hier oben soll in der Morgendämmerung fantastisch wirken und man könnte die Bergriesen rundherum bewundern, wenn die Sonne halt scheinen würde. Volker war jedenfalls stolz über seine Leistung und die gewonnenen Eindrücke, zog allerdings schon nach einer halben Stunde weiter, um nicht auszukühlen. Hier oben ist man weit über der Baumgrenze und sieht kaum noch grün. Auf diesem Teil der Strecke gab er zwar Zähne knirschend aber kampflos seine siebzehn Euro Wegezoll an die räuberischen Maoisten ab und trug damit sicherlich etwas zum bevorstehenden Aufschwung in der Region bei.

Elend langer Abstieg
Dann folgte ein langer und gefährlicher Abstieg nach Muktinath, auf vereisten Wegen durch Lawinen gefährdetes Gebiet, über sensationelle Brücken, die unserem TÜV niemals Stand halten würden. Es zog sich ewig und eintönig durch eine braune, karge Landschaft. Nach 1600 Höhenmetern bergab erreichte Volker gegen Mittag den Zielort dieser Kräfte zehrenden Etappe und war platt. Anscheinend regenerierte er sich unverzüglich, denn "ich bin nochmal schnell zu dem berühmten Kloster und den Tempeln von Muktinath hochgekeucht. Dort soll seinerzeit Buddha auf Shiva getroffen sein". Ab jetzt führte ihn die Route in tiefere Lagen und mit jedem Höhenmeter wurde die Landschaft grüner und es ist, als ob man in den Frühling zieht. Er erreichte Kagbeni, das im sogenannten Mustang-Gebiet liegt und sich durch beeindruckende Erosionslandschaften auszeichnet. Von hier ging's durch ein sehr weites und windreiches Tal, das auch Karl May hätte inspirieren können, auf nur noch 2713m Meereshöhe nach Jomson. Den Rest des achten Tages verbrauchte Volker auf dem Weg nach Kalopani (2530m), immer entlang des Kalingandaki-Rivers. Das weite Tal bietet allerdings keine besonders guten Aussichten.

Es wird wieder wärmer
Am nächsten Tag ging es wieder richtig in die Wärme. Volker erlebte auf der Annapurnarunde die komplette Temperaturpalette von -7°C bis +30°C. Der Weg führte jetzt durch Wald bis hinunter nach Tatopani (1189m) und bot eine subtropische Fauna und Flora. Das Tal wurde immer enger und der Weg führte dann von einer Talseite zur anderen und immer auf und ab. Dann hatte er wieder Anstrengung pur, denn es galt 1600hm zu überwinden, um nach Gorepani auf wiederum 2855m zu gelangen. Danach hieß es ausruhen, weil Volker am nächsten Tag sehr früh raus musste. Er wollte, wie viele andere auch, bei Sonnenaufgang bereits auf dem Poon-Hill stehen, der für seinen tollen Panorama-Rundblick berühmt ist. Noch vor fünf Uhr ziehts du dann ohne Frühstück los, um die 300 Höhenmeter zum Poon Hill bis zu Beginn des Sonnenaufgangs zu schaffen. Die Eile wurde dann auch reichlich belohnt und er bewunderte das tolle Panorama beim Sonnenaufgang und noch dazu wolkenfrei. Es war der zweite absolute Höhepunkt auf seiner Reise. Dann musste er wieder zurück nach Gorepani, um anschließend gleich nach Hille (1600m) weiter zu wandern. Die ersten Stunden noch mal durch Regenwald und unberührte Natur bergab und die letzten Stunden durch niedere Terassenfelder. Die Zivilisation machte sich ab sofort wieder deutlich bemerkbar.

Und jetzt noch zum Annapurna Basislager (ABC)
Die meisten Annapurnawanderer machen jetzt drei Kreuze und kehren dann glücklich und zufrieden zum Ausgangspunkt Pokhara zurück. Volker war auf der 280km langen Rundreise wahrscheinlich noch nicht ausgelastet, denn jetzt wollte er auch noch das grandiose Panorama der Annapurna I mit 8091m und Annapurna II bis IV mit Höhen von 7500m sowie den Machapuchre mit 6993m genießen. Diesen Blick hat man nur vom Herzstück der Annapurna, dem Basislager, das auf 4500m liegt und von dem die großen Besteigungen gestartet werden. Volker investierte für diese Exkursion nochmal vier Tage, jeweils zwei für den Hin- und Rückweg. Es lohnte sich, denn oben am Basecamp traf er auf eine nette und ausdauernde Südkoreanerin, die sich von ihrer zu langsamen Reisegruppe getrennt hatte und Volker anschloss. Er hatte rein gar nichts gegen ihre Gesellschaft und meinte nur: "Die ließ nicht locker und folgte mir auf Schritt und Tritt". Er lieferte sie nach der Rückkehr wieder ordnungsgemäß bei ihren Leuten ab. Nach Birethani war es nicht mehr weit und über Pokhara brauchte er wieder einen ganzen Tag, um mit einem abenteuerlichen Bus nach Kathmandu zurück zu fahren.

Der Rückflug nahm 28 lange Stunden in Anspruch und führte ihn über Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, in das Sultanat Oman. Dort hatte er so lange Aufenthalt, dass es noch zu einem ausgiebigen Bad im persischen Golf gereicht hat. Den Yeti hat er nach eigener Aussage nicht gesehen, denn dazu hätte er mindestens einige Gläser dieses berühmt-berüchtigten einheimischen Reisbieres trinken müssen. Zuhause erzählte Volker beim Diavortrag im Sportlerheim seinen Teamkolleg(inn)en: "Ich bin in einer sehr guten körperlichen Verfassung abgereist und habe in zwei Drittel der Zeit alles erledigt. Weil ich nicht zu den Vernünftigen gehöre, habe ich das so gemacht. Bei täglichen 8-9 Stunden Trekking bist du dauernd im Grenzbereich". So was darf und kann sich eben nur ein Ironman leisten, dessen Körper an solche Exzesse gewöhnt ist.

Von dieser Tour machte Volker mit seiner Spiegelreflexkamera eine Diaserie, von der wir einen Teil recht aufwändig einscannten und webfähig machten. Etwas Qualitätsverlust mussten wir dabei akzeptieren. Sie sind in unserem Bilderalbum zu besichtigen. Der Reisebericht von seiner Tour zum Mount Everest Basecamp ist hier nachzulesen.

Roland Jäger