20.08.2005 MYSTERY INFERNO
TRIATHLON
Ein Rennbericht von Jürgen
Haas
Wetterdaten
von der Rennbesprechung vom Vortag:
Luftfeuchtigkeit: 80-100%
Regenwahrscheinlichkeit: 90%
Gewitterwahrscheinlichkeit: 20-30%
Temperaturen:
Wasser (Thunersee): 17,1°C, in den Tälern: 20-23°C
Große Scheideck (1960m, Rennradstrecke)
8°C
Kleine Scheideck (2060m, Mountainbikestrecke)
7°C
Schildhorn (2970m, Ziel Laufstrecke) 2°C
Schneewahrscheinlichkeit auf dem Schildhorn: 90%
Der Sprecher meinte, man(n) sollte doch den
Neoprenanzug anlassen.
Die Kenndaten des Events: 3,1 km Schwimmen
im Thuner See (von Thun auf die andere Seeseite nach Oberhofen),
92 km Road-Bike mit Überquerung der
großen Scheidegg nach Grindelwald mit ca. 2000
Höhenmetern, 30 km Mountainbike
mit Passieren der Kleinen Scheidegg und Bewältigen von ca.
1400 Höhenmetern und dem abschließenden
Berglauf 25 km von Stechelberg zum Schilthorn
mit Zielankunft im Piz Gloria auf fast 3000 Metern,
was ca. 2100hm auf die Laufstrecke ausmacht.
Früh um 3:30 Uhr hieß es aufstehen.
Ein Blick aus dem Wohnmobil verriet: der Regen, der letzte Nacht
begonnen hat, dauerte noch an. Das rüttelte etwas an der Motivation.
Nach dem Frühstücken ging es auf die 45-minütige
Autofahrt von Stechelberg (Campingplatz) zum Schwimmstart nach Thun.
Wie bestellt hörte der Regen vor den Toren von Thun auf und
der Himmel lockerte auf.
Start
um 06:30 Uhr (250 Einzelstarter und 250 Teams). Die letzte
Müdigkeit wurde spätestens beim Sprung in das A....-kalte
Wasser (17,1°C) vertrieben. Im Vergleich zu meiner ersten Teilnahme
2003 war der See in diesen Jahr ruhig. Man(n) musste so "nur"
gegen die Kälte ankämpfen. Die geringe Teilnehmerzahl
ließ rasch ein freies Schwimmen zu. Ich hatte kaum Feindkontakt
mit anderen Schwimmern und konnte schnell meinen Rhythmus finden.
Reine Schwimmzeit 1:10Std, war sehr zufrieden
damit, weil ich nicht so viele "Körner" auf meiner
ungeliebten Disziplin verloren hatte (Wechselzeit: 08:32min).
Auf zur nächsten Disziplin
In Oberhofen (562m) am gegenüberliegenden Seeufer wurde auf
das Rennrad gewechselt. Die Strecke führte nach etwa 300 ebenen
Metern direkt hinauf nach Beatenberg (1153m) und bietet Steigungen
zwischen 6 und 10%. Im Vergleich zu dem was noch kommt, humane "Rampen"!
Die ersten km am Berg waren hart, der Puls schoss in die Höhe,
die Beine und der restliche Körper waren infolge des kalten
Seewassers und des kaum vorhandenen „Warmrollens“ auf
dem Rennrad noch etwas unterkühlt (300m waren doch zu wenig).
Denoch fand ich schnell meinen Rhythmus.
Nach
der Abfahrt von Beatenberg kam das einzige Flache Stück von
30km. Es führte durch Interlaken
(560m) zum Fuße des Anstieges zur Großen Scheideck nach
Meiringen (590m). Nach der Ortsdurchfahrt Meiringen und dem Passieren
der Verpflegungsstelle ging es auf den 21km langen Uphill der "Hors
Categorie" hinauf zur Großen Scheideck
(1960m). Das Wetter war bis zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise,
bis auf die sehr hohe Luftfeuchtigkeit, trocken geblieben. Nur auf
dem flachen Stück hatte es leichten Gegenwind. Im Vergleich
zum ersten Berg ging es mir hier vom ersten km an sehr gut. Spätestens
hier machten sich die harten Trainingseinheiten am Gardasee im Mai
dieses Jahres bezahlt. Der Anstieg bietet anfangs Steigungen zwischen
6 und 17%. Leider waren die 6%-Steigungen nur auf den ersten beiden
km. Nach etwa drei viertel des Anstieges bei Rosenlaui (1330m) ging
der Spaß erst richtig los. Hier gab es dicke Nebelschwaden
und die Luftfeuchtigkeit lag am Ende der Skala. Die Funktionswäsche
hatte "alle Hände voll" zu tun um den Körper
"trocken" zu halten. Hier
begann das steilste Stück des gesamten Anstiegs, von 20-23%,
der sich bis zum Gipfel hinzog. Spätesten hier denkt man darüber
nach, ein kleines Päuschen einzulegen. Nach den schier endlos
scheinenden Serpentinen kam die "Flame Rouge", die den
letzten km bis zum Gipfel ankündigt (Auffahrtzeit zur Großen
Scheideck 1:33Std).
Nur noch Milchsuppe
Hier oben war es ziemlich frisch, Nebelschwaden und leichter Nieselregen,
der ab etwa der Hälfte des Anstieges begonnen hatte, ließen
mich hier oben nur zum Schließen meines Trikots und der Jacke
verweilen. Danach ging es in die rasante Abfahrt zur zweiten Wechselstation
nach Grindelwald (1030m) hinunter. Anfangs
waren die Straßen nass und sehr steil, was sich später
besserte. Die Straßen waren für den Verkehr (die Passstraße
über das Große Scheideck dürfen nur Fahrzeuge mit
Sondererlaubnis und Postbusse im Linienverkehr und Touristenbusse
passieren) nicht gesperrt worden. Durch den Veranstalter wurden
aber ausreichend Helfer bereitgestellt, die mit Trillerpfeifen vor
gefährlichen Kurven und Gegenverkehr warnten. Die Fahrzeuge
die uns auf der Abfahrt entgegen kamen, wurden durch zwei voraus
fahrende Motorräder eskortiert, die so die abfahrenden Radfahrer
warnten. Kurz vor Grindelwald lockerte der Himmel auf, die Sonne
kam sogar kurz zum Vorschein. Reine Fahrzeit Rennrad: 4:10Std
(91km, 2145hm). In der Wechselzone musste ich mich komplett umziehen.
Die Radsachen von der Rennradstrecke waren völlig durchnässt,
Goretex hatte an diesen Tag keine Chance. Ab jetzt trug ich wieder
warme und trockene Sachen.
Es
folgt der Mountainbikepart
80m nach dem Verlassen der Wechselzone bekam man schon einen kleinen
Vorgeschmack auf das, was uns auf der Mountainbikestrecke erwarten
sollte. Es stand eine kleine Bachdurchquerung an. Das Wasser war
zum Glück nicht allzu tief und breit, sonst wären die
trockenen Sachen, bevor es richtig losging, schon wieder völlig
durchnässt worden. Wenn man jetzt dachte, es ginge los, dann
kam noch eine kleine Schlammpackung in Form eines etwa 70m langen
Abschnittes, der durch den starken Regen der Vortage völlig
aufgeweicht war. Die ersten km auf dem 15km langen Uphill verliefen
auf Teer, später auf sehr gut ausgebauten Schotterwegen hinauf
zur Kleinen Scheideck (2060m). Die Auffahrt
verlief sehr gut, ich habe mich von der Rennradstrecke sehr gut
erholt und hatte noch sehr gute Beine. Die letzten 400m vor der
Passhöhe wurden noch mal richtig steil, etwa annähernd
30%. Hier war besser Schieben angesagt,
um die Kräfte nicht sinnlos zu vergeuden. Reine Fahrtzeit von
Grindelwald (1030m) zum Kleinen Scheideck (2060m): etwa 15km
in 1:44Std. mit 1180hm. Auf dem Kleinen Scheideck war es
sehr kalt und es regnete heftig. Schnell mehrere Becher heißen
Tee und Bouillon mit Weißbrot, dann in die
Abfahrt nach Stechelberg
Durch
den Regen war der Wanderweg aufgeweicht und es hatten sich kleine
Bäche gebildet, die es uns noch schwerer machten. Ein Vorteil
war, dass keine Wanderer auf der Piste waren, auf die man hätte
Rücksicht nehmen müssen. So hieß es, so schnell
wie möglich die Abfahrt hinter sich bringen. Als Brillenträger
hatte man so seine Nachteile (Beschlagen der Gläser usw.) so
dass es größtenteils ein Blindflug war. Als kleines Bonbon
hatte der Veranstalter ein technisch anspruchsvolles Trailstück
mit Wurzelpassage eingebaut. Im trockenen Zustand würde man
das Trailstück sicherlich als genial bezeichnen, aber leider
hatte der Regen etwas dagegen. Er hatte dieses Stück in eine
Schlammstrecke verwandelt, so dass aus Sicherheitsgründen schieben
angesagt war. Nach dem Passieren dieses Teilstückes wurde der
Weg wieder besser, war aber durch die Nässe immer noch tückisch.
Der Regen hatte inzwischen wieder aufgehört. Nach der Abfahrt
ging es noch ein paar km auf leicht ansteigender Teerstraße
zur letzten Wechselstation nach Stechelberg (860m). Fahrtzeit Kleine
Scheideck zur Talstation der Schildhornbahn, wo sich die Wechselstation
befand: 15km in 46:21min.
Völlig
durchnässt (zum zweiten mal an diesen Tag, ohne das Schwimmen
mitgerechnet) und eingesaut mit Schlamm, fuhr man in die Wechselstation
ein. Raus aus den nassen dreckigen Sachen, rein in die warmen Laufsachen
und auf die Laufstrecke: 25km Länge! 2100
Höhenmeter. Wechselzeit vom Mountainbike auf das Laufen
- 7:28min. Die ersten "flachen" 5km verliefen sehr gut,
ich hatte erstaunlicherweise noch sehr gute Beine, so dass ich diesen
Abschnitt in 21:58min. gelaufen bin. In
Stechelberg (860m) ging es bei km 5 in den Berg Richtung Müssen
(1640m) hoch. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt ganz gut und ich
habe gehofft, in diesem Jahr bis "on the Top" zu kommen.
Bis Mürren ging es mir ganz gut, ich habe mich mit einem Einzelstarter
(kam aus Egelsbach bei Frankfurt/Main) zusammengetan, gemeinsam
legten wir diesen Abschnitt zurück.
Ohne Skier durch das Kanonenrohr
Vor
Mürren wurde es zum allerletzten Mal an diesen Tag für
etwa 3km flach, hier konnte man sich nochmals etwas "erholen",
es war sogar wieder richtiges Laufen möglich. Das Wetter hatte
inzwischen dicht gemacht. Ortseingang Mürren, Sichtweite etwa
20m, kaltes feuchtes Wetter. In Mürren, dem Zieleinlauf für
die Staffelteilnehmer (Ihnen blieb die größte Schinderei
erspart), warteten meine Betreuer mit frischen, trockenen und vor
allem warmen Sachen. Ganz grob hat man hier zwei Drittel der Renndistanz,
aber erst ein Drittel der Höhendifferenz
geschafft. Eingepackt in meinen Winterlaufsachen (mitten im August!!!!)
ging ich auf die letzten extrem steilen km Richtung Schildhorn Terrasse
auf 2970m Höhe. Je höher ich
kam, desto schlechter wurde die Sicht. In den Regen mischten sich
Schneeflocken. Unmittelbar nach Mürren war Schluss mit lustig,
der Regen nahm zu und das Quecksilber fiel in den Keller. Hier rächte
es sich, dass ich keine Winterhandschuhe mit hatte. Zunächst
geht es zur Höhenlücke bei Kilometer 14, die bereits auf
1900m liegt. Dann stellt sich das berüchtigte Kanonenrohr in
den Weg. Im Winter ist es eine schwarze Piste für Skifahrer,
ein über zwei Kilometer langer Anstieg mit durchschnittlich
25% Steigung, der erst bei Kilometer 17 auf über 2430m
an der Schilthornhütte geschafft ist.
Das
Rennen mutiert auf diesem Streckenabschnitt zu einer Gruppenwanderung.
Die folgenden zweieinhalb Kilometer sind bei etwa zehn Prozent Steigung
durch eine Geröllhalde vergleichsweise flach. Der Regen ging
immer mehr in Schnee über und die Temperatur müsste inzwischen
bei zwei Grad angekommen sein. Nach der letzten Verpflegungsstelle,
bevor es endgültig in die mörderische Schlusssteigung
ging, wurde durch die Helfer an der Verpflegungsstation mitgeteilt,
dass das Ziel auf die etwas niedriger liegende Seilbahnstation Birg
(2677m) verlegt wurde. Auf dem Schildhorn herrschte ein Schneesturm
und die Temperatur ist unter 0 Grad gefallen. Es wäre zu gefährlich,
noch weiter hoch zu gehen. Ich war etwas enttäuscht, aber auch
froh (trotz Wintersachen und Regenjacke durchgefroren und durchnässt),
die letzten 290hm nicht mehr auf mich nehmen zu müssen. Fix
und alle bin ich in Birg angekommen. Dort warteten schon die Helfer
mit warmen Decken und Getränken auf uns und es dauerte nicht
lange, bis die Betreuer von der Schildhornterrasse nach Birg kamen
und frische warme Kleidung mitbrachten.
Jürgen
Haas
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