11.07.2005 Ironman Frankfurt,
live dabei?!
Die
Geschichte einer „Bildschirmverfolgerin“
Kurz nachdem Udo
Ackermann am frühen Sonntagmorgen gegen 5.30 Uhr das Haus
verlässt, um Richtung Frankfurt zu fahren, beginnt seine Frau
mit gierigen Blicken nach den anderen Männern zu schauen. Doch
diese anderen Männer sind nicht irgendwelche, nein, diese Männer
sind die Ehemänner der besten Freundinnen! Noch vor dem Kaffee
(Insider wissen, was das bei Ackermanns Frau bedeutet) platziert
sich Ackermanns Frau mit erhöhtem Pulsschlag auf der Couch,
schaltet um 8.00 Uhr den Fernseher an und sieht die Liveübertragung
vom Langener Waldsee. Sie ist überwältigt von der Atmosphäre,
die der Hessische Rundfunk in ihr Wohnzimmer überträgt.
Tausende schwarze Delphine mit gelben Köpfen, die immer wieder
ins Wasser tauchen und wieder an die wellende Oberfläche gelangen,
lassen ihre Blicke am Bildschirm kleben.
„Die Couch ist zu weit entfernt“,
denkt sie und stellt sich direkt 80cm vor das Bild, um vielleicht
doch den einen oder anderen Mann zu erkennen. Aber wie soll sie
jemanden erkennen, wenn selbst die Reporter Schwierigkeiten haben?
Doch da sieht sie am unteren rechten Bildrand in einer 100stel Sekunde
ein bekanntes Gesicht. Athletischer schwarzer Neoprenanzug (so sehen
sie alle aus), wenige Haare, entfernt sich gerade die Schwimmbrille
von den Augen. H
A R A L D
!!! Sie hat ihn gesehen!!! Und er trägt ein zufriedenes,
entspanntes Grinsen, mit dem Ausdruck: „Ich
habe noch viel vor, der Tag ist noch lange.“ Dieser
Gesichtsausdruck beruhigt Frau Ackermann. Ja, der Tag ist noch lange
– nicht nur für die Ironmänner in Frankfurt. Auch
für Frau Ackermann beginnt ein anstrengender, langer Sonntag.
Heute fällt die Kirche aus
Nachdem sie ihre Tochter schnell zum Gottesdienst gefahren hat (heute
fällt die Kirche bei ihr aus), verfolgt sie voller Spannung
die Wechselzone vom Schwimmen zum Radfahren. Dabei wird so nebenbei
gefrühstückt. Ihr 8-jähriger Sohn muss sich auch
interessieren, wie die Männer aus ihren Schwimmanzügen
schlüpfen, darunter bereits ihre Radkleidung tragen, wie sie
ihre „schnellen Helme“ aufsetzen und barfuß und
mit ihrem Rad einhändig joggend durch das aufgebaute Lufttor
schweben, um auf die 180 km lange Radfahrstrecke zu „gehen“.
Endlich legt der Hessische Rundfunk eine Pause ein, so dass auch
Frau Ackermann ein „Arbeitspäuschen“ einlegen kann.
Schnell ein Teil der Hausarbeit erledigt, Kind wieder abgeholt,
mit anderem Kind Memory gespielt, Essen gekocht. „Was
werden die Männer in den nächsten Tagen für einen
Hunger haben“, denkt sich Frau Ackermann und überlegt,
ob sie nicht einen dicken, fetten, kalorienreichen Kuchen backen
soll. Doch dazu bleibt keine Zeit. Denn schon geht es weiter mit
dem zweiten Teil der Fernsehübertragung – dem Radrennen.
Nein, nicht die Tour de France im ARD, dort ist eine andere Atmosphäre,
das merkt man gleich. Die Tour Langener Waldsee, Frankfurt nach
Bad Nauheim, zurück über Kloppenheim, Bad Vilbel Frankfurt
– und das zweimal.
Ja, Frau Ackermann kennt sich aus!
Nachdem sie den Zeitungsbericht vom Vortag vergrößert
und studiert hat, weiß sie genau, welche Strecke „ihre
Männer“ fahren. Auch wenn sie leider nicht, wie alle
anderen „live“ dabei sein kann, so verfolgt sie doch
mit jeder Sekunde ihrer Gedanken den Weg. „Wo
mögen sie jetzt sein? Wie geht es ihnen? Schade, dass im Fernsehen
nur immer die Schnellsten ins Bild kommen.“ Doch dies
hat den Vorteil, dass die Daheimgebliebenen die Strecke so miterleben
und sehen können, als ob man selbst mit dem Rad mitfahren würde.
Das haben die anderen nicht. Ätsch! So fährt Frau Ackermann
zwischen Getreidefelder, in Verkehrskreisel, durch die gesperrten
Ortschaften und zwischen dicht gedrängten Menschenmengen vorbei,
die ihr freudestrahlend zujubeln. Zwischendurch erzählen ihr
die Fernsehreporter (u.a. Lothar Leder und Frau Nicole) von den
monatelangen Vorbereitungen, von mindestens 20 Wochenstunden Training,
davon, dass die Familie dahinter stehen muss und davon, dass Berufstriathleten
und Freizeitsportler teilnehmen.
„Wo sind denn meine Männer, was ist
mit Ihnen?“
denkt sich Frau Ackermann. Dass das Motorrad mit der Kamera nicht
gerade vor „Frau Ackermanns Männern“ fahren kann,
um diese zu filmen, ist logisch. Deshalb setzt sie sich jetzt telefonisch
mit Ironman Manni
Scherers Frau Vicky
in Verbindung. Hier eine kurze Erklärung: Frau Ackermann ist
noch vom „alten Eisen“, denn sie muss sich noch mit
der modernen Technik wie Computer oder Handy näher vertraut
machen. Doch da das „alte Eisen“ (= Frau Ackermann)
mit den „Eisenmännern“ befreundet und in Gedanken
bei ihnen ist, setzt sie jetzt die „moderne Technik“
ein und wählt Vickys Handynummer!
„Hallo, hier Vicky"
„Na, Vicky, wie sieht es aus?“
„Super gut, Manni ist eine Stunde schneller........ eine Stunde,
eine Stunde, eine Stunde........ als erwartet, die anderen ärgern
mich schon, dass er sich für Hawaii qualifizieren kann.“
(An dieser Stelle erhebt sich Frau Ackermann – wie es sich
bei der Deutschen Nationalhymne geziemt, als Respekt vor der Familie,
die ja auf sehr viel Familienleben verzichtet, wenn der Ehegatte,
Vater, Sohn sich als „Nebenberufler“ zu solch einem
Wettkampf vorbereitet.)!!!
Vicky: „ Ich gebe dir mal deinen Mann.“
„Na, wie ist es?“
Herr Ackermann: „Eine, nein, dieee wahnsinnige Stimmung, unbeschreiblich,
fantastisch, unbeschreiblich......!“
So, wieder zurück zu „Frau Ackermanns
Männern“, die mittlerweile schon lange auf der
Laufstrecke sind. Natürlich überträgt das Fernsehen
„stundenlang“ den schnellsten Läufer. (Name vergessen,
also doch nur ein „unsportliches Namensgedächtnis“,
Bildungslücke! Ausrede: Die Namen „meiner Männer“
kenne ich.).* Aha, eingefallen, Norman Stadler. Das schöne
an dieser Strecke: Sie wird mehrmals gelaufen mit viel „Läuferverkehr“
links- und rechtsseitig. Zwischen den vielen „Allerweltsläufern“
kann man Radfahrer mit grünen, gelben und roten Luftballons
entdecken, die den 1., 2., 3. Männern bzw. Frauen den Weg zeigen.
Interessante Bilder! Doch für die Augen von Frau Ackermann
sehr anstrengend. Denn die Chance ist groß, Tatoo - Manni,
Harry, Thommy,
Volker,
Roger,
Bernd
(wen kennt sie noch?) zu erspähen. Doch leider, kein bekannter
Mann in Sicht.
Plötzlich sieht sie eine hübsche, braunhaarige, sommersprossige
Frau, die eine royalblaue TSG-Jacke um die Hüfte geschlungen
hat und die sich schnell und gewandt durch die Läufer schlängelt.
„Das Gesicht kenne ich doch“, denkt Frau Ackermann.
Das ist doch Astrid
Lindner!! „Hurra, ein bekanntes Gesicht!“ Auch aus
diesen 100stel Sekunden kann man die Freude und das Genusserlebnis
dieser Ironman - Ehefrau erkennen. Tolll!!!!!
Sprichwort: „Man soll die Hoffnung nie
aufgeben“.
1. Die Hoffnung ins Ziel zu gelangen. Ob es Hundertmark (so hieß
er, glaubt sie) wohl schafft?
2. Die Hoffnung, doch noch „Frau Ackermanns Männer“
auf der Laufstrecke zu entdecken.
Denn als das Fernsehen den Livebericht um 17.43 Uhr über Nina
Eggert (Namen aufgeschrieben) kurz vor ihrem Zieleinlauf übertrug,
diese einige Läufer überholte, da entdeckte Frau Ackermann
wieder ein bekanntes Gesicht. Ein schmunzelndes, kämpfendes,
jedoch glückliches Gesicht (geht das alles zur gleichen Zeit?).
Es war wieder Harald, der für einige Sekunden.... immer mehr
in den Hintergrund des Bildes rückte. „Ich habe einen
„meiner Männer“ gesehen“, dachte sie: „Er
schafft es!“ Voller Erleichterung genoss sie nun die Atmosphäre
des Zieleinlaufes der ersten Läufer und Läuferinnen. Es
war gigantisch, welche Glücksgefühle, Freude, Ausstrahlungen
wieder in Frau Ackermanns Wohnzimmer übertragen wurden. Auch
wenn sie nicht live dabei war, so war sie doch dabei. Und durch
die Fernsehübertragungen konnte sie ergreifenswerte Eindrücke
miterleben, die sie noch lange mit ihrem „Herrn Ackermann“,
der live dabei war, austauschen wird.
Nur eines wird sie vermissen: Den Zieleinlauf „ihrer Männer“
nicht gesehen und miterlebt zu haben..... Doch vielleicht wird dieser
um 21.55 Uhr im Hessischen Rundfunk übertragen. Deshalb beendet
Frau Ackermann jetzt diese Geschichte und setzt (oder stellt sich
80 cm) sich vor den Fernseher um diese Ironman - Athleten zu bewundern.
Es war ein unvergessenes Erlebnis mit Euch!„Der längste
Sonntag meines Lebens!“
eure Freundin
Frau Ackermann alias Uschi Elbert
PS: Ein Bild vom Fernsehen: Stadler überholt Läufer:
Läufer setzt seine Mütze ab, neigt seinen Kopf, will sagen:
„Hut ab, Respekt.“ - Dies gilt auch für Euch-
|