TSG Kleinostheim - Ausdauersport

 

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„Tour de Bassens 2005“
ein Erlebnisbericht von Gundolf Brunträger

Montagmorgen, 7.00 Uhr am Rathaus Kleinostheim
Neben den Teilnehmern (Alois und Ilse Mühlthaler, Harald Reuter, Manni Scherer, Rainer Simon, Thomas Gerst, Gundolf Brunträger und Catherine Rioux) hatte sich auch ein kleines Verabschiedungskomitee eingefunden. Landrat und Ausdauersportkollege Uli Reuter war ebenso erschienen wie unser 1.Vorsitzender Norbert Karl. Sogar Altbürgermeister Konrad Frieß wollte dabei sein, wenn die Gruppe auf Reise geht. Den offiziellen Startschuss gab Bürgermeister Hubert Kammerlander mit den besten Wünschen für ein gutes Gelingen.

Die erste Etappe war geprägt von zwei größeren Anstiegen nach Rossdorf und vor Alsenborn. Ansonsten ging es relativ flach dahin. Der Wind blies jedoch unangenehm von vorne. Wegen des Verkehrs wurden nach Möglichkeit Radwege gesucht und genutzt. Nach einem kleinen Umweg in Einöd erreichten wir am späten Nachmittag den ersten Etappenort Walsheim. Bis zum Campingplatz mussten aber noch zwei kurze, aber knackige Anstiege bewältigt werden. Zum Schluss waren 206 km zurückgelegt. Abgesehen von zwei kleineren „Spritzern“ konnten wir an diesem Tag mit dem Wetter zufrieden sein.

Lausige Kälte
Die erste Nacht im Zelt war unangenehm. Lausig kalt! Raureif hatte sich über alles gelegt. Beim Frühstück in der Campinggaststätte stieg jedoch die Stimmung zunehmend. Kaum in Frankreich setzen die Radler ein erstes Highlight: Von der richtigen Route abgekommen landeten wir auf einer autobahnähnlichen Straße. Die ungehinderte Fahrt währte jedoch keine 30 Sekunden. Die französische Polizei war schnell zur Stelle und begleitete uns mit Blaulicht bis zur nächsten Ausfahrt. Am späten Nachmittag hatten wir uns wieder mal verfahren. Dass es gar nicht so einfach ist, sich in dem Straßengewirr zurecht zu finden, zeigte die Tatsache, dass plötzlich unsere beiden Begleitfahrzeuge auftauchten, die sich ebenfalls verheddert hatten. Mit Hilfe von sechs französischen Rennradfahrern, die zufällig des Weges kamen, fanden wir schließlich wieder auf die richtige Strecke. 15 Zusatzkilometer mussten aber verbucht werden. Am Etappenort Thonnance mussten wir erfahren, dass der Campingplatz weit außerhalb liegt, nochmals 12 km, und die bergauf. Der Tageskilometerzähler zeigte am Schluss 240 km! Insgesamt waren wir 11 Stunden unterwegs. Bei einem Grillabend und ein paar Bierchen wurden die Strapazen aber schnell wieder vergessen.

Tag drei
Vom Profil her erwartete uns heute eine anspruchsvolle Tour. 180 km ging es auf und ab - durchaus mit längeren Anstiegen - und natürlich dann auch mit den entsprechenden Abfahrten. Keine einzige Flachpassage. Das Wetter war schon wie gestern, wieder optimal, morgens zwar frisch, zunehmend aber sonnig und warm, Wind von hinten. Es hatte sich als praktikabel erwiesen, pro Tag drei Pausen einzulegen. Vormittags und nachmittags jeweils eine kürzere, und so nach 2/3 der Strecke jeweils eine etwas längere Pause. Hier wurden wir jeweils von Ilse und Catherine mit Brötchen, Baguettes, Obst, Kaffee oder heißer Brühe bestens versorgt. In Auxerre war der Campingplatz diesmal leicht zu finden, lag er doch direkt neben dem Fußballstadion. Am Ende waren es 187 km, die zurückgelegt wurden.

Die vierte Etappe ähnelte stark der vom Vortag. Es mussten jedoch keine so langen Steigungen mehr bewältigt werden. Es blieb jedoch ein stetiges Auf und Ab. Angenehm war es auch, dass wir uns zum größten Teil auf D-Straßen fortbewegten, meist verkehrsarm, dafür oftmals rau und uneben. Nicht nur die Begegnung mit einem riesigen Bienenschwarm brachte Abwechslung. Auch eine plötzliche Tempoverschärfung von Rainer, aus welchem Grund auch immer, vielleicht hatte ihn doch eine Biene gestochen, machte echt Spaß. Über knapp 20 km gab er die Führung nicht mehr ab und wir schraubten den Schnitt auf rund 33 km/h. Ansonsten hatte Alois die Meute gut im Griff und wir hielten den vereinbarten Schnitt zwischen 25 und 26 km/h über die ganzen Tage. Gegen Abend, aber schon auf dem Campingplatz, setzte Regen ein. Trotzdem verbrachten wir einen amüsanten Grillabend unter der Markise von Alois’ Wohnmobil. Tagesetappe: 180 km

Der fünfte Tag
Bis zum Fahrer- und Autowechsel bei km 100 keine besonderen Vorkommnisse. Wir fuhren weiterhin auf Nebenstrecken, es flachte weiter ab, blieb aber wellig. Ab Mittag wurde das Wetter schlechter, die Bewölkung nahm zu und nach kurzer Zeit kam die erste Dusche von oben. Für die nächsten 2 ½ Stunden ging das so weiter. Aber wenn man schon bis auf die Haut nass ist, kann auch mal eine Regenfahrt Spaß machen. Kalt war’s ja Gott sei Dank nicht. Das Quartier bezogen wir an diesem Abend auf einem Bauernhof. Ein altes, aber liebevoll hergerichtetes Gehöft, in dessen ehemaligen Viehstall, jetzt ausgebaut zu einem urigen Speisesaal, wir von der Hausherrin mit einem schmackhaften Drei-Gänge-Menü verwöhnt wurden. Tagesetappe: 203 km

Großer Empfang in Bassens
Der letzte Radtag sollte wieder erlebnisreich sein. Knappe 170 km standen als Schlussetappe auf dem Programm, das Gelände relativ flach. Morgens erwischte es nochmals die „Frühschicht“, aber spätestens nach der ersten kleinen Pause war klar, dass wir die Regenjacken für diesen Tag nicht mehr brauchen würden. Was wir aber nach wie vor brauchten, war guter Orientierungssinn. Und den hatten wir nahe dem Städtchen Jarnac wieder mal verloren. Zu groß das Gewirr von National-, Auto- und Umgehungsstraßen. Die Begleitfahrzeuge taten hier gute Dienste. 20 km vor dem Etappenziel ließen Harald und Manni die Begleitfahrzeuge stehen, um mit dem Rest der Gruppe nach Bassens einzuradeln. In St. André de Cubzac erwartete uns die Radgruppe aus Bassens, 10 - 15 Fahrer und Fahrerinnen. In zwei Gruppen legten wir die letzten 16 Kilometer zurück. Fast wie ein Triumphzug, dazu die Sonne, die Wärme, einfach klasse. Dann passierte es doch noch: Thomas hatte Plattfuß, drei Kilometer vor Bassens. Die französischen Freunde waren sofort zur Stelle, der Schlauch schnell gewechselt. Kaum auf dem Rad fuhr Thomas schon wieder auf der Felge! Ohne Worte. Die gleiche Prozedur wieder, diesmal mit Rainers Ersatzschlauch. Der hielt. Schlusspunkt der Etappe war Schlösschen Griffon, wo wir durch Bürgermeister Turon und durch die Gastfamilien empfangen wurden. Die „Bandas“ sorgten für die musikalische Umrahmung. Fototermin, Begrüßungsreden, Austausch von Gastgeschenken schlossen sich an. Nach einem ersten Kennenlernen in den Gastfamilien, war „Griffon“ am Abend erneut Treffpunkt für alle, wo auf Einladung der Gemeinde ein gemeinsames Abendessen stattfand.

Der Sonntag stand zur freien Verfügung, und wurde zusammen mit den Gastfamilien zu unterschiedlichen Ausflügen in die Umgebung genutzt. Cap Ferret, die Dünen von Pillard, St. Emilion und Bordeaux boten sich hier an.

Am Montag um 8:30 Uhr wurde die Heimreise angetreten, die ebenso reibungslos verlief wie die ganze Tour zuvor. Catherine blieb noch einige Tage in Bassens, Alois und Ilse wollten auch noch zwei Wochen mit ihrem Camper im Süden verbringen.

Eine erlebnisreiche Radtour ist zu Ende. Sie hätte auch noch ein paar Tage länger dauern können.

Gundolf Brunträger