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Beim Joggen im Wald Orientierung verloren - Premiere für Mobilfunk-Ortung

Kahl/Aschaffenburg. Seit wenigen Monaten können die Rettungsleitstelle des Roten Kreuzes und die Einsatzzentrale der Feuerwehr in Aschaffenburg bei Notfällen Handys orten. Am Dienstagabend bewährte sich das System zum ersten Mal, als eine junge Frau beim Joggen in der Nähe von Kahl den Weg aus dem Wald nicht mehr gefunden hat.

Sandra L. (Name der Redaktion bekannt) wohnt erst seit kurzem in Kahl. Die junge Frau geht regelmäßig Joggen. Am Dienstagabend war die 18-Jährige gegen 21 Uhr das erste Mal alleine auf dem Vitaparcours unterwegs, als sie in der Dunkelheit die Orientierung verlor.

»Ich war mir nicht mehr sicher, welcher Weg an einer Kreuzung der richtige ist«, sagt die Sportlerin. Sie nahm den falschen Weg und wusste nicht mehr, wo sie ist. »Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn die Bäume nur noch schemenhaft zu erkennen sind und man in der ferne Autos fahren hört«, erzählt sie. In ihrer Not traf die Frau eine Entscheidung: Sie wählte über ihr Handy den Notruf 112.

Hubert Sauer hatte an diesem Abend Dienst in der Feuerwehr-Einsatzzentrale. Als sich die junge Frau kurz nach 21.30 Uhr auf der Notrufleitung meldet und sagt, dass sie im Wald zwischen Kahl und Alzenau nicht mehr den Weg nach draußen findet, beruhigte sie Sauer und holte sich ihr Einverständnis, das Handy orten zu dürfen. »Seit einigen Monaten hat sowohl die Rettungsleitstelle wie auch unsere Einsatzzentrale die Möglichkeit, Handys über ein System der Björn-Steiger-Stiftung zu orten«, erklärt Sauer. Während Sauers Kollege Frank Ritter die Position ortete und die Alzenauer Feuerwehr an die Stelle leitete, hielt Hubert Sauer telefonischen Kontakt zu der verirrten Joggerin. »Es war ein unheimlich beruhigendes Gefühl, Zuspruch und seelisch-moralische Unterstützung am Telefon zu bekommen«, sagt Sandra L. Sie kannte das System zwar schon, wusste jedoch nicht, dass es dies auch bei der Feuerwehr gibt.

Rund eine Stunde nachdem sich die Auszubildende verlaufen hatte, wurde sie von den Feuerwehrleuten gesund und munter gefunden. Gegen 23 Uhr lieferten die Männer die Frau zu Hause ab: ein Einsatz mit gücklichem Ausgang.

Die Feuerwehr hofft, dass sich mehr Handynutzer bei der Stiftung registrieren lassen. Der Service ist kostenlos. »Früher wären wir mit 70 Mann los gezogen, die den ganzen Wald durchkämmt hätten«, erklärt Hauptbrandmeister Ritter. In diesem Fall kamen lediglich sieben Mann zum Einsatz.

Weiterer Vorteil: Registrierte Nutzer können schneller geortet werden, da nicht alle Netze gescannt werden müssen. Zudem seien dann schon Daten über die Person vorhanden und sie habe ihr Einverständnis bereits erklärt. »Die Ortung dürfen wir auch wirklich nur im Notfall nutzen und nicht um nachzuschauen, wo sich gerade Bekannte aufhalten«, versichert Ritter.

Text und Fotos: Ralf Hettler (Main-Echo)

Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Registrierung sind auf der Website der Björn-Steiger-Stiftung zu finden.