04.07.2010 Bericht IRONMAN Frankfurt 2010 von Endi
Mein erster IRONMAN und die Angst vor´m Neoverbot
Der Tag fing früh an. Der Wecker sollte mich eigentlich um 3.00 Uhr wecken aber das brauchte er nicht, geschlafen habe ich so gut wie gar nicht und war lange vor meinem Wecker wach. Jetzt war sie doch da, die Aufregung, Anspannung und Nervosität, die die vergangenen Tage nicht mal ein bischen zu spüren waren.
Obwohl ich gar keinen Hunger hatte zwang ich mich dazu zwei Brötchen zu essen, denn schließlich wollte ich nicht schon nach dem Schwimmen einen Hungerast bekommen und es waren ja auch noch vier Stunden bis zum Wettkampf.
Um 4.15 Uhr ging´s los Richtung Langener Waldsee. Als Volker und ich um kurz nach 5.00 Uhr dort eintrafen waren schon recht viele Starterinnen und Starter samt Anhang da und man spürte dieses ganz besondere Gefühl, irgendetwas lag in der „Luft“, wahrscheinlich war es die Angst der vielen Athleten die 3,8 km lange Schwimmstrecke ohne Neo bewältigen zu müssen.
Eine Weile standen wir nun am Eingang zur Wechselzone und sprachen nochmals alles durch. Auf einmal bekam ich ein merkwürdiges Gefühl und fragte mich, was mache ich hier eigentlich, ich will nicht in die Wechselzone, ich will nicht schwimmen. Aber alles jammern half nix, ich war auf mich alleine gestellt. Da hieß die Parole: Augen zu und durch.
In diesem Moment erinnerte ich mich an den einfachen aber treffenden Satz:
Das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Wunschkonzert!
Also „ergab“ ich mich meinem Schicksal und ging an meinen Platz, checkte alles durch.
Das flaue Gefühl in der Magengegend wurde aber auch nicht weniger.
Nachdem ich mich ein wenig in der Wechselzone nach bekannten Gesichtern umschaute traf ich Claudia Fiebig-Keller, direkt ein paar Plätze neben mir. Endlich mal ein bekanntes Gesicht mit dem man noch ein wenig reden kann. Ich drückte ihr ganz fest die Daumen damit sie die Quali schafft.
Dann war es auch schon soweit, die erste Gruppe wurde aufgerufen und mein Herz klopfte wie verrückt. Kurz darauf erfolgte auch schon der Aufruf für Gruppe 2. Oh Mann, jetzt ist es soweit, dachte ich, jetzt gibt es kein zurück mehr. Bleib jetzt bloß ruhig und schieb keine Panik, alles wird gut.
Beim Gang nach unten in´s Wasser hoffte ich auf ein paar vertraute Gesichter am Rande der Absperrung. Zum Glück waren einige Bekannte da und eine gute Freundin meinte zu mir, Tanja hab keine Angst, all die anderen haben mindestens genauso viel Angst wie du.
Mir schlotterten die Knie als ich im Wasser stand. Endlich erfolgte der Startschuss und ein paar Minuten später ordnete auch ich mich ein. Wie geplant möglichst hinten, außen links (wegen meines Rechtsdrangs), immer den Brustschwimmern aus dem Weg gehend. Es war keine schlechte Entscheidung. Ich hatte das Gefühl, dass jeder extrem viel Rücksicht nahm und dem anderen genug Platz ließ oder aber hinten gibt es sowieso viel Platz. Egal, recht schnell konnte ich meinen Rhythmus finden.
Ihr könnt euch sicher vorstellen wie überglücklich ich war endlich aus dem Wasser raus zu können und wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren.
Definitiv ist schwimmen nicht mein Element!!
 Nun kamen die Disziplinen die mir liegen und bei denen ich mich wohl fühle.
Jetzt hieß es aber, nicht zu überpacen und genug „Körner“ für den Marathon zu sparen und das Knie sollte und musste möglichst auch lange halten.
Zur Radverpflegung gab´s im Vorfeld klare Ansagen, die ich auch genau einhielt. Jede Stunde eine Salzkapsel und an jeder Versorgungsstation die leeren Trinkflaschen austauschen. Last but not least, immer essen, essen, was mit den Gels auch völlig unproblematisch ist. Alles lief super und ich fühlte mich auch sehr, sehr gut.
Nach 185 km war der „Radeinsatz“ beendet. Der Wechsel klappte gut auch ohne Koppeltraining.
Nun hieß es ganz langsam los laufen. Aber auch hier lief es überraschenderweise gut. Keine Schmerzen und auch die Erschöpfung hielt sich (noch) in Grenzen.
Volker, mein personal coach ;=)) und gute Seele, „pendelte“ ständig von der einen Seite des Eisernen Stegs zur anderen. Immer fragend ob noch alles in Ordnung ist und ob ich irgendwas brauche.
Ich denke, coaching ist eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Nicht nur dafür danke ich ihm von ganzen Herzen sondern auch für seine Ruhe und Gelassenheit am Wettkampftag sowie seine Hilfe im Vorfeld. Dhanyabaad!
Auf der zweiten Runde kam der Einbruch, nicht ganz unerwartet aber schleichend.
Drum war ich wirklich froh meine Freunde auf der Strecke zu haben. Ich wusste ja, dass sie auf mich warten. Auf keinen Fall wollte ich sie mehr als nötig warten lassen. Also trat ich mir ein ums andere mal selbst in den Hintern.
 Irgendwann kam das„Kämpferherz“ wieder und dank ein paar aufmunternder Worte meiner genauso „leidenden“ Mitstreitern bin ich die letzten zwei km gelaufen und nicht mehr gegangen.
Im Zielkanal war ich die einzige und wurde von den Zuschauern frenetisch bejubelt.
Mensch, war das ein Gänsehautfeeling. So etwas hab ich noch nie erlebt. Daran werde ich mich bis in alle Ewigkeiten erinnern, so ein unglaubliches Gefühl. Mir war echt zum Heulen. Vergessen war die Angst vor´m Schwimmen, vergessen die Angst, dass das Knie nicht hält.
Ich bin in´s Ziel gekommen und hab´s geschafft.
Meinen Traum habe ich mir erfüllt.
Und mit Stolz sage ich: Ich bin auch eine IRON-WOMAN, die IRON-ENDI :=))))))))))))))))

DANKE SCHÖN Marie, Du hast mir die entscheidenden Worte im richtigen Moment gesagt! |